Ich verbiß das Lachen, so gut ich konnte.

»Ach Jupiter, deine Mühe und Arbeit wird besorglich allerdings umsonst sein. Schickest du zur Straf einen Krieg, so laufen alle verwegenen Buben mit, welche die friedliebenden, frommen Menschen nur quälen werden; schickest du eine Teuerung, so ists eine erwünschte Sache vor die Wucherer, weil alsdann denselben ihr Korn viel gilt; schickest du aber eine Sterben, so haben die Geizhälse und alle übrigen Menschen ein gewonnenes Spiel, indem sie hernach viel erben. Wirst derhalben die ganze Welt mit Butzen und Stiel ausrotten müssen.«

»Du redest von der Sache wie ein natürlicher Mensch,« antwortete Jupiter, »als ob du nicht wüßtest, daß es einem Gott möglich ist, die Bösen zu strafen, die Guten zu erhalten! Ich will einen deutschen Helden erwecken, der soll alles mit der Schärfe seines Schwertes vollenden.«

Ich meinte: »So muß ja ein solcher Held auch Soldaten haben, und wo man Soldaten braucht, da ist auch Krieg, und wo Krieg ist, da muß der Unschuldige sowohl als der Schuldige herhalten.«

»Ich will einen solchen Helden schicken, der keiner Soldaten bedarf und doch die ganze Welt reformieren soll. In seiner Geburtsstunde will ich ihm verleihen einen wohlgestalten und stärkeren Leib, als Herkules einen hatte, mit Fürsichtigkeit, Weisheit und Verstand überflüssig gezieret. Mercurius soll ihn mit unvergleichlich sinnreicher Vernunft begaben, Vulcan soll ihm ein Schwert schmieden, mit welchem er die ganze Welt bezwingen und alle Gottlosen niedermachen wird, ohne fernere Hilfe eines einzigen Menschen. Eine jede große Stadt soll vor seiner Gegenwart erzittern, und eine jede Festung, die sonst unüberwindlich ist, wird er in der ersten Viertelstunde in seinem Gehorsam haben. Zuletzt wird er den größten Potentaten der Welt befehlen und die Regierung über Meer und Erden so löblich anstellen, daß beides: Götter und Menschen ein Wohlgefallen darob haben sollen.«

Ich sagte: »Wie kann die Niedermachung aller Gottlosen ohn Blutvergießen und das Kommando über die ganze weite Welt ohn sonderbare große Gewalt und starken Arm geschehen? O Jupiter, ich bekenne dir unverhohlen, daß ich diese Dinge weniger als ein sterblicher Mensch begreifen kann.«

»Weil du nicht weißt, was meines Helden Schwert vor eine seltene Kraft an sich haben wird. Wann er solche entblößet und nur einen Streich in die Luft tut, so kann er einer ganzen Armada, wenngleich sie hinter einem Berg stünde, auf einmal die Köpfe herunterhauen, sodaß die armen Teufel ohne Kopf daliegen müssen, eh sie einmal wissen wie ihnen geschehen. Er wird von einer Stadt zur andern ziehen und das halsstarrig und ungehorsam Volk, Mörder, Wucherer, Diebe, Schelme, Ehebrecher, Hurer und Buben ausrotten. Er wird jeder Stadt ihren Teil Landes, um sie her gelegen, im Frieden zu regieren übergeben. Von jeder Stadt durch ganz Deutschland wird er zween von den klügsten und gelehrtesten Männern zu sich nehmen, aus denselben ein Parlament machen, die Städte mit einander auf ewig vereinigen, die Leibeigenschaften samt allen Zöllen, Accisen, Zinsen, Gülten und Umgelten durch ganz Deutschland aufheben und solche Anstalten machen, daß man von keinem Frohnen, Wachen, Contribuieren, Geldgeben, Kriegen, noch einziger Beschwerung beim Volk mehr wissen wird. Alsdann werde ich mit dem ganzen Götterchor oftmals herunter zu den Deutschen steigen und die Musen von neuem darauf pflanzen. Ich will dann nur deutsch reden und mit einem Wort mich so gut deutsch erzeigen, daß ich ihnen auch endlich, wie vordem den Römern, die Beherrschung über die ganze Welt werde zukommen lasse.«

Ich sagte: »Höchster Jupiter, was werden aber Fürsten und Herren dazu sagen?«

Er antwortete: »Hierum wird sich mein Held wenig bekümmern. Er wird die Großen in drei Teile unterscheiden und diejenigen, so unexemplarisch und verrucht leben, gleich den Gemeinen strafen, denen andern aber wird er die Macht geben, im Land zu bleiben oder nicht. Wer bleibet und sein Vaterland liebet, der wird leben müssen wie andere gemeine Leute, die dritten aber, die ja Herren bleiben und immerzu herrschen wollen, wird er durch Ungarn und Italien in die Moldau, Wallachei, in Macedoniam, Thraciam, Griechenland, ja, über den Hellespontum in Asiam hineinführen, ihnen dieselbigen Länder gewinnen, alle Kriegsgurgeln in ganz Deutschland mitgeben und sie alldort zu lauter Königen machen. Alsdann wird er Konstantinopel in einem Tag einnehmen und allen Türken, die sich nicht bekehren, die Köpfe vor den Hintern legen. Daselbst wird er das römische Kaisertum wieder aufrichten und sich wieder nach Deutschland begeben und mit seinem Parlament eine Stadt mitten in Deutschland bauen, welche viel größer sein wird und goldreicher als Jerusalem zu Salomonis Zeiten, deren Wälle sich dem tirolischen Gebirg und ihre Wassergräben der Breite des Meeres zwischen Hispania und Afrika vergleichen sollen. Er wird einen Tempel darin bauen und eine Kunstkammer aufrichten, darin sich alle Raritäten der ganzen Welt versammeln.«

Ich fragte den Narren, was dann die christlichen Könige bei der Sache tun würden, und er antwortete: