Mein Hans ließ es gleich nach Mitternacht tagen, sein Jawort zu holen, und fing an am Wagen zu rappeln, als ich eben am allerstärksten schlief. Er rief etwas zu laut: »Sabina, Sabina, ah, mein Schatz, stehet auf und haltet mir Euer Versprechen!« Also weckte er den Rittmeister eher als mich, weil der sein Zelt am Wagen stehen hatte. Ihm ward vor Eifersucht grün und gelb vor den Augen, doch kam er nicht heraus, sondern stund nur auf zu sehen, wie der Handel liefe. Zuletzt weckte mich der Knecht. Ich schalt ihn, er aber nötigte mich mit seiner Importunität, aus dem Wagen zu kommen, oder ihn einzulassen. Wie ich nun mit meinen aufgestreiften Ärmeln herabstieg, ward mein Hans durch meine weißen Arme so heftig inflammieret, daß er mich mit Küssen anfiel. Solches vermochte der Rittmeister nicht zu erdulden, sondern sprang mit bloßem Degen aus dem Zelt, meinem armen Liebhaber den Fang zu geben, aber der ging durch und vergaß das Wiederkommen.
»Du Bluthur, ich will dich lernen ...« mehrers konnte der Rittmeister vor Zorn nicht sagen, sondern schlug auf mich zu, als wann er unsinnig wäre. Ich fing an zu schreien, darum mußte er aufhören, damit er keinen Alarm erregte, dann beide Armeen, die sächsische und die kaiserliche, lagen damals gegeneinander, weil sich die schwedische unter dem Panier näherte.
Als es nun Tag worden, gab mich mein Herr den Reuterjungen preis, eben als beide Armeen aufbrachen. Das war nun ein Schwarm von Lumpengesind, und dahero die Hatz desto größer und erschröcklicher. Sie eileten mit mir einem Busch zu, ihre viehischen Begierden zu sättigen, wie dann diese Teufelskinder im Brauch haben, wann ihnen ein Weibsbild dergestalt übergeben wird. So folgten ihnen auch sonst viel Bursche nach, die dem elenden Spaß zusahen, unter welchen auch mein Hans war. Der ließ mich nicht aus den Augen. Er wollte mich mit Gewalt erretten, und sollte es seinen Kopf kosten. Er bekam Beiständer, weil er sagte, ich sei seine versprochene Braut. Solches war den Reuterjungen, die ein besser Recht auf mich zu haben vermeineten, allerdings ungelegen. Da fing man an Stöße auszuteilen, der Zulauf ward je länger, je größer, ihr Geschrei lockte den Rumormeister herzu, welcher eben ankam, als sie mir die Kleider vom Leibe gerissen und gesehen hatten, daß ich kein Weibsbild war. Seine Gegenwart machte alles stockstill, weil er mehr geförchtet ward als der Teufel selbst. Er informierte sich der Sache kurz und nahm mich gefangen, weil es ein ungewöhnlich und fast argwöhnisch Ding war, daß sich ein Mannsbild in Weiberkleidern sollte finden lassen.
Ich ward zum General-Auditor geführt, der fing an mich zu examinieren. Da erzählete ich meine Händel, wie sie waren, es ward mir aber nicht geglaubt. Auch konnte der General-Auditor nicht wissen, ob er einen Narren oder einen ausgestochenen Bösewicht vor sich hatte. Frage und Antwort fiel so artlich und der Handel an sich selbst war seltsam.
Er hieß mich, eine Feder nehmen und schreiben, ob etwa meine Handschrift bekannt oder doch so beschaffen wäre, daß man etwas daraus abnehmen möchte. Ich ergriff Papier und Feder geschicklich und fragte, was ich schreiben sollte. Der General-Auditor, der vielleicht unwillig war, weil das Examen sich verzog, antwortete.
»Hei, schreib: deine Mutter, die Hur!«
Ich satzte ihm diese Worte hin, und sie machten meinen Handel nur desto schlimmer, dann der General-Auditor glaubte jetzt erst, daß ich ein rechter Vogel sei. Er fragte den Profosen, ob man mich visitiert, der Profos antwortete: nein, dann mich der Rumormeister gleichsam nackend eingebracht hätte. Aber ach, das half nichts, der Profos mußte mich besuchen und fand meine beiden Eselsohren mit den Dukaten.
Da hieß es: was bedörfen wir ferner Zeugnus; dieser Verräter hat ohn Zweifel ein groß Schelmstück zu verrichten. Warum sollte sich sonst ein Gescheiter in ein Narrenkleid oder ein Mannsbild in Weiberkittel verstellen, zu was End wäre er sonst mit einem so ansehnlichen Stück Geld versehen? Saget er nicht selbst, er habe bei dem Gubernator zu Hanau, dem allerverschlagensten Soldaten in der Welt, lernen auf der Lauten schlagen? Was mag er sonst bei denselben Spitzköpfen vor listige Praktiken gesehen haben! Der nächste Weg ist, daß man ihn auf die Folter bringe!
Wie mir damals zu Mut gewesen, kann sich ein jeder leicht einbilden.
Aber eh man diesen strengen Prozeß mit mir ins Werk satzte, gerieten die Schweden den Unsrigen in die Haare. Gleich anfänglich kämpften die Armeen um den Vortel und gleich darauf um das schwere Geschütz, dessen die Unsrigen stracks verlustig wurden.