Darüber hatte des Baumes Stamm einen Absatz, ein glatt Stück ohne Äste mit seltsamen Seifen der Mißgunst geschmieret. Kein Kerl, er sei dann vom Adel, konnte da hinaufsteigen, dann der Stamm war glätter poliert als ein stählerner Spiegel.
Und darüber saßen die mit den Fähnlein, Junge, denen ihre Vettern hinaufgeholfen, Alte, so auf der silbernen Leiter, die man Schmiralia nennet, oder mangels anderer hinaufgestiegen waren. Je höher, desto besser saßen sie.
Wann ein Commissarius daherkam und eine Wanne voll Geld über den Baum abschüttete, solchen zu erquicken, ließen sie den Untersten soviel wie nichts zukommen. Dahero pflegten von den Untersten mehr Hungers zu sterben, als ihrer vom Feind umkamen. So war ein unaufhörliches Gekrappel und Aufklettern an diesem Baum. Die Untersten hofften der Oberen Fall, geriet es einem unter zehentausend, so stund er im verdrüßlichen Alter, daß er besser hinter den Ofen taugte, Äpfel zu braten, als im Feld vor dem Feind zu liegen. Man nahm dahero anstatt der alten Soldaten viel lieber Plackschmeißer, Kammerdiener, arme Edelleute, irgends Vettern und Schmarotzer und Hungerleider, die denen, so etwas meritiert, das Brot vorm Maul abschnitten und Fähnrich wurden.
Dieses verdroß einen Feldwaibel so sehr, daß er trefflich anfing zu schmälen. Aber Adelhold sagte:
»Graue Bärte schlagen den Feind nicht, man könnte sonst eine Herde Böcke zu solchem Geschäft dingen. Sage mir, du alter Krachwadel, ob nicht edelgeborene Offizierer von der Soldateska besser respektieret werden, dann die, so zuvor gemeine Knechte gewesen? Ist einem Baurenbuben, der seinem Vater vom Pfluge entlaufen, besser zu trauen? Ein rechtschaffener Edelmann, eh er seinem Geschlecht durch Untreue, Feldflucht oder sonst dergleichen einen Schandfleck anhinge, eh würde er ehrlich sterben. Und wann schon einer von euch ein guter Soldat ist, der Pulver riechen und in allen Begebenheiten treffliche Anschläge geben kann, so ist er darum nicht gleich tüchtig andere zu kommandieren. Wenn man den Baur über den Edelmann setzte und also strack zu Herren machte, es stünde nach dem gemeinen Sprichwort nicht fein:
Es ist kein Schwert, das schärfer schiert,
Als wann der Baur zum Herren wird.
Hingegen aber ist ein junger Hund zum jagen viel freudiger als ein alter Löw.«
Der Feldwaibel antwortete: »Welcher Narr wollte dann dienen, wann er nicht hoffen darf, um seine Treue belohnt zu werden? Der Teufel hole solchen Krieg! Dann gilt es gleich, ob sich einer wohl hält oder nicht. Ich habe von unserm alten Obristen vielmals gehöret, daß er keinen Soldaten begehre, der sich nicht festiglich einbilde, durch Wohlverhalten ein General zu werden.
Die Lampe leucht' dir fein, doch mußt du sie auch laben
Mit fett Olivensaft, die Flamm sonst bald verlischt.
Getreuer Dienst durch Lohn gemehrt wird und erfrischt.
Soldatentapferkeit will Unterhaltung haben.
Ich sehe wohl, die Türen zu Würde und Amt werden uns durch den Adel verschlossen gehalten. Man setzet den Adel, wann er aus der Schalen gekrochen, gleich an solche Örter, da wir uns nimmermehr keine Gedanken hin machen dörfen, wanngleich wir mehr getan haben, als mancher Nobilist, den man jetzo für einen Obristen vorstellet. Also veraltet manch wackerer Soldat unter seiner Muskete, der billiger ein Regiment meritierte.«