Simplicius antwortet: »Mein Freund, wann du das nicht kanst, so wirstu auch nit behalten können, wie du recht geschicklich mit dem Buch umgehen sollest.«

»Ei«, sagte Springinsfeld, »das will ich schon lernen.«

»Und das Buch«, antwortet Simplicius, »wird dich alsdann auch schon selber an dasjenig erinnern, waran du meinet- oder vielmehr deinetwegen gedenken sollest.«

»Ich gäbe dir aber«, sagt Springinsfeld, »lieber die 20 Reichsthaler und wäre dieser Obligation ledig.«

Simplicius antwortet: »Diß will aber Simplicius nicht thun; nicht allein darum, weil das Buch und die Wissenschaft, solches zu gebrauchen, ohne die begehrte Erinnerung nicht so viel Gelds werth ist, sonder weil sich Simplicius auch ein Gewissen macht, den geringsten Heller von dir zu nehmen, sintemal er nicht weiß, wie du dein Geld gewonnen und erobert hast. Ja ich gebe dir das Buch nicht, du versprechest mir dann, dich allweg dessen zu erinnern, was ich dir gesagt, wann du mir gleich 100 Reichsthaler baar daher zahltest.«

Springinsfeld kratzte sich im Kopf und sagte: »Du erweckest bei mir fast ängstige Gedanken; ich sihe, daß du deinen Nutzen und auch meinen Schaden nicht begehrest. Ma foi, Bruder, es steckt etwas darhinter, das ich nicht verstehe. So viel kan ich schließen, weil du mir mit Annehmung des Gelds nit schädlich zu sein begehrest, daß du es treulich mit mir meinen und das Gebot der Erinnerung, welches ich vor eine schwere Bürde gehalten, zu meinem Frommen aufladen werdest. Derowegen verspriche ich hiemit, alles dessen eingedenk zu sein, was du von mir vor solche Kunst haben willst.«

Hierauf zog Simplicius das Buch hervor und zeigte dem Springinsfeld alle Vörthel und Griff; und demnach sie mich auch zusehen ließen, faßte ich die Beschaffenheit desselben so genau ins Gedächtnus, daß ich auch stracks eins dergleichen machen könte, wie ich dann etliche Tage hernach thät, um solche Simplicianische Gaukeltasch der ganzen Welt gemein zu machen[331]


Fußnoten: