Der Doktor meinte, das könne wohl sein, vornehmlich wann ich ein Kerl von geringem Herkommen sei.
»Nein,« antwortete der eine Edelmann, »wann er zu solchem Ende hierher geschickt worden ist, daß er hier bleiben solle, so ists darum geschehen, weil er ihm seines Geizes wegen soviel Drangsal antäte.«
Der Doktor sagte: »Es sei geschehen, aus was vor einer Ursache es wolle, so lasse ich wohl gelten, daß die Sache so angestellt worden, daß Er hier bleiben muß. Er lasse sich aber das nicht irren. Ich will Ihm schon wieder mit guter Gelegenheit nach Deutschland verhelfen. Er schreibe dem Notarius nur, daß er den Schatz wohl beachte, sonst werde er scharfe Rechenschaft geben müssen. Es gibet mir einen Argwohn, daß es ein angestellter Handel sei, weil derjenige, so sich vor den Creditor dargegeben, Eures Kostherren und seines hiesigen Korrespondenten sehr guter Freund ist.«
Monsigneur Canard, so hieß mein neuer Herr, erbot sich mir mit Rat und Tat beholfen zu sein, damit ich des Meinigen zu Köln nicht verlustig würde, dann er sahe wohl, daß ich traurig war. In seiner Wohnung begehrete er, ich sollte ihm erzählen, wie meine Sachen beschaffen wären. Ich gab mich vor einen armen deutschen Edelmann aus, der weder Vater noch Mutter, sondern nur etliche Verwandte in einer Festung hätte, darin schwedische Guarnison läge, welches ich vor meinem Kostherrn und denen von Adel verborgen hätte, damit sie das Meinige als ein Gut, so dem Feinde zuständig, nicht an sich zögen. Meine Meinung wäre, ich wollte dem Kommandanten der Festung schreiben, als unter dessen Regiment ich die Stelle eines Fähnrichs hätte, und ihm berichten, was gestalten ich hierher praktiziert worden, ihn auch bitten, sich des Meinigen habhaft zu machen und indessen meinen Freunden zuzustellen.
Canard befand mein Vorhaben ratsam und versprach mir die Schreiben an ihren Ort zu bestellen, und sollten sie gleich nach Mexiko oder China lauten.
Demnach schrieb ich an meine Liebste, an meinen Schwehervater und den Obristen de S. A., Kommandanten in L., an welchen ich auch das Copert richtete und ihm die übrigen beiden beischloß: Ich wollte mich mit ehisten wieder einstellen, dann ich nur die Mittel in die Hand kriegte, eine so weite Reise zu vollenden. Er und mein Schweher möchten vermittels der Militiae das Meinige zu bekommen unterstehen, eh Gras darüber wüchse. Darneben berichtete ich, wieviel es an Gold, Silber und Kleinodien sei. — Solche Briefe verfertigte ich in duplo, ein Teil bestellete Mons. Canard, den andern gab ich auf die Post, damit eins desto gewisser einliefe.
Also ward ich wieder fröhlich und ich instruierte meines Herrn zween Söhne desto leichter. Die wurden wie die Prinzen erzogen, dann weil Mons. Canard sehr reich als auch überaus hoffärtig war, wollte er sich sehen lassen. Welche Krankheit er von großen Herren an sich genommen, weil er täglich mit Fürsten umging und ihnen alles nachäffte.
Sein Haus war wie eines Grafen Hofhaltung, in welcher kein anderer Mangel erschien, als daß man ihn nicht auch einen gnädigen Herrn nannte. Einen Marquis, da ihn etwan einer besuchen kam, traktierte er nicht höher als seinesgleichen. So teilete er zwar auch geringen Leuten von seinen Arzeneien mit, nahm aber kein geringstes Geld von ihnen, sondern schenkte ihnen eher ihre Schuldigkeit, damit er einen großen Namen haben möchte.
Weil ich ziemlich curiös war und wußte, daß er mit meiner Person prangte, als weil ich auch stets in seinem Laboratorio ihm arzeneien half, davon ich einigermaßen vertraut mit ihm ward, fragte ich ihn einsmals, warum er sich nicht von seinem adeligen Sitz her schreibe, den er neulich nahend Paris um 20000 Kronen gekauft, item warum er lauter Doktores aus seinen Söhnen zu machen gedenke und sie so streng studieren lasse, ob nicht besser wäre, daß er ihnen, wie andern Kavaliers, irgend Ämter kaufe und sie also vollkommen in den adeligen Stand treten lasse, den sie durch den Landsitz schon namensweis erworben hätten.
»Nein,« sagte er, »wann ich zu einem Fürsten komme, so heißt es: Herr Doktor, setze Er sich nieder. Zum Edelmann aber wird gesagt: Wart auf!«