Ich sagte: »Weiß aber der Herr Doktor nicht, daß ein Arzt dreierlei Angesichter hat: Das erste eines Engels, wann ihn der Kranke ansichtig wird, das ander eines Gottes, wann er hilft, das dritte eines Teufels, wann man gesund ist und ihn wieder abschafft. Also währet solche Ehrung nicht länger, als solang dem Kranken der Wind im Leib herumgeht, höret das Rumpeln auf, so hat die Ehre ein Ende und heißt alsdann auch: Doktor, vor der Tür ist's dein! Der Edelmann kommt aber niemals von des Prinzen Seite. Auch hat der Herr Doktor neulich etwas von einem Fürsten in den Mund genommen und demselben seinen Geschmack abgewinnen müssen, da wollte ich lieber zehn Jahre stehen und aufwarten, als ich eines andern Kot versuchete und wanngleich man mich auf Rosen setzte.«

Er antwortete: »Das muß ich nicht tun, sondern tus gern. Wann der Fürst sieht, wie sauer michs ankommt, seinen Zustand recht zu erkunden, wird meine Verehrung desto größer. Und warum sollte ich dessen Kot nicht versuchen, der mir etlich hundert Dukaten dafür zum Lohn gibet? Ihr redet von der Sache wie ein Deutscher. Wann Ihr aber einer andern Nation wäret, so wollet ich sagen, Ihr hättet geredet wie ein Narr.«

Mit dieser Sentenz nahm ich vorlieb.


[Das ander Kapitel]

Mons. Canard hatte täglich viel Schmarotzer und hielt gleichsam eine freie Tafel. Einsmals besuchte ihn des Königs Zeremonienmeister und andere vornehme Personen vom Hof, denen er eine fürstliche Collation darreichte. Damit er nun denselben seinen allergeneigtesten Willen erzeugte und ihnen alle Lust machte, begehrete er, ich wolle ihm zu Ehren und der ansehnlichen Gesellschaft zu Gefallen ein deutsch Liedlein in meine Laute hören lassen. Ich folgte gern, weil ich eben in Laune war und befliß mich derhalben, das beste Geschirr zu machen.

Daran fanden die Anwesenden ein solch Ergötzen, daß der Zeremonienmeister sagte, es wäre immer schade, daß ich nicht die franzsche Sprache könnte, er wollte mich trefflich wohl beim König und der Königin anbringen.

Mein Herr besorgte, ich möchte ihm aus seinen Diensten entzuckt werden und antwortete, ich sei einer von Adel, der nicht lange in Frankreich zu verbleiben gedächte, würde mich demnach schwerlich vor einen Musikanten gebrauchen lassen.

Darauf sagte der Zeremonienmeister, daß er seine Tage nicht eine so seltene Schönheit, eine so klare Stimme und einen so künstlichen Lautenisten in einer Person gefunden. Es sollte ehist vorm König in Louvre eine Comoedia gespielet werden, wann er mich darzu gebrauchen könnte, so verhoffe er große Ehre mit mir einzulegen. Das hielt mir Mons. Canard vor, und ich antwortete, wann man mir sagete, was vor eine Person ich darstellen und was vor ein Lied ich in meine Laute singen sollte, so könnte ich ja beides: Melodeien und Lieder auswendig lernen, wannschon sie in franzscher Sprache wären. Als mich der Zeremonienmeister so willig sahe, mußte ich ihm versprechen den andern Tag in Louvre zu kommen, um zu probieren. Also stellete ich mich ein. Die Melodeien schlug ich gleich perfekt auf dem Instrument, weil ich das Tabulaturbuch vor mir hatte. Die franzschen Lieder, welche mir zugleich verdeutscht wurden, kamen mich gar nicht schwer an, also daß ichs eher konnte, als sichs jemand versahe.