»O Wunder! Das wäre ein groß Werk! Wie müßte das geschehen?«

»Das will ich dir herzlich gern offenbaren: Nachdem mein Held den Universal-Frieden der ganzen Welt verschafft, wird er geistliche und weltliche Vorsteher der unterschiedlichen Völker und Kirchen mit einem sehr beweglichen Sermon anreden und sie durch hochvernünftige Gründe und unwiderlegliche Argumenta dahin bringen, daß sie sich selbst eine allgemeine Vereinigung wünschen. Alsdann wird er die allergeistreichsten, gelehrtesten und frömmsten von allen Orten und Enden her aus allen Religionen zusammenbringen und ihnen auferlegen, daß sie sobald immer möglich die Streitigkeiten ernstlich beilegen und nachgehends mit rechter Einhelligkeit die wahre, heilige, christliche Religion gemäß der heiligen Schrift, der uralten Tradition und der probierten heiligen Väter Meinung schriftlich verfassen sollen. Wenn er aber merken sollte, daß sich einer oder der andere von Teufel einnehmen läßt, so wird er die ganze Versammlung wie in einem Conclave mit Hunger quälen, und wann sie nicht daran wollen, ein so hohes Werk zu befördern, so wird er ihnen allen vom Hängen predigen, daß sie eilands zur Sache schreiten und mit ihren halsstarrigen, falschen Meinungen, die Welt nicht mehr wie vor Alters foppen.

Nach erlangter Einigkeit wird er ein großes Jubelfest anstellen und der ganzen Welt diese geläuterte Religion publizieren. Welcher alsdann darwider glaubet, den wird er mit Schwefel und Pech martyrisieren oder einen solchen Ketzer mit Buxbaum bestecken und dem Teufel zum neuen Jahr schenken.

Jetzt weißt du, lieber Ganymed, alles was du zu wissen begehrt hast.«

Ich dachte bei mir selbst, der Kerl dörfte vielleicht kein Narr sein, wie er sich stellet, sondern mirs kochen, wie ichs zu Hanau gemachet, um desto besser von uns zu kommen. Derowegen gedachte ich ihn zornig zu machen, weil man einen Narren am besten im Zorn erkennt, und wollte ihm vorhalten, wie alle Götter in der weiten Welt vor so verrucht, leichtfertig und stinkend als Diebe, Kuppler, Ehebrecher, Hanreien, Wüteriche, Mörder und unverschämte Hurenjäger verschrieen seien, daß man sie sonst nirgendshin als in des Augias Stall logieren wolle — da wurde mein Jupiter von einer seltsamen Unruhe ergriffen: Er zog in Gegenwart meiner und der ganzen Partei ohn einzige Scham seine Hosen herunter und stöberte die Flöhe daraus, welche ihn, wie man an seiner sprenklichten Haut wohl sahe, schröcklich tribulieret hatten.

»Schert euch fort, ihr kleinen Schinder,« sagte er, »ich schwöre euch beim Styx, das ihr in Ewigkeit nicht erhalten sollt, was ihr so sorgfältig sollicitiert!«

Ich fragte ihn, was er meine. Er antwortete, daß das Geschlecht der Flöhe, als sie vernommen, er sei auf Erden, ihre Gesandten zu ihm geschickt hätten, ihn zu komplimentieren. Sie hätten ihm darneben vorgebracht, daß sie aus ihrem Territorio, da man ihnen die Hundshäute zu bewohnen zugesichert, durch die Weiber vertrieben worden seien, gestalt manche ihr Schoßhündchen mit Bürsten, Kämmen, Seifen, Laugen und anderen mörderischen Dingen durchstreift hätten, so daß sie ihr Vaterland quittieren und andere Wohnungen hätten aufsuchen müssen. So sie aber den Weibern in die Pelze gerieten, würden solche verirrte, arme Tropfen übel tractieret, gefangen und nicht allein ermordet, sondern auch zuvor zwischen den Fingern elendiglich gemartert und zerrieben, daß es einen Stein erbarmen möchte.

»Ja,« sagte Jupiter ferner, »sie brachten mir die Sache so beweglich vor, daß ich Mitleiden mit ihnen haben mußte und also ihnen Hilfe zusagte, jedoch mit dem Vorbehalt, daß ich die Weiber zuvor auch hören möchte. Sie aber wandten vor, wann den Weibern erlaubet würde, Widerpart zu halten, so wüßten sie wohl, daß sie mit ihren giftigen Hundszungen entweder meine Frömmigkeit und Güte betäuben und die Flöhe überschreien oder aber durch ihre lieblichen Worte und Schönheit mich betören und zu einem falschen Urteil verleiten würden, mit fernerer Bitte, ich wolle sie ihrer untertänigsten Treue genießen lassen, welche sie auch allezeit erzeiget, indem sie doch jeweils am nächsten dabei gewesen und am besten gewußt hätten, was zwischen mir und der Io, Callisto, Europa, Semele und andern mehr vorgangen, hätten aber niemals nichts aus der Schule geschwätzt, noch meiner Ehefrau ein einzigs Wort gesaget, maßen sie sich einer solchen Verschwiegenheit beflissen, wie dann kein Mensch bis dato von ihnen etwas dergleichen erfahren hätte. Wann ich aber je zulassen wollte, daß die Weiber sie in ihrem Bann jagen, fangen und nach Weidmannsrecht metzeln dörften, so wäre ihre Bitte, zu gebieten, daß sie hinfort mit einem heroischen Tod hingerichtet und entweder mit einer Axt wie Ochsen niedergeschlagen oder wie ein Wildpret gefället würden, aber nicht mehr so schimpflich zwischen den Fingern zerquetscht und geradbrecht werden sollten, was allen ehrlichen Mannsbildern eine Schande wäre. Sonach erlaubte ich ihnen, bei mir einzukehren, damit ich ein Urteil darnach fassen könne, ob sie die Weiber allzuhützig tribulierten. Da fing das Lumpengesind an mich zu geheien, daß ich sie habe, wie ihr sehet, wieder abschaffen müssen.«

Wir dorften nicht rechtschaffen lachen, weil wir stillhalten mußten und weils der Phantast nicht gern hatte, wovon Spring-ins-Feld hätte zerbersten mögen. Da zeigte unsere Hochwacht an, daß er in der Ferne etwas kommen sähe. Ich stieg hinauf und gewahrte die Fuhrleute, denen wir aufpaßten. Sie hatten dreißig Reuter zur Convoi bei sich, dahero ich mir die Rechnung leicht machen konnte, daß sie nicht durch den Wald, sondern übers freie Feld kommen würden, wiewohl es daselbst einen bösen Weg hatte.

Von unsrer Lägerstatt ging feldwärts eine Wasserrunze in einer Klämme hinunter. Deren Ausgang besatzte ich mit zwenzig Mann, nahm auch selbst meinen Stand bei ihnen, ließ aber Spring-ins-Feld zurück. Ich befahl meinen Burschen, wann der Convoi hinkomme, daß jeder seinen Mann gewiß nehmen sollte, und sagte auch jedem, wer Feuer geben und wer seinen Schuß im Rohr zum Vorrat zu behalten habe. Etliche verwunderten sich, ob ich wohl vermeine, daß die Reuter an einen Ort kommen werden, wo sie nichts zu tun hätten und dahin wohl hundert Jahr kein Baur gekommen sei. Aber ich brauchte keine Teufelskunst, sondern nur Spring-ins-Feld, dann als der Convoi, welcher ziemlich Ordnung hielt, recte gegen uns über vorbeipassieren wollte, fing Spring-ins-Feld so schröcklich an zu brüllen wie ein Ochs und zu wiehern wie ein Pferd, daß der ganze Wald widerhallte. Der Convoi hörets, gedachte Beute zu machen und etwas zu erschnappen, sie ritten sämtlich so geschwind und unordentlich in unsern Halt, als wann ein jeder der erste hätte sein wollen, die beste Schlappe zu holen. Gleich im ersten Willkommen wurden dreizehn Sättel geleeret und sonst noch etliche aus ihnen gequetscht. Hierauf schrie Spring-ins-Feld: »Jäger hierher!« — davon die Kerl noch mehr erschröckt und irre wurden. Ich bekam sie alle siebzehn und spannte vierundzwenzig Pferde aus. Doch hatten sich die Fuhrleute zu Pferd aus dem Staub gemacht. Wir packten auf, dorften uns aber nicht viel Zeit nehmen, die Wägen recht zu durchsuchen.