»Mein Freund«, antwortet Simplicius, »es wäre gut, wann du deine alte Possen und Grillen, wie du es nennest, gar unterwegen ließest; dann sihe, du bist allerdings ein siebenzigjähriger Mann, der auf der Gruben gehet und allerdings kein Stund sicher vorm Tod ist; hingegen hastu, wie ich gesehen, ein fein Stück Geld, darmit du dich, so lang dir Gott das Leben noch gönnen möchte, gar wol ausbringen kanst. Wann ich in deiner Haut steckte, so begäbe ich mich in einen geruhigen Stand, darin ich mein geführtes Leben bedenken, meine begangene Stücklein bereuen, mich zu Gott bekehren und ihme nunmehr allein dienen könte; welches gar füglich irgends in einem Spital, darinnen du dir eine Pfründ kaufen köntest, oder etwan in einem Kloster, da du noch einen Thorhüter abgeben möchtest, beschehen könte. Es ist mehr als genug getobt und Gott versucht, wann wir biß an das Alter der Welt Thorheiten angeklebet und in allerhand Sünden und Lastern gleichsam wie ein Sau im Morast geschwemmt und umgewälzt haben; aber viel ärger und noch eine größere Thorheit ists, wann wir gar bis ans End darin verharren und nicht einmal an unsere Seligkeit oder an unsere Verdammnus, und also auch nicht an unsere Bekehrung gedenken.«

»Närrisch thät ich«, antwortet Springinsfeld, »wann ich mein Geld, das ich mit großer Müh und Arbeit zusammen gebracht, in ein Kloster oder Spital steckte, solches zu belohnen damit es mich meiner Freiheit beraubte.«

Simplicius hingegen sagte: »Alsdann thustu närrisch, wann du eine vermeinte Freiheit zu genießen gedenkest, indessen aber ein Knecht der Sünd, ein Sclav des Teufels und also, ach leider, auch ein Feind Gottes verbleibest. Ich beharre noch meiner vorigen Meinung, daß dir nämlich beides rathsam und nutzlich wäre, zur Bekehrung zu schreiten, ehe dich der Schlaf der ewigen Nacht und Finsternus überfällt, dann sihe, der Tag hat sich bei dir um mehr als 20 Jahr als bei mir geneiget, und dein spater Abend erinnert dich, ehist schlafen zu gehen.«

Springinsfeld antwortet: »Bruder, empfang du zwanzig Thaler von mir vor die begehrte Kunst und lasse die Pfaffenpredigen denen, die ihnen gern zuhören. Hingegen will ich dir versprechen, daß ich mich gleichwol auch auf deine Erinnerung bedenken wolle.«

Gleich wie nun in der ganzen Welt sich nichts so eitel und unnütz befindet, das nicht zu etwas Guts könte emploirt und verwendet werden, also gedachte auch Simplicius durch sein Buch, welches er seine Gaukeltasche nennet, den Springinsfeld zu bekehren; derowegen sagte er zu ihm: »Höre, mein Freund, hieltestu in Ernst darvor, es wäre Zauberei oder wenigst eine geringe Verblendung, als du mich die Kunst auf dem Mark mit dem Buch üben sahest?«

Springinsfeld antwortet: »Ja, und ich glaubte es auch noch, wann ich dich jetzt nicht so gottselig reden hörete.«

»Nun dann«, sagte Simplicius, »dieser Rede und dieses Wahns[330], der dich betrogen, bleib eingedenk biß in dein End, und versprech mir, dich auch desjenigen allweg, so oft du das Buch brauchest, zu erinnern, was ich dir ferner sagen werde! So will ich dich nit allein die vermeinte Kunst umsonst und ohne deine offerirte 20 Reichsthaler lernen, sonder ich will dir noch das Buch darzu schenken, ohne welches du auch die Kunst nit wirst üben können.«

Springinsfeld fragte, was dann dasjenige vor Sachen wären, deren er sich jederzeit bei dem Buch erinnern solte. Simplicius antwortet: »Wann du erstlich den Zusehern lauter weiße Blätter zeigest, so erinnere dich, daß dir Gott in der heiligen Tauf das weiße Kleid der Unschuld wiederum geschenkt habe, welches du aber seither mit allerhand Sünden so vielmal besudelt habest; weisest du dann die Kriegswaffen, so erinnere dich, wie ärgerlich und gottlos du dein Leben im Krieg zugebracht habest; kommstu an das Geld, so gedenke, mit was vor Leibs- und Seelengefahr du demselben nachgestellt. Also erinnere dich auch bei den Trinkgeschirren deiner verübten unflätigen Sauferei, bei den Würfeln und Karten, wie manche edle Zeit und Stund du unnützlich damit zugebracht, was vor Betrug darbei vorgelossen, und mit was vor grausamen Gotteslästerung der Allerhöchste dabei geunehret worden; bei den Knaben und Jungfrauen erinnere dich deiner Hurenjägerei, und wann du an die Narrenköpfe komst, so glaube sicherlich, daß diese ohn allen Zweifel Narren sein, die sich durch obenerzählte der Welt Lockungen betrügen und um ihre ewige Seligkeit bringen lassen. Weisestu aber die Schrift auf, so gedenke, daß die heilige Schrift nicht lüge, die da sagt, daß die Geizige, die Neidige, Zornsüchtige, Haderkatzen, Balger und Mörder, die Spieler, die Saufer und die Hurer und Ehebrecher schwerlich das Reich Gottes werden besitzen, und daß dannenhero derjenig einem Narren gleich thue, der sich von solchen Lastern verführen und so schandlich um seine Seligkeit bringen lasse. Gleich wie nun die meiste und zwar die einfältigste von deinen Zusehern vermeinen, sie würden durch dich verblendet, so doch in Wahrheit nit ist, also bedenke du hingegen und führe wol zu Gemüth, daß die allermeiste von den unverständigen Menschen von dem Teufel und der Welt durch obige Laster unvermerkt verblendet und in die ewige Verdammnus gebracht werden.«

»Mein Bruder«, sagte hierauf Springinsfeld, »des Dings ist gar zu viel; wer zum S. Peter wolte alles im Kopf behalten!«