Ich gedachte mir aber auch durch meinen Knecht bei dem gemeinen Mann ein gutes Lob zu machen, damit man mich vor keinen kahlen Bernheuter hielte. Ließ derowegen in Gegenwart meines Hauswirtes meinen Knecht vor mich kommen, zu demselben sagte ich:
»Lieber Niklas, du hast mir mehr Treue erwiesen, als ein Herr seinem Knecht zumuten darf, nun aber, da ich selbst keinen Herren habe, daß ich etwas erobern könnte, dich zu belohnen, so gedenke ich keinen Knecht mehr zu halten. Ich gebe dir hiemit vor deinen Lohn das andere Pferd, samt Sattel-Zeug und Pistolen, mit Bitte, du wollest damit vorlieb nehmen und dir vor diesmal einen andern Herren suchen. Kann ich dir ins Künftige in etwas bedienet sein, so magst du jederzeit mich darum ersuchen.«
Hierauf küßte er mir die Hände und konnte vor Weinen schier nicht reden, wollte auch durchaus das Pferd nicht haben bis ich ihm versprochen, ihn wieder in Dienst zu nehmen, sobald ich jemand brauche.
Über diesem Abschied ward mein Hausvater so mitleidig, daß ihm auch die Augen übergingen. Und gleichwie mich mein Knecht bei der Soldateska, so erhub mich der Hausvater bei der Bürgerschaft mit großem Lob über alle schwangere Bauren. Der Kommandant aber hielt mich vor einen resoluten Kerl, daß er auch getraute Schlösser auf meine Parole zu bauen.
Ich glaube es ist kein Mensch in der Welt, der nicht einen Hasen im Busen habe, dann wir sind ja alle einerlei Gemächts und ich kann bei meinen Birnen wohl merken, wann andere zeitig sein. »Hui, Geck,« möcht mir da einer antworten, »wann du ein Narr bist, meinest du darum andre seien es auch?« — »Nein, das sage ich nicht, dann es wäre zuviel geredt, aber dies halte ich davor, daß einer den Narren besser verbirgt als der ander.« Es ist einer darum kein Narr, wann schon er närrische Einfälle hat, dann wir haben in der Jugend gemeiniglich alle dergleichen. Welcher aber seinen Narren hinausläßt, wird vor einen gehalten, weil teils etliche ihn gar nicht andere aber nur halb sehen lassen. Welche den ihren gar unterdrücken sein rechte Saurtöpfe. Ich halte vor die besten und verständigsten Leute, die den Ihren nach Zeit und Gelegenheit bisweilen ein wenig mit den Ohren fürragen und Atem schöpfen lassen, damit er nicht gar bei ihnen ersticke. Den Meinen ließ ich mir zu weit heraus, da ich mich in einem so freien Stand sahe, maßen ich einen Jungen annahm, den ich als Edelpagen kleidete, und zwar in die Farben Veigelbraun und Gelb. Derselbe mußte mir aufwarten, als wann ich ein Freiherr wäre.
Dies war die erste Torheit, die ich in der Stadt beging, sie ward aber von niemand getadelt. Die Welt ist der Narreteien so voll, daß sie keiner mehr achtet, noch selbige verlacht oder sich darüber verwundert; sie ist deren gewohnt.
Ich dingte mich und meinen Jungen bei meinem Hausvater in die Kost und gab ihm an Bezahlung auf Abschlag, was mir der Kommandant verehret hatte. Zum Getränk aber mußte mein Jung den Schlüssel haben, weil ich denen, die mich besuchten, gern davon mitteilete. Sintemalen ich weder Bürger noch Soldat war, hielt ich mich zu beiden Teilen und bekam dahero Kameraden genug, die ich ungetränkt nicht bei mir ließ.
Der Stadtorganist, zu dem ich Kundschaft erhielt, lehrete mich, wie ich komponieren sollte, item auf dem Instrument besser schlagen, als auch auf der Harfe; ohn das war ich auf der Lauten ein Meister. Wann ich dann satt hatte am Musicieren, ließ ich meinen Kürschner kommen, der mich im Paradeis in allen Gewehren unterwiesen, mit dem exerzierte ich mich, um noch perfecter zu werden. So erlangete ich auch beim Kommandanten, daß er mich von einem Constablen die Büchsenmeisterkunst und etwas mit dem Feuerwerk umzugehen lernte. Im übrigen hielt ich mich sehr still, also daß sich die Leute verwunderten, weil ich auch viel über den Büchern saß wie ein Student, da ich doch Raubens und Blutvergießens gewohnt gewesen.
Mein Hausvater war des Kommandanten Spürhund und mein Hüter, maßen ich merkte, daß er all mein Tun und Lassen demselben hinterbrachte. Doch ich gedachte des Kriegswesens kein einziges Mal, und wann man davon redete, tät ich, als ob ich niemals kein Soldat gewesen. Zwar wünschte ich, daß meine sechs Monate bald herum wären, es konnte aber niemand abnehmen, welchem Teil ich alsdann dienen wollte. Sooft ich dem Obristen aufwartete, behielt er mich bei seiner Tafel, da setzte es zuweilen solche Diskurse, dadurch mein Vorsatz ausgeholt werden sollte, ich antwortete aber jederzeit vorsichtig.
»Wie stehet es, Jäger, wollet Ihr noch nicht schwedisch werden? Gestern ist ein Fähnrich gestorben.«