»Simplici,« meinte er, »deine Sachen stehen lausig. Du hattest einen guten Handel, aber ich besorge, es sei verscherzt. Packe dich nur geschwind aus dem Bette und trolle dich aus dem Haus, damit ich nicht samt dir in deines Herren Ungnade komme, wann man dich bei mir findet.«

Also mußte ich zum ersten Mal erfahren, wie wohl einer bei männiglich daran ist, wann er seines Herren Gunst hat, und wie scheel einer angesehen wird, wann solche hinket.

In meines Herrn Quartier schlief alles noch steinhart bis auf den Koch und ein paar Mägde; diese putzten das Zimmer, darin man gestern gezecht, jener aber rüstete aus den Abschrötlein wieder ein Frühstück oder vielmehr einen Imbiß zu. Das Zimmer lag hin und wieder voller zerbrochener so Trink- als Fenstergläser, voll Unflat und großen Lachen von verschüttetem Wein und Bier, also daß der Boden einer Landkarten gleich sahe, darin man hat unterschiedliche Meere, Insuln und fußfeste Länder vor Augen stellen wollen. Es stank viel übler als in meinem Gänsstall. Derowegen machte ich mich in die Küchen, mit Forcht und Zittern erwartend, was das Glück, wann mein Herr ausgeschlafen hätte, ferners in mir würken wollte. Darneben betrachtete ich der Welt Torheit und Unsinnigkeit, so daß ich damals meines Einsiedlers dörftig und elend Leben vor glückselig schätzte und ihn und mich wieder in den früheren Stand wünschte.


[Das ander Kapitel]

Indessen mußten die Diener hin und wider laufen, die gestrigen Gäste zum Frühstück einzuholen, unter welchen der Pfarrer zeitlicher als alle andern erscheinen mußte, weil mein Herr fürderst meinetwegen mit ihm reden wollte, maßen man ihm berichtet, ich sei aus dem Gänsstall ausgebrochen, indem ich ein Loch hinter dem Riegel mit dem Messer geschnitten.

Er fragte ihn ernstlich, ob er mich vor witzig oder vor närrisch hielte, ob ich so einfältig oder so boßhaftig sei, und erzählete ihm, wie unehrbarlich ich mich gehalten, was teils von seinen Gästen übel empfunden und aufgenommen werde, als wäre es ihnen zum Despekt mit Fleiß so angestellet worden, item, daß ich nun in der Küchen umgehe wie ein Junker, der nicht mehr aufwarten dörfe. Sein Lebtag sei ihm kein solcher Possen widerfahren, als ich ihm in Gegenwart so vieler ehrlicher Leute gerissen. Er wüßte nichts anders mit mir anzufangen, als daß er mich lasse abprügeln und wieder vor den Teufel hinjagen.

Derweilen sammelten sich die Gäste. Der Pfarrer aber antwortete, wann ihm der Gouverneur zuzuhören beliebte, so wolle er vom Simplicio eins und anders erzählen, daraus dessen Unschuld zu ersehen sei und alle ungleichen Gedanken benommen würden.

Inzwischen akkordierte der tolle Fähnrich aus dem Gänsstall mit mir in der Küchen, und brachte mich durch Drohworte und einen Taler dahin, daß ich versprach, reinen Mund zu halten.