Mein Jupiter lief aus dem Wald und schrie uns nach, bis ich ihn hinten aufsetzen ließ, dann er nicht besser reuten konnte als eine Nuß.

Also brachte ich meine Beute und Gefangenen den andern Morgen glücklich nach Soest und bekam mehr Ehre und Ruhm von dieser Partei, als zuvor nimmer. Jeder sagete: »Dies gibt wieder einen Johann de Werdt!« welches mich trefflich kützelte.


[Das vierte Kapitel]

Meines Jupiter konnte ich nicht los werden, dann der Kommandant begehrete ihn nicht, weil nichts an ihm zu rupfen war, sondern sagte, er wollte ihn mir schenken. Also bekam ich einen eigenen Narren und dorfte mir keinen kaufen. Kurz zuvor tribuliereten mich die Läuse, und jetzt hatte ich den Gott der Flöhe in meiner Gewalt. Es war noch kein Jahr vergangen, da mir die Buben nachliefen, und jetzt vernarreten sich die Mägdlein aus Liebe gegen mich. Vor einem halben Jahr dienete ich einem schlechten Dragoner, jetzt nannten mich zween Knechte ihren Herrn. O wunderliche Welt, darinnen nichts Beständigeres ist als die Unbeständigkeit!

Damals zog der Graf von der Wahl als Obrister-Gubernator des westfälischen Kreises aus allen Guarnisonen einige Völker zusammen, eine Cavalcade durchs Stift Münster zu tun, vornehmlich aber zwo Kompagnien hessischer Reuter im Stift Paderborn auszuheben, die den Unsrigen daselbsten viel Dampfs antäten. Ich ward unter unsern Dragonern mitkommandiert. Und als sie einzige Truppen zum Ham gesammlet, gingen wir schnell vor und berannten gemeldter Reuter Quartier, ein schlecht verwahrtes Städtlein, ehe die Unsrigen kamen. Sie unterstunden durchzugehen, wir aber jagten sie wieder zurück in ihr Nest. Es ward ihnen angeboten, ohne Pferd und Gewehr, jedoch mit dem was der Gürtel beschließe zu passieren, sie aber wollten sich nicht darzu verstehen, sondern sich mit ihren Karabinern wie Musketierer wehren. Also kam es, daß ich noch dieselbe Nacht probieren mußte, was ich vor Glück im Stürmen hätte. Wir leerten die Gassen bald, weil niedergemacht ward, was sich im Gewehr befand, und weil sich die Bürger nicht hatten wehren wollen. Also ging es mit uns in die Häuser. Spring-ins-Feld sagte: »Wir müssen ein Haus vornehmen, vor welchem ein großer Haufen Mist liegt, dann darin sitzen reiche Kauzen.«

Darauf griffen wir ein solches an, Spring-ins-Feld visitierte den Stall, ich aber das Haus mit Abrede, daß jeder mit dem andern parten sollte. Also zündete jeder seinen Wachsstock an. Ich rief nach dem Hausvater, kriegte aber keine Antwort, geriet indessen in eine Kammer und fand dort nichts, als ein leer Bett und eine beschlossene Truhe. Die hämmerte ich auf in der Hoffnung, etwas Kostbares zu finden. Aber da ich den Deckel auftät, richtete sich ein kohlschwarzes Ding gegen mich auf, welches ich vor den Lucifer selbst ansahe.

Ich kann schwören, daß ich mein Lebtag nie so erschrocken bin, als eben damals, da ich diesen schwarzen Teufel so unversehens erblickte. »Daß dich der Donner schlag,« rief ich gleichwohl in solchem Schröcken und zuckte mein Äxtlein, hatte doch das Herz nicht, ihms in den Kopf zu hauen.

»Min leve Heer, ick bidde ju doer Gott, schinkt mi min Levend!«