Die Leute in meinem Losament verwunderten sich alle, da ich diese Jungfrau mit mir heimbrachte, und noch viel mehr da sie sahen, daß ich so ungescheut mit ihr schlafen ging. Dann obzwar mir dieser Posse, so mir widerfahren, grandige Grillen in Kopf brachte, so war ich doch so närrisch nicht, meine Braut zu verschmähen. So hatte ich zwar die Liebste im Arm, hingegen aber tausenderlei Gedanken, wie ich meine Sache heben und legen wollte. Zuweilen vermeinete ich, es wäre mir der allergrößte Schimpf widerfahren, welchen ich ohn billige Rache mit Ehren nicht verschmerzen könnte, wann ich aber besann, daß solche Rache wider meinen Schwehrvater und also auch wider meine unschuldige, fromme Liebste laufen müßte, fielen alle meine Anschläge dahin. Ich schämete mich so sehr.

Endlich war mein Schluß, vor allen Dingen meines Schwehrvaters Freundschaft wieder zu gewinnen und mich im übrigen gegen jedermann an zu lassen, als ob mir nichts Übles widerfahren sei.

In solchen Gedanken ließ ich mir früh tagen und schickte am allerersten nach meinem Schwager, hielt ihm kurz vor, wie nahe ich ihm verwandt worden, und ersuchte ihn, er wolle seine Liebste kommen lassen, um etwas ausrichten zu helfen, damit ich den Leuten auch bei meiner Hochzeit zu essen geben könnte, er aber wolle belieben unsere Schwehr und Schwieger meinetwegen zu begütigen.

Ich verfügte mich zum Kommandanten, dem erzählte ich mit einer kurzweiligen und artlichen Manier, was ich und mein Schwehrvater vor eine neue Mode angefangen hätten, Hochzeit zu machen, welche Gattung so geschwind zugehe, daß ich in einer Stunde die Heiratsabrede, den Kirchgang und die Hochzeit auf einmal vollzogen. Weil nun mein Schwehrvater die Morgensuppe gesparet hätte, wäre ich bedacht, anstatt deren, ehrlichen Leuten von der Specksuppen mit zu teilen, zu der ich untertänig einlade. Der Kommandant wollte sich meines lustigen Vortrags schier zu Stücken lachen. Er fragte mich, wie es mit der Heurats-Notul beschaffen wäre, und wie viel mir mein Schwehrvater Füchse, deren der alte Schabhals viel hätte, zum Heiratgut gebe. Ich antwortete, daß unsere Heiratsabrede nur in einem Punkt bestünde, der laute, daß ich und seine Tochter sich in Ewigkeit vor seinen Augen nicht mehr sollten sehen lassen, dieweil aber weder Zeugen noch Notarien dabeigewesen, hoffte ich, es solle wieder revociert werden.

Mit solchen Schwänken, deren man an mir diesorts nicht gewohnt war, erhielt ich, daß der Kommandant samt meinem Schwehrvater, welchen er hiezu wohl persuadieren wollte, bei meiner Specksuppe zu erscheinen versprach. Er schickte auch gleich ein Faß Wein und einen Hirsch in meine Küchen. Ich aber ließ dergestalt zurichten, als ob ich Fürsten hätte tractieren wollen, brachte auch eine ansehnliche Gesellschaft zuwege, die sich nicht allein miteinander recht lustig machten, sondern auch vor allen Dingen meinen Schwehrvater und die Schwieger mit mir und meinem Weibe versöhneten, daß sie uns mehr Glückes wünschten, als sie uns die vorige Nacht fluchten. In der ganzen Stadt aber ward ausgesprengt, daß unsere Copulation mit Fleiß auf so fremde Art wäre angestellt worden, damit uns beiden kein Posse von bößen Leuten widerfahre. Mir war diese Hochzeit trefflich gesund, dann wann ich gemeinem Brauch nach über der Kanzel hätte abgeworfen werden sollen, so hätten sich besorglich Schleppsäcke gefunden, die mir ein verhinderliches Gewirr drein zu machen unterstanden.

Den andern Tag traktierte mein Schwehrvater meine Hochzeitsgäste, aber bei weitem nicht so wohl als ich. Da ward erst mit mir geredet, was ich vor eine Hantierung treiben und wie ich die Haushaltung anstellen wollte, und ich merkte, daß ich meine edle Freiheit verloren hatte.

Ich ließ mich dabei gar gehorsamlich an und begehrte zuvor meines lieben Schwehrvaters, als eines verständigen Kavaliers, Rat. Das lobte der Kommandant und sagte: »Dieweil Er ein junger, frischer Soldat ist, so wäre es eine große Torheit mitten in jetzigen Kriegsläuften ein anderes, als das Soldatenhandwerk zu treiben. Was mich anbelanget, so will ich Ihm ein Fähnlein geben, wann Er will.«

Mein Schweher und ich bedankten uns und ich schlugs nicht mehr aus. Wiese aber doch dem Kommandanten des Kaufmanns Handschrift, der meinen Schatz zu Köln in Verwahrung hatte. »Dieses«, sagte ich, »muß ich zuvor holen, ehe ich schwedische Dienste nehme, dann sollte man gewahr werden, daß ich dem Gegenteil diene, so werden sie mir zu Köln die Feige weisen und das Meinige behalten.«

Sie gaben mir beide recht, ward also zwischen uns dreien abgeredet, zugesaget und beschlossen, daß ich in wenig Tagen mich nach Köln begeben und nachgehends ein Fähnlein annehmen sollte.

Der Kommandant versahe sich auf den künftigen Frühling einer Belägerung und bewarb sich dahero um gute Soldaten, sintemal der Graf von Götz damalen mit vielen kaiserlichen Soldaten in Westfalen lag.