Die Tafeln wurden gedeckt und mit Speisen und Leuten besetzt. Wermut-, Salbei-, Alant-, Quitten- und Zitronenwein mußte neben dem Hippokras den Säufern ihre Köpfe und Mägen wieder begütigen, dann sie waren schier alle des Teufels Märtyrer. Ihr erst Gespräch war von ihnen selbsten: wie sie gestern einander so brav vollgesoffen ... mit nichten! sie hätten allein gute »Räusche« gehabt, dann keiner säuft sich mehr voll, sintemal die »Räusche« aufgekommen sind. Als sie aber von ihren eigenen Torheiten zu reden und zu hören müde waren, mußte der arme Simplicius herhalten. Der Gouverneur selbst erinnerte den Pfarrer, die lustigen Sachen zu eröffnen.

Dieser bat zuvörderst, man wolle ihm nicht vor ungut halten, dafern er Wörter reden müßte, die seiner geistlichen Person übel vermerkt werden könnten. Fing darauf an zu erzählen, aus was natürlichen Ursachen ich dem Secretario merkliche Unlust in seiner Kanzlei angerichtet, wie ich sonach das Wahrsagen gelernet und solches schlimm erprobt, wie seltsam mir das Tanzen vorgekommen sei und wie ich darüber in den Gänsstall gelangt wäre. Solches brachte er in einer wohlanständigen Art vor, daß sich die Gäste trefflich zerlachen mußten. Aber von dem, was mir im Gänsstall begegnet, wollte er nichts sagen.

Hingegen fragte mich mein Herr, was ich vor so saubere Künste und Lehren meinem Kameraden gegeben hätte. Ich antwortete: »Nichts«. »So will ich dein Lehrgelt zahlen,« versprach mein Herr und ließ ihn darauf über eine Futtertruhe spannen und allerdings karbaitschen.

Er wollte mich ferner meiner Einfalt wegen stimmen, ihn und seinen Gästen mehr Lust zu machen, dann ich galt mit meinen närrischen Einfällen selbigen Tags über allen Musikanten. Und er fragte, warum ich die Stalltür erbrochen. Ich sagte: »Das mag jemand anders getan haben.« — »Wer?« — »Das darf ich niemand sagen.« Mein Herr war aber ein geschwinder Kopf und sahe wohl, wie man mich Lausen müßte. »Wer hat dir solches verboten?« — »Der tolle Fähnrich da.«

Ich merket an jedermanns Gelächter, daß ich mich gewaltig verhauen haben mußte, und der tolle Fähnrich ward so rot wie eine glühende Kohlen.

Darauf gebot mein Herr zu reden und fragte: »Was hat der tolle Fähnrich bei dir im Gänsstall zu tun gehabt?« Ich antwortete: »Er brachte eine Jungfer mit hinein.«

Darüber erhub sich bei allen Anwesenden ein solch Gelächter, daß mich mein Herr nicht mehr hören, geschweige etwas weiters fragen konnte.

So brachten etliche mehr Possen auf die Bahn, sunderlich meine einfältigen Straf- und Mahnreden, daß man schier denselben Imbiß von nichts, als nur von mir zu reden und zu lachen hatte.

Und das verursachte einen allgemeinen Entschluß zu meinem Untergang: man sollte mich nur tapfer agieren, so würde ich mit der Zeit einen raren Narren abgeben, den man auch den größten Potentaten der Welt verehren und mit dem man die Sterbenden zum Lachen bringen könnte. —

Wie man nun also schlampampte und wieder gut Geschirr machen wollte, meldete die Wacht einen Commissarium an, der vor dem Tor sei. Das eingehändiget Schreiben besagte, er wäre von den schwedischen Kronräten abgeordnet, die Guarnison zu mustern und die Festung zu visitieren. Solches versalzte allen Spaß und das Freudengelag verlummerte wie ein Dudelsackzipfel, dem der Blast entgangen. Die Musikanten und Gäste zerstoben wie Tabakrauch, der nur den Geruch hinter sich läßt. Mein Herr trollete selbst mit dem Adjutanten, der den Schlüssel trug, samt einem Ausschuß von der Tagwacht und vielen Windlichtern dem Tor zu, den Plackschmeißer, wie er ihn nannte, selbst einzulassen. Er wünschte, daß ihm der Teufel den Hals in tausend Stücke bräche, ehe er in die Festung käme.