»Ha!« sagte Simplicius, »dis ist meines gleichen; der trinkt gern, und ich mache gern Gesegne Gott.«

Und damit klopfte er auf die Kandel und sagte ferner zu ihm: »Secht, mein Freund, in dieser Kandel steckt ein Ehrentrunk vor euch, der euch auch bald zu theil werden soll.«

Zu mir aber sprach er, ich solte die Gläser nacheinander einschenken, welches ich auch verrichtete. Indessen bliese er wieder durch das Buch, zeigte dem Umstand abermal weiße Blätter und sagte, so viel Trinkgeschirr könte er vor dißmal nit füllen, er hätte selber Gläser genug zu gegenwärtiger seiner einzigen Maß Wein.

Endlich ließe er einen jungen Studenten in das Buch blasen, blättert darauf und zeigte dem Umstand lauter Schriften.

»Haha«, sagte er, »bistu einmal da? Recht, ihr Herren! Diß sein meine glaubwürdige Zeugnusse, davon ich euch zuvor gesagt. Diese will ich in dem Buch lassen, gegenwärtigen jungen Herrn aber vor einen Gelehrten halten und ihm auch eins bringen, um daß er mir wieder zu meinen trefflichen Urkunden geholfen hat.«

Und damit steckte er das Buch in Sack und machte seiner Gaukelei ein Ende.

Hingegen ließe er einen aus dem Umstand eine Büchse aus dem Sack langen und sagte: »Ihr Herren habt verstanden, daß ich mich vor keinen Arzt, sonder vor einen Künstler ausgebe. Das sag ich noch, aber gleichwol kan man mich gar wol vor einen Weinarzt halten; dann die Wein haben auch ihre Krankheiten und Mängel, die ich alle curirn kan. Ist ein Wein weich und so zähe, daß man ihn aufhasteln[323] könte, so hilf ich ihm, ehe man zweinzig zählen kan, daß er im Einschenken rauschet und seine Geisterlein über das Glas hinausspringen; ist er rahn[324] und so roth wie ein Fuchs, so bring ich ihm seine natürliche Farb in dreien Tagen wieder; schmeckt er nach einem schimmlichten Faß, so bring ich ihm in wenig Tagen einen solchen Geschmack zuwegen, daß man ihn vor Muscateller trinken wird; ist er so saur, als wann er in Bairn oder in Hessen gewachsen wäre, und darneben wegen seiner Jugend oder anderer Ursachen halber so trüb, daß er die Würmlöcher stopfen und beides vor Speis und Trank, wie an theils Orten das nahrhaftig Bier, gebrauchet werden könte, sehet, ihr Herren, so mache ich ihn alsobalden, daß ihr ihn entweder vor Malvasier oder vor spanischen oder sonst vor den allerbesten oder doch aufs wenigst vor einen guten alten Wein trinken sollet. Und diese Kunst als die allerunglaublichste will ich hie gegenwärtig probirn und euch deren Gewißheit vor Augen stellen.«

Demnach thät er einer Erbsen groß aus der Büchsen in ein Glas voll Wein und rührete alles unter einander; davon gosse er in das eine Glas einen Tropfen, in das ander zwei, ins dritte drei und ins vierte vier, davon sich der Wein in den Gläsern alsobalden in unterschiedliche Farben veränderte, je nachdem er wenig oder viel Tropfen in ein jedes gegossen hatte; das fünfte Glas Wein aber, darin er nichts gegossen, verblieb wie es war, nämlich ein neuer trüber roher Wein, wie er allererst dasselbe Jahr gewachsen. Alsdann ließe er die Vornehmste aus dem Umstand diese Wein versuchen, welche sich alle über diese geschwinde Veränderung und unterschiedliche Geschmack und Arten der Wein verwunderten.

»Ja, ihr Herren«, fuhr er weiters fort, »nachdem ihr nun die Gewißheit dieser Kunst gesehen, so müst ihr auch wissen, daß einer Erbsen groß dieses Elixirs in eine Maß und ein solche Büchse voll in einen Ohmen zu viel sei, den Wein aufs allerhöchste zu verbessern und ihn dem spanischen Wein oder Malvasier gleich zu machen, derjenige neue Wein, den man verändern will, seie dann gar zu sauer. Wer nun Lust hat, lieber einen delicaten als sauren Wein zu trinken, der mag mir heut von diesem Elixir abkaufen, dann morgen findet er ein Büchsel wol nit mehr feil um 6 Batzen, wie heut, sintemal was mir übrig bleibt, morgen einen halben Gulden gelten muß; zwar nit eben darum, daß ich so gar nöthig Geld brauche, sonder weil ichs mit diesem Elixir mache wie die Sibylla mit ihren Büchern[325]«. Wir hatten damals bei 1000 Personen zum Umstand, mehrentheils erwachsene Mannsbilder, und da es an ein Kaufens gieng, hatte Simplicius beinahe nicht Hände genug, Geld einzunehmen und Büchsen hinzugeben; ich aber verspendirte den vorhandenen Wein vollends, den er mir jeweils mit seiner Mixtur nachtemperirte; und ehe ein halb Stund herum war, hatte er allbereit seine Büchsen versilbert und sein gut baar Geld darvor eingenommen, also daß er die halbe Theil Leut, so deren noch begehrten, muste leer hingehen lassen.