»Und mir«, sagte Simplicius, »ist ganz zu Sinn und glaube es auch festiglich, du seiest ein ganzer Narr und habest dein Handwerk auch ohne einen Lehrmeister gelernet. Mein, was geb ich dir vor Ursachen, so böse Gedanken von mir zu machen?«
»Ich«, antwortet Springinsfeld, »habe ja heut deine Verblendungen genugsam gesehen.«
Simplicius antwortet hingegen: »Es ist dir allerdings ein Schand, daß du allbereit so alt, so lang in der Welt herum geloffen und gleichwol noch so alber bist, daß du natürliche Kunststück und Wissenschaften, wie du heut an Veränderung des Weins, und schlechte Kinderpossen, davon du heut ein Exempel an meinem Buche gesehen hast, vor Zauberei und Verblendungen hältst.«
»Ja«, sagte Springinsfeld, »es ist nit nur das; ich sihe, daß dir das Geld gleichsam zuschneiet, da[329] ich doch mit so großer Müh und Arbeit Pfenning erobern, und wann ich dessen einen Vorrath haben und behalten will, beides an meinem Leib und an meinem Maul ersparen muß.«
»Du Phantast!« sprach Simplicius; »vermeinest du dann, diß Geld komme mich ohne Schnaubens und Bartwischens an? Meine beide Alte haben die 4 Ochsen mit Mühe und Kosten erziehen und ausmästen, ich aber auch laboriren müssen, biß ich die materiam verfertigt, daraus ich heut Geld gelöst.«
»Was ists aber mit dem Buch?« fragte Springinsfeld; »ists keine Verblendung? lauft nit das kleine Hexenwerk mit unter?«
Simplicius antwortet: »Was ists mit den Taschenspielern und Gauklern? Narren- und Kinderwerk ists, darüber ihr einfältige Tropfen euch nur deshalber verwundert, weil es euer grober Verstand nicht begreifen kan!«
Nach langer solcher Wortwechslung schätzte endlich Springinsfeld den Simplicium glückselig, wann er diese Künste natürlicher Weis könte, und bote ihm 20 Reichsthaler an, wann er ihn die Kunst lernete, daß er auch wie er aus einem Buche wahrsagen oder gauklen könte.
»Dann«, sagt er, »lieber Bruder, ich muß mich mit Bettlen und meiner Geige ernähren; wie vermeinest du wol, daß es mir so trefflich zustatten kommen würde, wann ich mich irgends bei einer Bauernkürbe oder einer Hochzeit einfinden und meine Zuhörer mit diesem artlichen Stückel belustigen und zur Verwunderung bringen könte? Würde es nicht zehenmal mehr Heller bei mir setzen, als wann ich nur geige und meine alte Possen und Grillen übe?«