»Der Herr sei gebeten, mir zu verzeihen, daß ich die Frechheit gebrauche, ein Wort mit ihm zu reden.«
»Wohl,« antwortete der Stallmeister, »was beliebt dann dem Herrn?«
»Nichts anders,« sagte der Leutenant, »als daß ich den Herrn bitten wollte, ob er sich ließe belieben, mir meine Nativität zu stellen.«
Der Stallmeister entgegnete: »Ich will verhoffen, mein hochgeehrter Herr werde mir vergeben, daß ich demselben vor diesmal meiner Krankheit halber nicht willfahren kann. Weil diese Arbeit viel Rechnens brauchet, wirds mein blöder Kopf jetzo nicht verrichten können. Wann er sich aber bis morgen zu gedulden beliebet, will ich ihm verhoffentlich genugsame Satisfaction tun.«
»Herr,« sagte hierauf der Leutenant, »Er sage mir nur etwas dieweil aus der Hand.«
»Mein Herr,« antwortete der alte Herzbruder, »dieselbe Kunst ist gar mißlich und betrüglich, derowegen bitte ich, der Herr wolle mich damit soweit verschonen, ich will morgen hergegen alles gern tun, was der Herr von mir begehret.«
Der Leutenant wollte sich doch nicht abweisen lassen, sondern trat meinem Vater vors Bette, streckte ihm die Hand dar und sagte:
»Herr, ich bitte nur um ein paar Worte, meines Lebens Ende betreffend mit Versicherung, wann solches etwas Böses sein sollte, daß ich des Herren Rede als eine Warnung von Gott annehmen will, um mich desto besser vorzusehen. Darum bitte ich um Gottes willen, der Herr wolle mir die Wahrheit nicht verschweigen!«
Der redliche Alte antwortete ihm hierauf kurz und sagte: »Nun wohlan, so sehe sich der Herr dann wohl vor, damit er nicht in dieser Stunde noch aufgehängt werde.«
»Was, du alter Schelm,« schrie der Leutenant, »solltest du einen Kavalier solche Worte vorhalten dörfen!« Zog damit vom Leder und stach meinen lieben alten Herzbruder im Bette zu Tode.