Dieser Kornet war ein tapferer, junger Kavalier, es freuete ihn trefflich, daß er die Ehre hatte, den berühmten Jäger gefangen zu haben, deswegen hielt er mir das versprochene Quartier sehr ehrlich und auf holländisch, deren Brauch ist, den gefangenen Feinden von dem, was der Gürtel beschleußt, nichts zu nehmen. Da es an ein Parten ging, sagete ich ihm heimlich, er sollte sehen, daß ihm mein Pferd, Sattel und Zeug zuteil würde, dann im Sattel dreißig Dukaten seien und das Pferd ohndas seinesgleichen schwerlich hätte. Davon ward mir der Kornet so hold, als ob ich sein leiblicher Bruder wäre, er saß auch gleich auf mein Pferd und ließ mich auf dem seinigen reuten.
Schweden und Hessen gingen noch am selbigen Abend in ihre unterschiedlichen Guarnisonen mit ihrer Beute und den Gefangenen. Mich und den Korporal samt noch dreien Dragonern behielt der Kornet und führet uns in eine Festung, die nicht gar zwei Meilen von unserer Guarnison lag. Und weil ich hiebevor demselben Ort viel Dampfs angetan, war mein Name daselbst wohl bekannt, ich selber aber mehr geförcht als geliebt. Der Kornet schickte einen Reuter voran, dem Kommandanten zu verkünden, wie es abgeloffen und wen er gefangen brächte. Davon gab es ein Geläuf in der Stadt, das nit auszusagen, weil jeder den Jäger gern sehen wollte, und war nicht anders anzusehen, als ob ein großer Potentat seinen Einzug gehalten hätte.
Wir wurden zum Gewaltiger geführt, doch ward es dem Kornet erlaubt, uns zu gastieren, weil ich hiebevor meinen Gefangenen, darunter sich des Kornets Bruder befunden, auch solcher Gestalt diskret begegnet war. Da nun der Abend kam, fanden sich unterschiedlich Offizierer, sowohl Soldaten von Fortun, als geborenen Kavaliers ein, und ich ward, die Wahrheit zu bekennen, von ihnen überaus höflich traktiert. Ich machte mich so lustig, als ob ich nichts verloren gehabt, und ließ mich so vertreulich und offenherzig vernehmen, als ob ich nicht in Feindeshand, sondern bei meinen besten Freunden wäre. Dabei beflisse ich mich der Bescheidenheit, dann ich konnte mir leicht einbilden, daß dem Kommandanten mein Verhalten notifiziert würde.
Den andern Tag wurden wir Gefangenen von dem Regimentsschulzen examiniert. Sobald ich in den Saal trat, verwunderte er sich über meine Jugend und sagte: »Mein Kind, was hat dir der Schwede getan, daß du wider ihn kriegest?«
Das verdroß mich, antwortete derhalben: »Die schwedischen Krieger haben mir meine Schnellküglein und mein Steckenpferd genommen, die wollte ich gern wieder haben.«
Da ich ihn so bezahlete, schämten sich seine beisitzenden Offizierer, maßen einer auf Latein sagte, er solle von ernstlichen Sachen mit mir reden, er hätte kein Kind vor sich, und ich merkte dabei, daß er Eusebius hieße. Darauf fragte er mich nach meinem Namen, und als ich ihn genannt, sagte er: »Es ist kein Teufel in der Hölle, der Simplicissimus heißet.«
Ich antwortete, so sei auch vermutlich keiner in der Höllen, der Eusebius hieße, was aber von den Offizierern nicht am besten aufgenommen ward, dann sie erinnerten mich, daß ich ihr Gefangener sei und nicht scherzenshalber wäre hergeholet worden.
Ich ward dieses Verweises wegen darum nicht rot, bat auch nicht um Verzeihung, sondern gab zurück, weil sie mich vor einen Soldaten gefangen hielten und nicht vor ein Kind wieder laufen lassen würden, so hätte ich mich nicht versehen, als ein Kind gefoppt zu werden. Wie man mich gefraget, so hätte ich geantwortet.
Darauf ward ich um mein Vaterland, Herkommen, Geburt examiniert, vornehmlich aber ob ich auf schwedischer Seite gedienet hätte, item wie es in Soest beschaffen. Ich antwortete auf alles behend, wegen Soest und selbiger Guarnison aber soviel, als ich zu verantworten getrauet.
Indessen erfuhr man zu Soest, wie es mit dem Convoi abgeloffen, derhalben kam gleich am andern Tag ein Trommelschläger, uns abzuholen. Dem wurden der Korporal und die andern drei ausgefolgt und ein Schreiben mitgegeben, das mir der Kommandant zu lesen überschickte.