»Wann du nicht in Himmel wilst«, antwortet Simplicius, »so wird dich niemand hinein tragen; allein wäre mir lieber, du thätest auch wie ein Christenmensch und fiengest an zu gedenken an deine letzte Ding, welche zu erfahren du noch einen kurzen Sprung zu thun hast.«

Unter diesem Gespräch fieng es an unvermerkt zu tagen, und solches verursachte bei uns allen wiederum einen Lust zu schlafen, wie dann zum öftern zu geschehen pflegt. Solcher Anmuthung[528] folgten wir und thäten die Augen zu, uns noch ein paar Stund innerlich zu beschauen, stunden auch nicht ehender auf, als biß uns der Appetit der Mägen zu etlichen Dutzet kleinen Pastetlin und einem Trunk Wermut nöthigte. Als wir nun in derselben Arbeit begriffen waren, kriegten wir Zeitung, daß der Rhein die Brück hinweggenommen und noch stark mit Eis gehe, so daß niemand weder herüber noch hinüber kommen könte. Derowegen resolvirte sich Simplicius, denselben Tag mit seinen Leuten noch in der Stadt zu verbleiben, in welcher Zeit er weder den Springinsfeld noch mich von sich lassen wolte. Mit mir accordirte er, daß ich dessen Lebensbeschreibung, wie es Springinsfeld selbst erzählet, schriftlich aufsetzen solte, damit den Leuten zugleich kund würde, daß sein Sohn der leichtfertigen Courage Hurenkind nicht seie. Und dessentwegen schenkte er mir 6 Reichsthaler, die ich damals wol bedörfte; den Springinsfeld selbsten aber lude er auf seinen Hof, bei ihm auszuwintern[529], betheuerte aber gegen mir gar hoch, daß er solches nicht seiner paar hundert Ducaten halber thu, sondern zu sehen, ob er ihn nicht auf den christlichen Weg eines gottseligen Lebens bringen möchte. Wie ich mir aber seithero sagen lassen, so hat ihn der verwichne März aufgerieben, nachdem er zuvor durch Simplicissimum in seinen alten Tagen ganz anders umgegossen und ein christlichs und bessers Leben zu führen bewegt worden; nahm also dieser abenteurliche Springinsfeld auf des eben so seltzamen Simplicissimi Bauerhof, als er ihn zuvor zu seinem Erben eingesetzt, sein letztes

Ende.


Fußnoten:

[526] wiste, wüßte.

[527] schliefen, schlüpfen, kriechen.

[528] Anmuthung, Anwandlung.

[529] auswintern, durchwintern, den Winter hindurch bleiben.