Solang mein Proviant währete, blieb ich im Wald, als aber mein Ranzen leer worden, jagte mich der Hunger in die Baurenhäuser. Da kroch ich bei Nacht in Keller und Küchen, nahm, was ich fand, und schleppte es mit mir dahin, wo es am allerwildesten war. Noch stund der Sommer im Anfang und ich konnte mit meinem Rohr Feuer machen.

Unter währendem diesem Herumschweifen haben mich unterschiedliche Baursleute angetroffen, die seind aber allezeit vor mir geflohen. Also ward ruchbar, der böse Feind wandere wahrhaftig in selbiger Gegend umher. Derowegen mußte ich sorgen, der Proviant möchte mir ausgehen. Ich wollte wieder Wurzeln und Kreuter essen, deren war ich aber nicht mehr gewohnt.

Einsmals hörete ich zween Holzheuer. Ich ging dem Schlag nach, und als ich sie sahe, nahm ich eine Handvoll Dukaten, schlich nahe zu ihnen, zeigte ihnen das anziehende Geld und sagte: »Ihr Herren, wann ihr meiner wartet, so will ich euch die Handvoll Gold schenken.«

Aber sobald sie mich und das Gold sahen, gaben sie Fersengeld und ließen Schlegel und Keil samt ihrem Käs- und Brotsack liegen. Den nahm ich, verschlug mich in den Wald und verzweifelte schier, wieder einmal unter Menschen zu kommen.

Nach langem Hin- und Hersinnen gedachte ich meinen Schatz zu sichern, derowegen machte ich mir aus meinen Eselsohren zwei Armbinden, gesellete darein meine hanauischen zu den schnapphahnischen Dukaten und arrestieret die Armbänder oberhalb den Ellbogen um meine Arme. Sodann fuhr ich den Bauren wieder ein und holte von ihrem Vorrat, was ich bedurfte und erschnappen konnte, jedoch so, daß ich niemals wieder an denselbigen Ort kam.

Als ich zu Ende Mai wieder in einen Baurenhof geschlichen war, kam ich in die Küche, merkte aber bald, daß noch Leute auf waren. Blieb demnach mausstill sitzen und wartete. Unterdessen nahm ich einen Spalt gewahr, den das Küchenschälterlein hatte. Ich schlich hinzu und sahe anstatt des Lichts eine schweflichte, blaue Flamme auf der Bank stehen, bei welcher sie Stecken, Besen, Gabeln, Stühl und Bänke schmierten und nach einander damit zum Fenster hinaus flogen. Ich wunderte mich schröcklich und empfand großes Grauen, weil ich aber größerer Schröcklichkeiten gewohnt war, verfügte ich mich, nachdem sie alle abgefahren, in die Stube und bedachte, wo ich etwas finden sollte. Satzte mich in solchen Gedanken auf eine Bank rittlings nieder. Ich war aber kaum aufgesessen, da fuhr ich samt der Bank gleichsam augenblicklich zum Fenster hinaus und ließ meinen Ranzen und Feuerrohr vor den Schmierlohn und die künstliche Salben dahinter.

Ich kam in einem Nu zu einer großen Schar Volkes, diese tanzten einen wunderlichen Tanz, dergleichen ich mein Lebtag nie gesehen. Sie hatten sich bei den Händen gefaßt und viel Ring ineinander gemacht mit zusammengekehrten Rücken, also, daß sie die Angesichter hinauswarts kehrten. Ein Ring tanzte um den andern links, der ander rechts herum und würblete dermaßen, daß ich nicht sehen konnte, was sie in der Mitte stehen hatten. Gleich seltsam war die Musik, welche eine wunderliche Harmoniam abgab. Meine Bank hatte mich bei den Spielleuten niedergelassen. Die hatten anstatt Flöten, Zwerchpfeifen und Schalmeien nichts anderes als Nattern, Vipern und Blindschleichen, darauf sie lustig daherpfiffen. Etliche geigten auf Roßköpfen, andere schlugen Harfe auf einem Kühgerippe, wie solche auf dem Wasen liegen. Einer hatte eine Hündin am Arm, deren leierte er am Schwanz und fingerte an den Dütten. Darunter trompeteten die Teufel durch die Nase, daß es im ganzen Wald erschallete. Wie der Tanz bald aus war, fing die ganze höllische Gesellschaft an zu rasen, zu rufen, zu rauschen, zu brausen, zu wüten und zu toben, als ob sie alle toll wären.

In diesem Lärmen kam ein Kerl auf mich dar und hatte eine ungeheuere Krote unterm Arm, der waren die Därme ausgezogen und wieder zum Maul hineingeschoppt.

»Sieh hin, Simplici, ich weiß du bist ein guter Lautenist, laß doch ein Stückgen hören!«

Ich erschrak, daß ich schier umfiel, weil mich der Kerl mit meinem Namen nannte. Ich sahe ihn mit seiner Krot steif an und er zog seinen Nase aus und ein. Endlich stieß er mir vor die Brust, daß ich bald davon erstickte, derowegen rief ich überlaut zu Gott. Im Hui war es stockfinster und mir so förchterlich ums Herz, daß ich zu Boden fiel und wohl hundert Kreuz vor mich machte.