Ich dachte der Sache nach. Zuletzt verehrete ich dem Kommandanten ein paar silberner und vergöldter Duplet, meinem Hauptmann ein paar silberner Salzfässer, aber es wurde ihnen das Maul nach dem Übrigen nur wässeriger, weil es rare Antiquitäten waren. Meinem getreuen Spring-ins-Feld schenkte ich zwölf Reichstaler. Auch er riet mir, ich solle meinen Reichtum von mir tun, dann die Offizierer sähen nicht gern, daß der gemeine Mann mehr Geld hätte als sie. Auch wären etlich um Geldes halber heimlich ermordet worden. Es ginge um im ganzen Läger, und jeder mache den gefundenen Schatz größer, als er an sich selbst sei, er müsse oft hören, was unter den Burschen vor ein Gemürmel gehe. Er ließe Krieg Krieg sein, und setzte sich irgendwo in Sicherheit.
Ich sagte zu ihm: »Höre, Bruder, wie kann ich die Hoffnung auf mein Fähnlein so leicht in den Wind schlagen!«
»Hol mich dieser und jener, wann du ein Fähnlein bekommst. So die andern sehen, daß ein Fähnlein ledig, möchten sie tausendmal eh dir den Hals brechen helfen. Lerne mich nur keine Karpfen kennen, mein Vater war ein Fischer!«
Ich erwog diese und meines Jupiters Reden und bedachte, daß ich keinen einzigen angeborenen Freund hätte, der sich meiner in Nöten annehmen, oder meinen Tod rächen würde. — Indem sich nun eben eine Gelegenheit präsentierte, daß ich mit hundert Dragonern, etlichen Kaufleuten und Güterwägen von Münster nach Köln convoieren mußte, packte ich meinen Schatz zusammen und übergab ihn einen von den vornehmsten Kaufleuten zu Köln gegen spezifizierte Handschrift aufzuheben. Meinen Jupiter brachte ich auch dahin, weil er in Köln ansehnliche Verwandte hatte, gegen die er meine Guttaten rühmete, daß sie mir viel Ehre erwiesen.
[Das siebente Kapitel]
Auf dem Zurückweg machte ich mir allerhand Gedanken, wie ich mich ins Künftige halten wollte, damit ich doch jedermanns Gunst erlangen möchte, dann Spring-ins-Feld hatte mir einen Floh ins Ohr gesetzt und mich zu glauben persuadieret, als ob mich jedermann neide. Ich verwunderte mich, daß alle Welt so falsch sei, mir lauter gute Wort gebe und mich doch nicht liebe. Derowegen gedachte ich mich anzustellen wie die andern und zu reden, was jedem gefiele, auch jedem mit Ehrerbietung zu begegnen, obschon es mir nicht ums Herz wäre. Vornehmlich aber merkte ich klar, daß meine eigene Hoffart mich mit den meisten Feinden beladen hatte, deswegen wollte ich mich fürder demütig stellen, obschon ichs nicht sei, mit den gemeinen Kerlen wieder unten und oben liegen, vor den Höheren aber den Hut in Händen tragen, mich der Kleiderpracht enthalten, bis ich etwan meinen Stand änderte. Ich hatte mir von meinem Kaufmann in Köln hundert Taler geben lassen, dieselben gedachte ich unterwegs dem Convoi halb zu verspendieren. Solcher Gestalt war ich entschlossen, mich zu ändern und auf diesem Weg schon den Anfang zu machen. Ich machte aber die Zeche ohn dem Wirt.
Da wir durch das bergische Land passieren wollten, lauerten uns an einem sehr vortelhaften Ort 80 Feuerröhrer und 50 Reuter auf, eben als ich selbfünft mit einem Korporal geschickt ward voran zu reuten. Der Feind hielt sich still, als wir in seinen Halt kamen, ließ uns auch passieren, damit der Convoi nicht gewarnet würde, bis er auch in die Enge käme. Da wir den Hinterhalt merkten und umkehrten, gingen sie beiderseits los und fragten, ob wir Quartier wollten. Ich hatte mein bestes Roß unter mir, schwang mich herum auf eine kleine Ebene, zu sehen, ob da Ehre einzulegen sei, indessen hörete ich stracks an der Salve, welche die Unsrigen empfingen, was die Glocke geschlagen, trachtete derowegen nach der Flucht, aber ein Kornet hatte uns den Paß abgeschnitten. Indem ich mich durchhauen wollte, bot er mir, weil er mich vor einen Offizier ansahe, nochmals Quartier an, und ich besann mich, das Leben davon zu bringen.
Also präsentierte ich ihm den Degen. Er fragte mich, was ich vor einer sei, er sehe mich vor einen Edelmann und Offizier an. Da ich ihm antwortete, ich werde der Jäger von Soest genannt, sagte er: »Da hat Er gut Glück, daß Er uns nicht vor vier Wochen in die Hände geraten, dann zur selben Zeit hätte ich Ihm kein Quartier halten können, dieweil man Ihn bei uns vor einen offentlichen Zauberer gehalten hat.«