Ich und der Fourierschütz riefen alsbald Lärmen und Mordio, also daß alles dem Gewehr zulief. Der Leutenant aber machte sich unverweilet auf seinen Schnellfuß und wäre auch ohn Zweifel entritten, wann nicht eben persönlich der Kurfürst von Sachsen mit vielen Pferden vorbei gekommen wäre und ihn hätte einholen lassen. Als derselbe den Handel vernahm, wandte er sich zu dem von Hatzfeld, als unserm General, und sagte nichts andres als dieses:

»Das wäre eine schlechte Disciplin in einem kaiserlichen Läger, wann auch ein Kranker im Bette vor den Mördern seines Lebens nicht sicher sein sollte!«

Das war ein scharfer Sentenz und genugsam, den Leutenant um das Leben zu bringen, gestalt ihn unser General alsbald an seinem allerbesten Hals aufhängen ließ.

Aus dieser wahrhaftigen Histori ist zu sehen, daß nicht sogleich alle Wahrsagungen zu verwerfen sein, wie etliche Gecken tun, die gar nichts glauben können. Allein ich habe oft gewünscht und wünsche es noch, daß mein lieber alter Herzbruder zu mir geschwiegen hätte. Dann der Mensch kann sein vorausgesetztes Ziel schwerlich überschreiten, also auch ich die unglücklichen Fälle, so er mir angezeiget, habe niemals umgehen können. Was half mir, daß der alte Herzbruder hoch und teuer schwur, ich wäre von edlen Eltern geboren und erzogen worden, da ich doch von niemand anders wußte, als von meinen Knän und meiner Meuder! Item was halfs dem Wallenstein, Herzog von Friedland, daß ihm profezeit ward, er werde gleichsam mit Saitenspiel zum König gekrönt werden. Weiß man nicht, wie er zu Eger ist eingewieget worden?


[Das zwölfte Kapitel]

Meine beiden Herzbrüder hatte ich verloren, das ganze Läger vor Magdeburg war mir verleidet, ich ward meines Standes so müd und satt, als wann ich's mit lauter eisernen Kochkesseln gefressen hätte.

Olivier, der Secretarius, welcher nach des alten Herzbruders Tod mein Hofmeister geworden war, erlaubte mir oft mit den Knechten auf Fourage zu reuten. Als wir nun einsmals in ein großes Dorf kamen, darin etliche den Reutern zuständige Bagage logierte, und jeder hin und wider in die Häuser ging, zu suchen, was etwan mitzunehmen wäre, stahl ich mich auch hinweg und suchte, ob ich nicht ein altes Baurenkleid finden möchte. Aber ich mußte mit einem Weiberkleid vorlieb nehmen, zog es an und warf den Narrenhabit in ein Secret. In diesem Aufzuge ging ich über die Gasse etlichen Offiziersweibern entgegen und machte enge Schrittlein. Ich war aber kaum außer Dach, da mich etliche Fouragierer sahen und besser springen lehrten. Sie schrieen: Halt! Halt! — ich lief zu den obgemeldten Offiziererinnen, vor denselben fiel ich auf die Knie und bat, meine Jungfernschaft vor diesen geilen Buben zu schützen. Da ward ich von einer Rittmeisterin vor eine Magd angenommen, bei welcher ich mich auch beholfen, bis Magdeburg von den unseren eingenommen ward.

Die Rittmeisterin war kein Kind mehr, wiewohl sie noch jung war, und vernarrete sich dermaßen in meinen glatten Spiegel und geraden Leib, daß sie mir endlich nach lang gehabter Mühe und vergeblicher, umschweifender Weitläufigkeit nur allzu deutsch zu verstehen gab, wo sie der Schuh am meisten drucke. Ich aber, damals noch viel zu gewissenhaft, tät, als wann ichs nicht merkte und ließ keine anderen Anreizungen erscheinen, als solche daraus man eine fromme Jungfer urteilen mochte. Der Rittmeister und sein Knecht lagen an derselben Kränke wie die Rittmeisterin, dahero befahl er seinem Weibe, sie sollte mich besser kleiden, damit sie sich meines garstigen Baurenkittels nicht schämen dörfte. Sie tät mehr, als ihr befohlen war, und putzte mich heraus wie eine franzsche Poppe, welches das Feuer bei allen dreien noch mehr schürete. Ja, es ward endlich bei ihnen so groß, daß Herr und Knecht eifrigst von mir begehreten, was ich ihnen nit leisten konnte und der Frau selbst mit einer schönen Manier verweigerte. Und weil die Rittmeisterin mich noch endlich zu überwinden verhoffte, verlegte sie dem Manne alle Pässe und liefe ihm alle Ränke ab, also daß er vermeinete, er müsse toll und töricht darüber werden. Einsmals stund der Knecht vor dem Wagen, darin ich alle Nacht schlafen mußte, klagte mir seine Liebe mit heißen Tränen und bat andächtig um Gnade und Barmherzigkeit. Ich aber erzeigte mich härter als Stein und gab ihm zu verstehen, daß ich meine Keuschheit bis in Ehstand bewahren wollte. Da er mir die Ehe wohl tausendmal anbot, und ich ihm stets versicherte, daß es unmöglich sei, verzweifelte er endlich gar, dann er zog den Degen aus, satzte die Spitze an die Brust, den Knopf an den Wagen und tät nicht anders, als wann er sich jetzt erstechen wollte. Ich sprach ihm zu und gab ihm Vertröstung auf morgen frühe. So ward er content und ging schlafen, ich aber wachte desto länger. Und ich befand, daß meine Sache mit der Zeit nicht gut tun würde. Die Rittmeisterin ward je länger, je importuner mit ihren Reizungen, der Rittmeister verwegener mit seinen Zumutungen, der Knecht verzweifelter in seiner Liebe. Ich mußte oft meiner Frau bei hellem Tage Flöhe fangen, nur darum, daß ich ihre Alabasterbrüstlein sehen und ihren zarten Leib genug betasten sollte, welches mir, weil ich auch Fleisch und Blut hatte, zu ertragen stets schwerer fallen wollte. Ließ mich die Frau zufrieden, so quälete mich der Rittmeister, und wann ich von diesen beiden Ruhe haben sollte, so peinigte mich der Knecht. Also kam mich das Weiberkleid zu tragen viel sauerer an, als meine Narrenkappe. Ich steckte würklich in derjenigen Gefängnus, auch Leib- und Lebensgefahr, als mein alter Herzbruder wahrgesaget hatte. Was sollte ich tun? Ich beschloß endlich, mich dem Knecht zu offenbaren, sobald es Tag würde, dann ich dachte, seine Liebesregungen werden sich alsdann legen.