»Warum?«

»Darum, dieweil hier Brauch ist, redliche Kälber in Gänsstall zu sperren.«

Sie führten mich gegen des Gouverneurs Quartier zu und uns folgte eine große Schar Buben nach, die ebensowohl als ich, wie Kälber schrien.

Also ward ich dem Gouverneur präsentiert, als ob ich von denen Soldaten erst auf Partei erbeutet worden wäre. Er versprach mir die beste Sach. Ich sagte: »Wohl Herr, man muß mich aber in keinen Gänsstall sperren, dann wir Kälber können solches nicht erdulden, wann wir anders wachsen und zu einem Stück Hauptviehe werden sollen.«

Er vertröstete mich eines besseren und dünkte sich gar gescheit zu sein, daß er einen solchen visierlichen Narren aus mir gemachet hätte. Hingegen gedachte ich: Harre mein, lieber Herr, ich habe die Probe des Feuers überstanden.

Indem trieb ein geflüchteter Baur sein Viehe zur Tränke. Ich sahe es und eilete mit einem Kälbergeplärr den Kühen zu, so sich vor mir ärger entsatzten als vor einem Wolf, ja, sie wurden so schellig und zerstoben von einander, daß sie der Bauer am selbigen Ort nicht mehr zusammenbringen konnte. Im Hui war ein Haufen Volk darbei, das der Gaukelfuhre zusahe. Mein Herr lachte, daß er hätte zerbersten mögen, und meinte endlich: »Ein Narr macht ihrer hundert!« Ich aber gedachte, eben du bist derjenige, dem du jetzt wahrsagest.

Gleichwie mich nun jedermann von selbiger Zeit an das Kalb nannte, also nannte ich hingegen auch einen jeden mit einem besonderen Namen. In summa mich schätzte männiglich vor einen ohnweisen Toren und ich hielte jeglichen vor einen gescheiten Narren. Dieser Brauch ist meines Erachtens in der Welt noch üblich, maßen ein jeder mit seinem Witz zufrieden und sich einbildet, er sei der Gescheiteste unter allen.

Bei der Mittagsmahlzeit wartete ich auf wie zuvor, brachte aber daneben seltsame Sachen auf die Bahn, und, als ich essen sollte, konnte niemand menschliche Speise oder Trank in mich bringen. Ich wollte kurzum nur Gras haben, was zur selbigen winterlichen Zeit zu bekommen unmüglich war. So ließ mein Herr zweien kleinen Knaben frische Kalbfell überstreifen, diese satzte er zu mir und traktierte uns mit Wintersalat. Ich aber sahe so starr drein, als wann ich mich darüber verwunderte.

»Jawohl,« sagten sie, weil sie mich so kaltsinnig sahen, »es ist nichts Neues, daß Kälber Fleisch, Fisch, Käse, Butter und anders fressen. Sie saufen auch zu Zeiten einen guten Rausch.«

Ich ließ mich desto ehender überreden, als ich hiebevor schon selbst gesehen, wie teils Menschen säuischer als Schweine, geiler als Böcke, neidiger als Hunde, unbändiger als Pferde, gröber als Esel, versoffener als Rinder, gefräßiger als Wölfe, närrischer als Affen und giftiger als Schlangen und Kroten waren, so dannoch allesamt menschlicher Nahrung genossen und nur durch die Gestalt von den Tieren unterschieden waren.