»Monsieur etc. Auf Ihr Schreiben schicke ich gegen empfangene Ranzion den Korporal samt den übrigen drei Gefangenen. Was aber Simplicium, den Jäger, anbelanget, kann selbiger, weil er hiebevor auf dieser Seite gedienet, nicht hinübergelassen werden. — Kann ich aber dem Herren im übrigen außerhalb Herrenpflichten in etwas bedienet sein, so hat derselbe in mir einen willigen Diener, als der ich soweit bin und verbleibe dem Herren dienstwilliger
N. de S. A.«
Dieses Schreiben gefiel mir nicht halb und ich mußte mich doch für die Mitteilung bedanken. Ich begehrete mit dem Kommandanten zu reden, bekam aber zur Antwort, daß er schon selbst nach mir schicken würde.
Das geschahe und mir widerfuhr das erste Mal die Ehre, an seiner Tafel zu sitzen. Solang man aß, ließ er mir mit dem Trunk zusprechen, gedachte aber weder klein noch groß von demjenigen, was er mit mir vorhatte. Demnach man abgegessen und nur ein ziemlicher Dummel aufgehängt war, sagte er: »Lieber Jäger, Ihr habet aus meinem Schreiben verstanden, unter was vor ein Prätext ich Euch hier behalte. Ich habe nichts vor, das wider Raison oder Kriegsbrauch wäre. Ihr habet selbst gestanden, daß Ihr hiebevor auf unserer Seite bei der Hauptarmee gedienet, werdet Euch derhalben resolvieren müssen, unter meinem Regiment Dienst zu nehmen. So will ich Euch mit der Zeit dergestalt accommodieren, dergleichen Ihr bei der kaiserlichen Armee nimmer hättet hoffen dörfen. Widrigen Falls ich Euch wieder demjenigen Obrist-Leutenant überschicke, welchen Euch die kaiserlichen Dragoner abgefangen haben.«
Ich antwortete: »Hochgeehrter Herr Obrister (dann damals war noch nicht Brauch, daß man Soldaten von Fortun »Ihr Gnaden« titulierte) ich hoffe, weil ich weder der Krone Schweden noch deren Konföderierten, viel weniger dem Obrist-Leutenant niemalen mit Eid verpflichtet, sondern nur ein Pferdejung gewesen, daß dannenhero ich nicht verbunden sei, schwedische Dienste anzunehmen und dadurch den Eid zu brechen, den ich dem römischen Kaiser geschworen, derowegen ich hochgeboren Herrn Obristen allergehorsamst bitte, er beliebe mich dieser Zumutung zu überheben.«
»Was, verachtet Ihr dann schwedische Dienste? Eh' ich Euch wieder nach Soest lasse, dem Gegenteil zu dienen, eh' will ich Euch einen andern Proceß weisen oder im Gefängnus verderben lassen.«
Ich erschrak zwar über diese Worte, gab mich aber doch nicht, sondern antwortete: Gott wolle mich vor solcher Verachtung sowohl als vor dem Meineid behüten. Im übrigen stünde ich in untertäniger Hoffnung, der Herr Obrist würde mich seiner weitgerühmten Discretion nach, wie einen Soldaten traktieren.
»Ja,« sagte er, »ich wüßte wohl, wie ich Euch traktieren könnte. Aber bedenkt Euch besser.«
Darauf ward ich wieder ins Stockhaus geführet und jedermann kann unschwer erachten, daß ich dieselbige Nacht nicht viel geschlafen.
Den Morgen aber kamen etliche Offizierer mit dem Kornet unter Schein, mir die Zeit zu kürzen, in Wahrheit aber mir weis zu machen, als ob der Obrist gesinnet wäre, mir als einem Zauberer den Proceß machen zu lassen, sofern ich mich nicht anders bequemen würde. Wollten mich also erschröcken und sehen, was hinter mir stecke, weil ich mich aber meines guten Gewissens getröstete, nahm ich alles gar kaltsinnig an und redete nicht viel. Ich merkte wohl, daß es dem Obristen um nichts andres zu tun war, als daß er mich ungern in Soest sahe. Er konnte sich leicht einbilden, daß ich den Ort wohl nicht verlassen würde, weil ich meine Beförderung dort erhoffte, zwei schöne Pferde und sonst köstliche Sachen allda hatte.