»Herr Obrister, stehet doch einem Weib wohl an, wann sie nach ihres Mannes Tod nicht gleich wieder heuratet, warum sollte ich mich dann nicht sechs Monate gedulden?«

Kriegte gleichwohl des Obristen Gunst je länger, je mehr, so daß er mich in und außerhalb der Festung herumspatzieren, ja, endlich den Hasen, Feldhühnern und Vögeln nachstellen ließ. Darum leget ich mir ein schlicht Jägerkleid bei, in demselben strich ich des Nachts in das Soestische und holet meine verborgenen Schätze hin und wieder zusammen, schleppte solche in die Festung und ließ mich an, als ob ich ewig bei den Schweden wohnen wollte.

Da stieß einmal die Wahrsagerin von Soest zu mir, die mich erkannte. »Ich versichre dich, es war dein Glück,« sagte sie, »daß du gefangen worden. Einige Kerle, welche dir den Tod geschworen, weil du ihnen bist beim Frauenzimmer vorgezogen worden, hätten dich auf der Jagd erwürgt.«

Ich antwortete: »Wie kann jemand mit mir eifern, da ich doch dem Frauenzimmer nichts nachfrage?«

»Du wirst des Sinnes nicht bleiben, sonst wird dich das Frauenzimmer mit Spott und Schande zum Lande hinausjagen. Ich schwöre dir, daß sie dich nur gar zu lieb haben und daß dir solche übermachte Liebe zum Schaden gereichen wird, wann du dich nicht accommodierst.«

Ich fragte sie, wann sie ja so viel wüßte, so sollte sie mir davon sagen, wie es mit meinen Eltern stünde und ob ich sie mein Lebtag wieder zu sehen bekommen würde, sie sollte aber fein deutsch mit der Sprache heraus.

Darauf sagte sie, ich sollte alsdann nach den Eltern fragen, wann mir mein Pflegvater unversehens begegnen würde und führete meiner Säugeammen Tochter am Strick daher. — Lachte darauf überlaut und machte sich geschwind von mir.

Ich hatte damals ein schön Stück Geld und viel köstliche Ringe und Kleinodien beieinander. Solches schriee mich immerzu an, es wollte gar gern wieder unter die Leute. Ich folgte auch, dann weil ich ziemlich hoffärtig war, prangte ich mit meinem Gut und ließ solches meinen Wirt sehen, der bei den Leuten mehr daraus machte, als es war.

Mein Vorsatz, die Büchsenmeisterei und Fechtkunst in diesen sechs Monaten zu lernen, war gut und ich begriffs auch. Aber es war nicht genug, mich vor Müßiggang allerdings zu behüten, vornehmlich weil niemand war, der mir zu gebieten hatte. Ich saß zwar auch emsig über allerhand Büchern, aus denen ich viel Gutes lernete, es kamen mir aber auch teils unter die Hände, die mir wie dem Hund das Gras gesegnet wurden. Die unvergleichliche Arcadia, daraus ich die Wohlredenheit lernen wollte, war das erste Stück, das mich von den rechten Historien zu den Liebe-Büchern und von den wahrhaften Geschichten zu den Heldengedichten zog. Solcherlei Gattung brachte ich zuwege, wo ich konnte, und wann mir eins zuteil ward, hörete ich nicht auf, bis ichs durchgelesen und sollte Tag und Nacht darüber gesessen sein. Diese lerneten mich statt wohlreden mit der Leimstange laufen, doch war dieser Mangel damals vor mich keine Ursach zu klagen, dann wo meine Liebe hinfiel, erhielt ich ohn sonderbare Mühe, was ich begehrete, und ich brauchet nicht wie andere Buhler und Leimstängler voller phantastischer Gedanken, Begierden, heimlich Leiden, Zorn, Eifer, Rachgier, Weinen, Protzen und dergleichen tausendfältigen Torheiten stecken und mir vor Ungeduld den Tod zu wünschen.

Ich hatte Geld und ließ mich dasselbe nicht dauren, überdas eine gute Stimme, übete mich stetig auf allerhand Instrumenten, wiese die Geradheit meines Leibes, wann ich mit meinem Kürschner focht. So hatte ich auch einen trefflich glatten Spiegel und gewöhnte mich zu einer freundlichen Lieblichkeit, also daß mir das Frauenzimmer von selbst nachlief.