Den folgenden Tag ließ er mich wieder zu sich kommen, und fragte, ob ich mich auf ein und anders resolviert hätte.
Ich antwortete: »Dies Herr Obrister, ist mein Entschluß, daß ich eh' sterben, als meineidig werden will. Wann aber mein hochgeboren Herr Obrister mich auf freien Fuß zu stellen und mit keinen Kriegsdiensten zu belegen belieben wird, so will ich dem Herrn Obristen mit Herz, Mund und Hand versprechen, in sechs Monaten keine Waffen wider Schwed- und Hessische zu tragen.«
Solches ließ er sich stracks gefallen, bot mir die Hand und schenkte mir zugleich die Ranzion, befahl auch dem Secretär, daß er einen Revers in duplo aufsetze, den wir beide unterschrieben. Ich reversierte neben obigem Punkte, nichts Nachteiliges wider die Guarnison und ihren Kommandanten praktizieren noch etwas zu Nachteil und Schaden zu unternehmen, sondern deren Nutzen und Frommen zu fördern und dieselbe defendieren zu helfen.
Hierauf behielt er mich wieder bei dem Mittagsimbiß und tät mir mehr Ehre an, als ich von den Kaiserlichen mein Lebtag hätte hoffen dörfen.
[Das achte Kapitel]
Ich hatte in Soest einen Knecht, der war mir über alle Maßen getreu, weil ich ihm viel Gutes tät. Dahero sattelte er meine Pferde und ritt dem Trommelschlager, der mich abholen sollte, ein gut Stück Weges von Soest entgegen. Er begegnete ihm mit den Gefangenen und hatte mein bestes Kleid aufgepackt, dann er vermeinete, ich wäre ausgezogen worden. Da er mich aber nicht sahe, sondern vernahm, daß ich bei dem Gegenteil Dienste anzunehmen aufgehalten werde, gab er den Pferden die Sporen und sagte: »Adieu Tampour und Ihr, Korporal, wo mein Herr ist, da will ich auch sein.«
Ging also durch und kam zu mir, eben als mich der Kommandant ledig gesprochen hatte und mir große Ehre antät. Der priese mich glücklich, wegen meines Knechtes Treue, verwunderte sich auch, daß ein so junger Kerl wie ich, so schöne Pferde vermögen und so wohl montiert sein sollte. Lobte auch das eine Pferd so trefflich, daß ich gleich merkte, er hätte mirs gerne abgekauft. Weil er es mir aber aus Discretion nicht feil machte, sagte ich, wann ich die Ehre begehren dörfte, daß ers von meinetwegen behalten wollte, so stünde es zu seinen Diensten. Er schlugs aber rund ab, dieweil ich einen ziemlichen Rausch hatte, und er die Nachrede scheute, daß er einem Trunkenen etwas abgeschwätzt, so dem vielleicht nüchtern reuen möchte, also daß er des edlen Pferdes gern gemangelt.
Des Morgens frühe anatomierte ich meinen Sattel und ließ mein bestes Pferd vor des Obristen Quartier bringen. Ich sagte ihm, er wolle belieben gegenwärtigen Soldatenklepper einen Platz unter den seinigen zu gönnen, indem mir mein Pferd allhier nichts nütz, und solches von mir als Zeichen dankbarer Erkanntnus vor empfangene Gnaden unschwer annehmen. Der Obrister bedankte sich mit großer Höflichkeit und sehr courtoisen Offerten, schickte mir auch denselbigen Nachmittag seinen Hofmeister mit einem gemästeten lebendigen Ochsen, zwei fetten Schweinen, einer Tonne Wein, vier Tonnen Bier, zwölf Fuder Brennholz, welches er mir vor mein neu Losament, das mir mein Knecht erkundet und ich auf ein Halbjahr bestellet hatte, bringen und sagen ließ, weil er sich leicht einbilden könnte, es sei im Anfang vor mich mit Viktualien schlecht bestellet, so schicke er mir zur Haussteuer eben einen Trunk, ein Stück Fleisch mitsamt dem Kochholz. Ich bedankte mich so höflich als ich konnte, verehrete dem Hofmeister zwo Dukaten und bat ihn, mich seinem Herrn bestens zu rekommendieren.