Unser Profos hielt zwar ziemlich weit mit seinen Leuten und den Gefangenen hinter der Battaglia, gleichwohl waren wir unserer Brigade so nahe, daß wir jeden von hinterwärts an den Kleidern erkennen konnten. Und als eine schwedische Eskadron auf die unsrige traf, waren wir sowohl als die Fechtenden selbst in Todesgefahr, dann in einem Augenblick flog die Luft so häufig voller singender Kugeln über uns her, daß es das Ansehen hatte, als ob die Salve uns zu Gefallen wäre gegeben worden. Davon duckten sich die Forchtsamen, als ob sie sich in sich selbst hätten verbergen wollen, diejenigen aber, so Courage hatten und mehr bei dergleichen Scherz gewesen, ließen solche unverblichen über sich hinstreichen. Im Treffen selbst suchte jeder seinem Tode mit Niedermachung des Nächsten, der ihm aufstieß, vor zu kommen. Das gräuliche Schießen, das Gekläpper der Harnische, das Krachen der Piken, das Geschrei beider: der Verwundeten und Angreifenden machten neben den Trompeten, Trommeln und Pfeifen eine erschröckliche Musik. Da sahe man nichts als einen dicken Rauch und Staub, welcher schien, als wolle er die Abscheulichkeit der Verwundeten und Toten bedecken. In demselben hörete man ein jämmerliches Wehklagen der Sterbenden und ein lustiges Geschrei derjenigen, die noch voller Mut staken. Die Pferde selbst hatten das Ansehen, als wenn sie zur Verteidigung ihrer Herren je länger, je frischer würden, so hitzig zeigten sie sich in dieser Schuldigkeit. Deren sahe man etliche unter ihren Herren tot darniederfallen, voller Wunden, die sie unverschuldet in getreuem Dienste empfangen hatten, andere fielen auf ihre Reuter und wurden so von ihnen getragen, die sie bei Lebzeiten hatten tragen müssen, wiederum andere, nachdem sie ihrer herzhaften Last, die sie kommandiert hatte, entladen worden, ließen die Menschen in ihrer Wut und Raserei, rissen aus und suchten im weiten Feld ihre einstige Freiheit.
Die Erde, die sonst alle Toten deckt, war damals selbst mit Toten überstreut. Köpfe und Leiber lagen getrennt, etlichen hing in grausamer und jämmerlicher Weise das Ingeweid heraus, andern war der Kopf zerschmettert und das Hirn zerspritzt. Da sahe man die entseelten Leiber ihres eigenen Geblüts beraubet und hingegen Lebendige mit fremdem Blute begossen. Da lagen abgeschossene Arme, an welchen sich die Finger noch regten, gleichsam als ob sie wieder in das Gedräng wollten, hingegen rissen Kerle aus, die noch keinen Tropfen Blut vergossen hatten. Dort lagen abgelöste Schenkel, die, obwohl der Bürde ihres Körpers entladen, dennoch viel schwerer geworden waren. Da sahe man verstümmelte Soldaten um Beförderung ihres Todes, hingegen andere um Quartier und Verschonung ihres Lebens bitten. Summa summarum da war nichts anderes als ein elender, jämmerlicher Anblick.
Die schwedischen Sieger trieben die Unsrigen, um sie mit ihrer schnellen Verfolgung vollends zu zerstreuen. Mein Herr Profos ergriff die Flucht und nötigte uns, samt ihm durchzugehen. Da jagte der junge Herzbruder daher mit noch fünf Pferden und grüßte ihn mit einer Pistole:
»Siehe da, du alter Hund, ist es noch Zeit junge Hündlein zu machen? Ich will dir deine Mühe bezahlen!«
Aber der Schuß beschädigte den Profosen so wenig wie einen stählernen Ambos.
»Oho, bist du der Haare,« rief mein Herzbruder, »ich will nicht vergeblich dir zu Gefallen herkommen sein. Du mußt sterben und wäre dir deine Seele angewachsen!«
Er befahl darauf einen Musketierer von des Profosen eigener Wacht, ihn mit der Axt niederzuschlagen.
Ich aber ward erkannt, meiner Ketten und Bande entlediget und auf ein Pferd gesatzt, das mein Herzbruder durch einen Knecht in Sicherheit führen ließ.