Da hörete ich erst, daß es kein Teufel war, befahl ihm aus der Truhe zu steigen und er stand vor mir in seiner Schwärze, nackend wie ihn Gott geschaffen hatte, ein Mohr. Ich schnitt ein Stück von meinem Wachsstock, gabs ihm zu leuchten und er führete mich in ein Stüblein, da ich den Hausvater fand, der samt seinem Gesind dies lustige Spektakul ansahe und mit Zittern um Gnade bat. Er händigte mir eines Rittmeisters Bagage, darunter ein ziemlich wohlgespickt, verschlossen Felleisen war, ein, mit Bericht, daß der Rittmeister und seine Leute bis auf gegenwärtigen Mohren sich zu wehren auf ihre Posten gegangen wären. Inzwischen hatte Spring-ins-Feld sechs schöne gesattelte Pferde im Stall erwischt.
Als hernach die Tore geöffnet, die Posten besetzt und unser General-Feldzeugmeister Herr Graf von der Wahl eingelassen ward, nahm er sein Logiment in ebendemselben Hause, darum mußten wir bei finsterer Nacht ein ander Quartier suchen. Wir fanden eines und brachten den Rest der Nacht mit Fressen und Saufen zu. Ich bekam vor mein Teil den Mohren, die zwei besten Pferde, darunter ein spanisches war, auf welchen ein Soldat sich gegen sein Gegenteil dorfte sehen lassen, mit den ich nachgehends nicht wenig prangte. Aus dem Felleisen aber kriegte ich unterschiedliche köstliche Ringe und in einer göldenen Kapsel mit Rubinen besetzt des Prinzen von Uranien Conterfait, kam also mit Pferden und allem über zwei hundert Dukaten. Vor den Mohren, der mich am aller saursten ankommen war, ward mir von General-Feldzeugmeister, als welchem ich ihn präsentierte, nicht mehr als zwei Dutzend Taler verehret.
Als wir demnach Recklinghausen zu kamen, nahm ich Erlaubnis, mit Spring-ins-Feld meinem Pfaffen zuzusprechen, mit dem ich mich lustig macht, da ich ihm erzählete, daß mir der Mohr den Schröcken, den er und seine Köchin neulich empfunden, wieder eingetränkt hätte. Ich verehrete ihm auch eine schöne schlagende Halsuhr zum freundlichen Valete.
Meine Hoffart vermehrete sich mit meinem Glück, daraus endlich nichts andres als mein Fall erfolgen konnte.
Ungefähr eine halbe Stunde von Rehnen kampierten wir und erhielten Erlaubnus, in demselben Städtlein etwas an unserm Gewehr flicken zu lassen. Unser Meinung war, sich einmal rechtschaffen miteinander lustig zu machen. Also kehreten wir im besten Wirtshaus ein und ließen Spielleute kommen, die uns Wein und Bier hinuntergeigen mußten. Da ging es in floribus her und blieb nichts unterwegen, was nur dem Geld wehe tun möchte. Ich stellete mich nicht anders als wie ein junger Prinz, der Land und Leute vermag und alle Jahre ein groß Geld zu verzehren hat. Dahero ward uns besser als einer Gesellschaft Reuter aufgewartet, die gleichfalls dort zehrete. Das verdroß sie und fingen an mit uns zu kipplen.
»Woher kommts, daß diese Stieglhupfer ihre Heller so weisen?« Dann sie hielten uns vor Musketierer, maßen kein Tier in der Welt ist, das einem Musketierer ähnlicher siehet, als ein Dragoner, und wann ein Dragoner vom Pferd fällt, so stehet ein Musketierer wieder auf.
Ein anderer Reuter meinete: »Jener Jüngling ist gewiß ein Strohjunker, dem seine Mutter etliche Milchpfennige geschicket, die er jetzo spendiert, damit ihm künftig irgendswo seine Kameraden aus dem Dreck oder etwan durch den Graben tragen sollen.«
Solches ward mir durch die Kellerin hinterbracht. Weil ichs aber nicht selbst gehört, konnte ich anders nichts darzu tun, als daß ich ein groß Bierglas mit Wein einschenken und solches auf Gesundheit aller rechtschaffenen Musketierer herumgehen, auch jedesmal solchen Alarm darzu machen ließ, daß keiner sein eigen Wort hören konnte. Das verdroß sie noch mehr, derowegen sagten sie offentlich:
»Was Teufels haben doch die Stiegelhüpfer vor ein Leben!«
Spring-ins-Feld antwortete: »Was gehts die Stiefelschmierer an?« — Das ging ihm hin, dann er sahe so gräßlich drein und machte so grausame und bedrohliche Mienen, daß sich keiner an ihm reiben dorfte.