Ich saß einsmals mit fünfundzwanzig Feuerröhren nicht weit von Dorsten und paßte einer Bedeckung mit etlichen Fuhrleuten auf, die nach Dorsten kommen sollte. Ich hielt selbst Schildwacht, weil wir dem Feinde nahe waren. Da sah ich einen Mann daherkommen, fein ehrbar gekleidet, der redete mit sich selbst und focht dabei seltsam mit den Händen.

»Ich will einmal die Welt strafen, es sei dann, mir wolle es das große Numen nicht zugeben!«

Woraus ich mutmaßete, er möcht etwan ein mächtiger Fürst sein, der so verkleideter Weise herumginge, seiner Untertanen Leben und Sitten zu erkunden. Ich dachte, ist dieser Mann vom Feind, so setzt es ein gutes Lösegeld, wo nicht, so willst du ihn aufs höflichste traktieren. Sprang derohalben hervor und präsentierte mein Gewehr mit aufgezogenem Hahnen.

»Der Herr wird belieben, vor mir hin in den Busch zu gehen.«

Er antwortete sehr ernsthaftig: »Solcher Tractation ist meinesgleichen nicht gewohnt.«

Ich tummlete ihn höflich fort. »Der Herr wird sich vor diesmal in die Zeit schicken.«

Als die Schildwachen wieder besetzt waren, fragte ich ihn, wer er sei. Er antwortete großmütig, es würde mir wenig daran gelegen sein, wannschon ich es wüßte: Er sei auch ein großer Gott!

Ich gedachte, er mochte mich vielleicht kennen und etwan ein Edelmann von Soest sein und so sagen, um mich zu hetzen, weil man die Soester mit dem großen Gott und dem göldenen Fürtuch zu vexieren pfleget, ward aber bald in, daß ich anstatt eines Fürsten einen Phantasten gefangen hätte, der sich überstudieret und in der Poeterei gewaltig verstiegen, dann er gab sich vor den Gott Jupiter aus. Ich wünschte zwar, daß ich den Fang nicht getan, mußte den Narren aber wohl behalten. Mir ward ohn das die Zeit lang, so gedachte ich diesen Kerl zu stimmen.

»Nun dann, mein lieber Jove, wie kommt es doch, daß deine hohe Gottheit ihren himmlischen Thron verlässet und zu uns auf Erden steiget? Vergib mir, o Jupiter, meine Frage, die du vor fürwitzig halten möchtest, dann wir seind den himmlischen Göttern auch verwandt und eitel Sylvani, von den Faunis und Nymphis geboren, denen diese Heimlichkeit billig unverborgen bleiben sollte.«

»Ich schwöre beim Styx,« antwortete er, »daß du nichts erfahren solltest, wann du meinem Mundschenken Ganymed nicht so ähnlich sähest! Zu mir ist ein groß Geschrei über der Welt Laster durch die Wolken gedrungen, darüber ward in aller Götter Rat beschlossen, den Erdboden wieder mit Wasser auszutilgen. Weil ich aber dem Menschengeschlecht mit sonderbarer Gunst gewogen bin, vagiere ich jetzt herum, der Menschen Tun und Lassen selbst zu erkündigen. Obwohl ich alles ärger finde, als es vor mich gekommen, so will ich doch nicht alle Menschen zugleich und ohn Unterscheid ausrotten, sondern allein die Schuldigen.«