Dergestalt brachte ich acht Täge an diesem Orte zu. Nach geendigter Zeit satzte man mich im Hof mit verbundenen Augen in eine zugemachte Kutsche zu meiner Alten, die mir unterwegs die Augen wieder aufband. Man führete mich in meines Herren Hof, und die Kutsche fuhr wieder schnell hinweg. Meine Verehrung waren zweihundert Dukaten, und da ich die Alte fragte, ob ich niemand kein Trinkgeld davon geben könnte, sagte sie, bei Leibe nicht!
Nachgehends bekam ich noch mehr dergleichen Kunden, welche es mir endlich so grob machten, daß ich der Narrenposse ganz überdrüssig ward.
Auch fing ich an und ging in mich selber, nicht zwar aus Gottseligkeit oder Trieb meines Gewissens, sondern aus Sorge, daß ich einmal auf solch einer Kirchweih erdappt und nach Verdienst bezahlt würde. An Geld und andern Sachen hatte ich so viel Verehrungen zusammen, daß mir Angst dabei ward und ich mich nicht mehr verwunderte, daß sich die Weibsbilder aus dieser viehischen Unfläterei ein Handwerk machen.
Derhalben trachtete ich wieder nach Deutschland zu kommen und das umso viel mehr, weil der Kommandant zu L. mir geschrieben hatte, daß er etliche kölnische Kaufleute bei den Köpfen gekriegt, die er nit aus den Händen lassen wollte, es seien ihm dann meine Sachen zuvor eingehändiget, item daß er mir das versprochene Fähnlein aufhalte und meiner noch im Frühling gewärtig sei, dann sonst müßte er die Stelle mit einem andern besetzen.
So schickte mir mein Weib auch ein Brieflein darbei, das voll liebreicher Bezeugung ihres großen Verlangens war. Hätte sie aber gewußt, wie ich so ehrbar gelebet, so sollte sie mir wohl einen andern Gruß hineingesetzt haben.
Ich konnte mir wohl einbilden, daß ich mit Monsignore Canards Einwilligung schwer hinweg käme, gedachte derhalben heimlich durch zu gehen. Und als ich einsmals etliche Offizierer von der weimarischen Armee antraf, gab ich mich ihnen als Fähnrich von des Obristen de S. A. Regiment zu erkennen mit Bitte, sie wollten mich in ihrer Gesellschaft als Reisegefährten mitnehmen, da ich meiner Geschäfte in Paris ledig sei. Also eröffneten sie mir den Tag ihres Aufbruches und nahmen mich willig mit. An Mons. Canard schrieb ich aber zurück und datierte zu Mastrich, damit er meinen sollte, ich wäre auf Köln gegangen, und nahm meinen Abschied mit Vermelden, daß mir unmöglich gewesen länger zu bleiben, weil ich seine aromatischen Würstlein nicht mehr hätte verdauen können.
Im zweiten Nachtläger von Paris aus ward mir wie einem, der den Rotlauf bekommt. Mein Kopf tät mir so grausam weh, daß mir unmöglich war aufzustehen. Ich lag in einem gar schlechten Dorf, darin ich keinen Medicum haben konnte, und was das ärgste war, so hatte ich auch niemand, der meiner wartete, dann die Offizierer reisten des Morgens früh ihres Weges fort gegen den Elsaß zu. Sie ließen mich als einen, der sie nichts anginge, gleichsam todkrank daliegen. Doch hinterließen sie bei dem Schulzen, daß er mich als einen Kriegsoffizier, der dem König diene, beobachten sollte.
Also lag ich ein paar Tage dort, daß ich nichts von mir selber wußte, sondern wie ein Hirnschelliger fabelte. Man brachte den Pfaffen, derselbe konnte aber nichts Verständiges von mir vernehmen. Doch gedachte er auf Mittel, mir nach Vermögen zu Hilfe zu kommen, allermaßen er mir eine Ader öffnen, einen Schweißtrank eingeben und mich in ein warmes Bette legen ließ, zu schwitzen. Das bekam mir so wohl, daß ich mich in derselben Nacht wieder besann, wo ich war.
Am folgenden Tag fand mich der Pfaffe ganz desperat, dieweil mir nicht allein all mein Geld, es waren fünf hundert Dublonen, entführt war, sondern auch ich nicht anders vermeinte, als hätte ich salva venia die lieben Franzosenblatteren, weil sie mir billiger als die Dublonen gebühreten. Ich war auch über den ganzen Leib so voller Flecken als wie ein Tieger, konnte weder gehen, stehen, sitzen, liegen und war auch keine Geduld bei mir. Ja, ich stellete mich nicht anders, als ob ich ganz hätte verzweifeln wollen, daß also der gute Pfarrer genug an mir zu trösten hatte, weil mich der Schuh an zweien Orten so heftig druckte.
»Nach dem Geld fragte ich nichts, wann ich nur diese abscheuliche, verfluchte Krankheit nicht am Hals hätte oder wäre an Ort und Enden, da ich wieder kuriert werden könnte!«