»Als ich einsmals ganz allein auf dem Platz daselbsten stund, das schöne Bild auf der Säulen[495] allda betrachtete und sonsthin nirgends gedachte, wurde ich gewahr, daß mir etwas Schweres in Hosensack hinunter rollete, welches ein Gerappel machte, daß ich daraus wol hören konte, daß es Reichsthaler waren. Da ich nun die Hand in Sack steckte und ein Handvoll Thaler griffe, höret ich zugleich meines Weibs Stimm, die sagte zu mir: Du alter Hosenscheißer, was verwunderst du dich über diß paar Dutzet Thaler? Ich gib sie dir, damit du wissest, daß ich deren noch mehr habe, auf daß du dich zu grämen Ursach habest, um willen du dich meines Glücks nicht theilhaftig gemacht. Vor dißmal gehe hin und versaufe diese, auf daß du deines Ellends ein wenig vergessen mögest!«
»Ich sagte, sie solte doch mehr mit mir reden, mir meinen Fehler vergeben und Reguln vorschreiben, wie ich mich gegen ihr verhalten und die Versöhnung wieder erlangen solte; aber sie ließe sich gegen mir ferners weder hören noch sehen. Derowegen gieng ich in meine Herberg und zechte beides mit den Werbern und ihren Neugeworbenen im Brantwein biß in den Mittag hinein, bei welchem Imbis wir von unserem Wirth Zeitung bekamen, daß einem reichen Herrn in der Stadt viel Gold und Silber von Geld und Kleinodien ausgefischt worden wären, darunter sich tausend Reichsthaler und tausend doppelte Ducaten eines Schlags befanden. Ich spitzte die Ohren gewaltig, nahm ein Abtrittel aufs Secret, als hätte ich sonst was thun wollen, beschaute aber nur meine Thaler, deren 30 waren, und sahe ihnen an, daß mein ehelichs Weib obbemeldten reichen Zug gethan; sahe mich derowegen wol vor, damit ich keinen darvon ausgabe und mich nicht etwan selbst dardurch in Argwohn, Gefahr und Noth brächte. Aber was that mein Weib, das junge Rabenaas? Sie hat nicht nur mir, sonder bei hundert Personen unterschiedlichen Stands von ihren gestohlenen Thalern hin und wieder dem einen drei, dem andern vier, fünf, sechs, auch mehr in die Säcke gesteckt. Was nun reich, ehrlich und fromm war, das brachte das Geld seinem rechten Herrn wieder; was aber arm, gewissenlos und meines gleichen gewesen, hat ohne Zweifel sowol als ich behalten, was es in seinem Sack gefunden. Und ich kan nit ersinnen, warum sie diß gethan haben muß, es habe sich dann diese Vettel mit so schwerem Geld nicht schleppen mögen. Doch kan auch wol sein, daß sie solches per Spaß gethan, um etwas anzustellen, darüber sich die Leute zu verwundern hätten; dann als es gegen Abend kam, da das Volk aus der Salve[496] gieng und hin und wieder auf dem Platz stunde, seind bei zweihundert derselbigen Thaler von oben herunter geworfen, von den Leuten aufgelesen und mehrentheils ihrem Herrn zugestellt worden. Dieses verursachte, daß des Herrn unschuldig Gesind, welches Diebstahls halber im Verdacht und deswegen befängnußt war, wiederum auf freien Fuß gestellt wurde; und hoffte der bestohlene Herr, seine doppelte Ducaten würden auch wie die Thaler wieder hervorkommen; aber es geschahe nicht, dann das holde Gold ist viel schwerer als das Silber, und Sol[497] ist nicht so beweglich oder leichtveränderlich wie Luna.«
»Den andern Tag wurde bei einem großen Herrn ein stattlich Banquet gehalten, darbei sich viel andere große Herren und ansehenlich Frauenzimmer befanden. Diese saßen alle in einem schönen großen Saal und hatten die vier beste Spielleut in der ganzen Stadt bei sich. Da es nun bei dem Confect auch an einen Tanz gehen solte, ließe sich unversehens bei den Spielleuten auch eine Leir hören, mit großem Schrecken aller deren, die im Saal waren. Die erste, die ausrissen, waren die Spielleut selbst, als welche das Geschnarr zunächst bei ihnen gehöret und doch niemand gesehen hatten. Ihnen folgten die übrige mit großer Forcht, und ihr Gedräng wurde desto heftiger, weil sie in dem Winkel, darin die Spielleute gesessen, ein gählings Gelächter noch mehrers erschreckte, also daß wenig gefehlet, daß nicht etliche unter der Thüren erdruckt wären worden. Nachdem nun jedermänniglich den Saal erzähltermaßen geraumt hatte, sahen etliche, so vor der Thür stehen zu bleiben und von fernen in Saal zu schauen das Herz behalten, wie bißweilen ein paar Sessel, bißweilen ein paar silberner Tischbecher, Platten und ander Geschirr mit einander herum tanzten; und obgleich diß Spiegelgefecht zeitlich ein End nahm, so hatte jedoch noch lang niemand das Herz, in den Saal zu gehen, unangesehen man Geistliche und Soldaten geholet, das Gespenst entweder mit Gebet oder mit Waffen abzutreiben; den Morgen frühe aber, als man wieder in den Saal kam, und nicht ein einziger Leffel, geschweige etwas anders von Silbergeschirr nicht mangelte, ohnangesehen die ganze Tafel damit überstellet war, stärkte diese Begebenheit den Wahn des gemeinen unbesonnenen Pöfels dergestalten, daß diejenige lucke[498] Klügling, die gestern wegen der seltzamen Geschicht mit dem gestohlnen Geld gesagt hatten: So recht! so muß der Hagel in die größte Häufen schlagen, damit das Geld auch wieder unter den gemeinen Mann komme! anjetzo sich nicht scheueten, zu lästern und zu sagen: Also muß der Teufel einen Spielmann abgeben, wo man der Armen Schweiß verschwendet.«
»Noch eins muß ich erzählen, das meine andere und viel ärgere Courage als die erste Unholde meines Darvorhaltens aus lauter Rach angestellt. Sie hatte kurz zuvor einer Abtissin auf einem großen und reichen Stift zu Gefallen ihre Leir gestimmt, um derselben ein Liedlein, und zwar ein geistlichs, aufzuspielen, der Hoffnung, etwan einen halben oder ganzen Creutzer zur Verehrung zu erhalten; aber an Statt daß diese hören und ihre milde Hand aufthun solte, thät sie etwas zu streng und scharf den Mund auf und ließe hingegen mein guts Weibchen eine Predigt hören, die ihr eben so verdrüßlich als unverdaulich fiele; dann sie war eines solchen Inhalts, damit man die allerleichtfertigste Weibspersonen zu erschrecken und zur Besserung ihres Lebens zu zwingen und anzufrischen pfleget. Ach, die gute Abtissin mags wol gut gemeinet und ihr etwan eingebildet haben, sie hätte irgends eine Laienschwester zu capiteln vor sich! Ach nein, sie hatte ein ander Daus-Es[499], eine Schlang oder wol gar einen halben Teufel, deren Zung ich öfters schärpfer als ein zweischneidig Schwerd befunden habe.«
»Potz Herget, Gnad Frau, sehet ihr mich dann vor eine Hur an? antwortet sie ihr; ihr müst wissen, daß ich meinen ehrlichen Mann habe, und daß wir nicht all Nonnen oder reich sein oder unser Brod bei guten faulen Tägen essen können Hat euch Gott mehr als mich beseligt, so dankt ihm darum, und wolt ihr mir seinetwillen kein Almosen geben, so laßt mich im übrigen auch ungestiegelfritzt![500] Wer weiß, wann vielleicht nicht so viel Almosen gegeben worden wären, ob nicht mehr Leirerinn als Nonnen gefunden würden &c.«
»Mit solchen und mehr Worten schnurret sie damals darvon. Jetzunder aber hatte man auf dem Land und in der Stadt von sonst nichts zu sagen als von der Abtissin und einem Poltergeist, der sie so Tags so Nachts unaufhörlich plage, welches sonst niemand als mein Weib war. Das Erste, das sie ihr that, war, daß sie ihr die Ring des Nachts von den Fingern und die Kleider vom Bett hinweg nahm und solches in die Pfisterei[501] trug. Dem Becken[502] steckte sie die Ring an seinen Finger und legte der gnädigen Frauen Habit zu dessen Füßen, ohne daß sie dieselbe Nacht jemand gehöret oder gemerkt hätte. Und solches hat sie ohn Zweifel durch den Hauptschlüssel zuwege gebracht, den sie beim Kopf kriegt, weil er ungefähr um dieselbe Zeit verloren worden. Was nun hierdurch gleich in der Erste der guten Abtissin vor ein Verdacht zugewachsen, kan man leicht erachten. Man redete noch von vielen Sachen, damit sich das Gespenst mit der Abtissin vexirt, worwider weder Weihwasser, Agnus Dei[503] noch andere Sachen nichts helfen wolten, darvon man aber die Wahrheit außerhalb dem Kloster nicht wol erfahren konte.«
»Indessen hatten meine Werber die Anzahl ihrer Mannschaft zusammen gebracht, und indem ich vermeinte, ich dörfte zuruck bleiben, sihe, da befand sich der Betrieger selbst betrogen, und muste der gute Springinsfeld eben sowol als die andere um die Candische Gruben springen, die er andern durch sein Zusprechen gegraben hatte, doch daß ich die Stell eines Corporals zu Fuß bedienen solte.«
Fußnoten:
[494] fast geistlich: München.