Das siebenundzwanzigste Capitel.

Endlicher Beschluß von des Springinsfelds seltzamen Lebenslauf.

»Durch diese Erzählung erfuhr ich, was das wunderbarliche Vogelnestlein bei meinem Weib gewürkt, wie sie der Kützel ihres geilen Fleisches zur Ehebrecherin, zur Mörderin, mich selbst aber zu guter Letze zum Hahnrei gemacht, und sie endlich selbst in einen ellenden Tod ja gar ins Feur gebracht habe. Ich fragte den Wirth, ob sich sonst nichts weiters mit ihr zugetragen.«

»Potz, antwortet er, das Beste und Notabelste hätte ich schier vergessen; es ist bei ihrem Tod einer von den Hellebardierern, ein junger frischer Kerl, mit Leib und Seel, Haut und Haar, Kleidern und allem hinweg kommen, daß bißher kein Mensch erfahren, wohin er geflogen oder gestoben sei. Und solches, sagt man, sei ihm widerfahren, als er sich gebuckt, ein Nastüchlein, welches auch zugleich verschwunden, aufzuheben, so diesem wunderbarlichen Weibsbilde zuständig gewesen.«

»Ho ho, gedacht ich, jetzt weistu auch, daß dein Nestlein wieder einen andern Meister hat. Gott geb, daß es ihm besser als meinem Weib bekomme!«

»Ich hätte den Leuten allen wol aus dem Traum helfen können, wann ich ihnen nur hätte die Wahrheit sagen wollen; aber ich schwieg still, und ließe dieselbige sich unter einander verwundern und disputirn, so lang sie wolten, betrachtet darneben, wie grob der Unwissenden Wahn betrüge, und was wol auf etliche wunderbarliche Historien zu halten, die weit anderst erzählt worden wären, wann die Scribenten den Grund recht gewust hätten.«

»Nachdem ich nun solcher Gestalt ohnversehens erfahren, wo mein Weib hinkommen, schaffte ich mir wieder eine Geige und durchstelzte damit das Erzstift Salzburg, das ganze Baiern und Schwabenland, Franken und die Wetterau. Endlich kam ich durch die Unterpfalz hieher und suchte überall, wo mir mitleidige Leut etwas gaben. Ich bin auch so glückselig hierin, daß ich glaube, es spendire mir mancher etwas, der selbst nit den zehenden Theil so viel Geld hat als ich. Und weil ich sehe, daß von meinem Capital nichts abgehet, ich aber gleichwol einen als den andern Weg in aller Freiheit mein guts Maulfutter und auch zu Zeiten, wann ichs bedörftig, ein glatte Leirerin (denn gleich und gleich gesellt sich gern) zur Nothhelferin haben kan, so wiste[526] ich nicht, was mich bewegen solte, ein anders und seligers Leben zu verlangen. Ja ich wiste auch kein bessers für mich zu finden. Weistu aber, mein Simplice, mir ein anders und bessers zu weisen, so möchte ich deinen Rath gern hören und nach Gestaltsame der Sach demselben auch gern folgen.«

»Ich wolte dir wünschen«, antwortet Simplicius, »du führtest hier zeitlich dein Leben, daß du das ewige nicht verlierest!«

»O Münchspossen!« sagte Springinsfeld; »es ist nicht müglich, du bist seither in einem Kloster gestocken, oder hast im Sinn, in Bälde in eins zu schliefen[527], daß du immer wider dein alte Gewohnheit so albere Fratzen herfürbringst.«