[337] aus dem Geschirr schlagen, wie: über den Strang schlagen.
[338] d. h. an deinen eigenen Erfahrungen abnehmen, wie es andern ergeht.
Das zehnte Capitel.
Springinsfelds Herkunft, und wie er anfangs in Krieg kommen.
»Nun, das sei dann genug von den Weibern geredet«, sagte Simplicius, »seitemal ich sehe, daß ich dich doch nicht anders oder eine zu heurathen persuadirn können; hingegen aber möchte ich wol von dir vernehmen, wo du gebürtig, wie du in Krieg kommen und wie es dir bißhero darinnen ergangen, biß du aus einem so tapfern Soldaten zu einem solchen elenden Stelzer worden seiest.«
Springinsfeld antwortet: »So du dich nicht gescheuet hast, deinen eignen Lebenslauf aller Welt durch den offenen Druck vor Augen zu legen, so werde ich mich auch nit schämen, den meinigen hier im Finstern zu erzählen; vornehmlich weil bereits offenbar sein soll, was zwischen mir und der Courage vorgangen, die gleichwol uns beide, wie ich vernehme, mit einander verschwägert. Jetzt höre dann deines Schwagers Ankunft.«
»Meine Mutter ist eine Griechin aus Peloponeso von hohem altem Geschlecht und großen Reichthumen, mein rechter Vatter aber ein albanesischer Gaukler und Seiltanzer und darneben von schlechter Ankunft[339] und geringen Mittlen gewesen. Als dieser mit einem zahmen Löwen und einem Dromedari in der Gegend, darin meiner Mutter Eltern gewohnet, herum zohe[340] und beides diese Thier und seine Kunst um Geld sehen ließe, gefiele Besagter meiner Mutter, die damal ein junges Ding von 17 Jahren war, dessen Leibsproportion und Geradigkeit so wol, daß sie sich gleich in ihn vernarrete, also daß sie mit Hülf ihrer Ammen einen Anschlag machte, ihren Eltern ein Stück Geld auszufischen und mit besagtem meinem Vatter wider ihrer Eltern Wissen und Willen darvonzuziehen. Und solches hat ihr auch zu ihrem Unglück geglückt, unangesehen sie einander aufrecht[341] geehlicht. Also wurde meine Mutter aus einer seßhaften vornehmen Damen eine umschweifende Comödiantin, mein Vatter ein halber Junker, und ich selbst die erste und letzte Frucht dieser ersten Ehe, sintemal mein Vatter, da ich kaum geboren worden, von einem Seil herunter stürzet und den Hals zerbrach, durch welchen leidigen Fall meine Mutter also zeitlich zu einer Wittib wurde.«
»Zu ihren erzörnten Eltern hatte sie das Herz nit wieder heimzukehren, ohne daß sie sich damaln auch über die hundert Meilen von denselbigen im Dalmatia bei einer Compagnie Comödianten befande; hingegen war sie schön, jung und reich und hatte dannenhero unter meines Vattern hinterlassenen Cameraden viel Werber. Von dem sie sich freien ließe, der war ein geborner Sclavonier und der allerfertigste in derjenigen Profession, die mein Vatter geübt hatte. Dieser zohe mich auf, biß ich das elfte Jahr erreichte, und lehrete mich alle principia seiner Kunst, als Trompetn, Trommelschlagen, Geigen, Pfeifen, beides auf der Schalmei und Sackpfeifen, aus der Taschen spielen, durch den Reif springen und andere seltzame Aufzüg und närrische Affen-Posturen machen, also daß ein jeder leichtlich sehen konte, daß mir das eine und das ander mehr angeborn als angeflogen oder durch fleißige Instruction angewöhnet worden. Dabei lernete ich lesen und schreiben, griechisch reden von meiner Mutter und sclavonisch von meinem Vatter. So begriffe ich auch mithin in Steyr, Kärnten und andern angrenzenden teutschen Provinzen um etwas die teutsche Sprach und wurde in Summa Summarum in Bälde ein solcher feiner kurzweiliger Gauklerknab, daß mich gedachter mein Vatter bei seinem Handwerk zu missen um keine 1000 Ducaten verkauft hätte, wann gleich alle Tag Jahrmark gewesen wäre.«