Wie der Pfarrer gesagt, also ging es: Im ersten Schlaf kamen vier Kerl in schröcklichen Teufelslarven, die sprungen herum wie Gaukler. Einer hatte einen glühenden Hacken, der andere eine Fackel. Zween aber wischten über mich her, zogen mich aus dem Bette, tanzten mit mir hin und her, zwangen mir meine Kleider an Leib. Ich aber verführete ein jämmerliches Zetergeschrei und ließ die allerforchtsamsten Gebärden erscheinen. Hierauf verbanden sie mir den Kopf mit einem Handtuch und führeten mich unterschiedliche Umwege, viel Stiegen auf und ab und endlich in einen Keller, darin ein großes Feuer brannte. Sie banden das Handtuch ab und fingen an, mir mit spanischem Wein und Malvasier zuzutrinken. Ich stellet mich mit allem Fleiß, als wäre ich nun gestorben und im Abgrund der Hölle.
»Sauf zu! Willtu nicht ein guter Gesell sein, so mußt du in gegenwärtiges Feuer!«
Die armen Teufeln wollten ihre Sprache und Stimme verquanten, damit ich sie nicht kennen sollte, ich merkte aber gleich, daß es meines Herrn Fourierschützen waren. So trank ich mein Teil, sie aber soffen, weil derlei himmlischer Nectar selten an solche Gesellen kommt. Da michs aber Zeit zu sein bedünkte, stellete ich mich mit Hin- und Hertorkeln, wie ichs gesehen hatte, und wollte endlich gar nicht mehr saufen, sondern schlafen. Sie hingegen jagten und stießen mich mit ihren Hacken, die sie allezeit im Feuer liegen hatten, in allen Ecken des Kellers herum. Und wann ich in solcher Hatz niederfiel, so packten sie mich auf, als wann sie mich ins Feuer werfen wollten. Also ging mirs wie einem Falken, den man wacht. Ich hätte zwar Trunkenheit und Schlafes halber ausgedauert, aber sie lösten einander ab. Drei Täge und zwei Nächte habe ich in diesem raucherichten Keller zugebracht. Der Kopf fing mir an zu brausen und zu wüten, als ob er zerreißen wollte. Ich warf mich hin und stellet mich tot. Da legten sie mich in ein Leinlach und zerplotzten mich so unbarmherzig, daß mir alles Eingeweide samt der Seele hätte herausfahren mögen. Wovon ich meiner Sinne beraubt ward und nicht weiß, was sie ferners mit mir gemacht haben.
Als ich zu mir selber kam befand ich mich in einem schönen Saal unter den Händen dreier alter Weiber, die vor eine treffliche Arznei wider die unsinnige Liebe hätten dienen mögen, so garstig waren sie. Ich erkannte wohl, daß die eine unsere Schüsselwäscherin, die andern zwo aber zweier Fourierschützen Weiber waren. Da stellete ich mich, als wann ich mich nicht zu regen vermöchte, wie mich dann in Wahrheit auch nicht tanzerte, als die ehrlichen Alten mich auszogen und mich wie ein klein Kindlein säuberten. Doch tät mir solches trefflich sanft. Sie bezeugten unter währender Arbeit große Geduld und Mitleiden, also daß ich ihnen beinahe offenbaret hätte, wie gut mein Handel noch stünde. Zum Glück gedachte ich: Nein, Simplici, vertraue keinem alten Weibe! — Da sie nun mit mir fertig waren, legten sie mich in ein köstlich Bette, darin ich ungewiegt entschlummerte. Meines Davorhaltens schliefe ich in einem Satz länger als vierundzwenzig Stunden. Da ich erwachte stunden zween schöne, geflügelte Knaben vorm Bette, welche mit weißen Hemden, taffeten Binden, Perlen, Kleinodien, göldenen Ketten und andern scheinbarlichen Sachen köstlich gezieret waren. Einer hatte ein vergöldtes Lavor voller Hippen, Zuckerbrot, Marzipan und anderm Konfekt, der ander aber einen göldnen Becher in Händen. Diese Engel wollten mich bereden, daß ich nunmehr im Himmel sei, weil ich das Fegfeuer so glücklich überstanden. Derohalben sollte ich nur begehren, was mein Herz wünsche. Mich quälte der Durst, mich verlangete nur nach einem Trunk, der mir auch mehr als gutwillig gereichet wurde. Es war aber kein Wein, sondern ein lieblicher Schlaftrunk.
Den andern Tag erwachte ich wiederum (dann sonst schliefe ich noch heute), befand mich aber nicht mehr im Bette noch im vorigen Saal, sondern in meinem Gänskerker und überdas trug ich ein Kleid von Kalbsfellen, daran das rauhe Teil nach auswendig gekehrt war. Die Hosen waren auf polnisch oder schwäbisch, der Wams auf närrisch gemacht. Oben am Hals stund eine Kappe wie eine Mönchsgugel, die war mir über den Kopf gestreift und mit einem Paar großer Eselsohren gezieret. Ich mußte meines Unsterns selbst lachen, weil ich an Nest und Federn sahe, was ich vor ein Vogel sein sollte. Ich bedachte mich aufs beste und satzte mir vor, mich so närrisch zu stellen, als mir immer müglich sei, darneben mit Geduld zu verharren.
[Das vierte Kapitel]
Weil ich ein Narr sein sollte, der nicht so witzig ist, von sich selbst herauszugehen, achtet ich des Loches, das der tolle Fähnrich in die Tür geschnitten hatte, nicht, sondern blieb und stellte mich als ein hungrig Kalb, das sich nach der Mutter sehnet. Mein Geplärr ward auch bald von zween Soldaten gehöret, die darzu bestellt waren. Sie fragten mich, wer da sei. Ich antwortete: »Ihr Narren, höret ihr dann nicht, daß ein Kalb da ist?« Sie nahmen mich heraus und verwunderten sich wie neugeworbene Komödianten, die nicht wohl agieren können, daß ein Kalb rede. Sie beratschlagten, mich dem Gubernator zu verehren, der ihnen mehr schenken würde, als der Metzger vor mich bezahlt hätte. Sie fragten mich, wie demnach mein Handel stünde.
»Liederlich genug,« antwortete ich.