Daselbst versahe der Landsknecht seine siebenjährige Dienste und wurde in solcher Zeit von Haut, Haar, Bart und Nägeln ein solcher abscheulicher Unflat, daß er dem Geist selbst ähnlicher sah als einem vernünftigen Menschen, der nach Gottes herrlichem Ebenbilde erschaffen worden, sonderlich wann er anstatt eines ehrbaren Mantels seine liebliche Bärnhaut um sich hatte; dann seine Haar wurden lauter Höllenzöpf[538], die ihm um die Achseln herumhiengen wie indianische Schafschwänze. Sein Bart war s. h. von Rotz, Geifer und anderer Unlust in einander gepicht wie ein grober Filzhut, seine Nägel hatten eine Gestalt wie Adlersklauen, und sein Angesicht lag so voller mistigem Unflat, daß man dem gemeinen Sprichwort nach gar wol hätte Rübsamen hineinsäen können.

Nachdem er aber die sieben Jahr beinahe überstanden hatte, kam der Geist von sich selbst und deutet ihm an, daß es nunmehr Zeit war, einmal mit ihm abzurechnen und ihn der Gebühr nach auszuzahlen[539]; doch steckte er ihm zuvor seine Hosensäcke voller Ducaten und Pistolen und befahle ihm, sich lustig zu machen und kein Geld zu sparen, sonder zu thun und zu lassen, was seinem Herzen geliebte und dem Geld wehe thät, aber dergestalt, daß er aus den Schranken des getroffenen Accords und seiner bißherigen Gewohnheit nicht scheiden solte, weil seine sieben Jahr noch nicht vollkommen verflossen waren, in denen sie sich zusammen verbunden.

Der Landsknecht gehorsamte. Da ihn aber wegen seiner greulichen Abscheulichkeit niemand aufnehmen wolte, wurde er traurig.

Nachdem er auch von einem Wirth, deren Profession ist, dem Fremden um die Gebühr Kost und Herberg mitzutheilen, abgewiesen wurde, zeigte er ihm aus dem einen Hosensack eine Handvoll Ducaten und aus dem andern eine Handvoll Duplonen und wurde darauf dessen willkommener Gast.

Der Wirth logierte ihn in ein besonder Zimmer, in welchem er ihn auch besonders tractierte, damit andere Gäste ab seiner häßlichen Gestalt kein Abscheuens haben, noch ihm seinetwegen die Herberg in kein bös Geschrei bringen solten.

In demselben mästete sich der Bärnhäuter von des Geistes Gelde aus, biß der Geist einen edlen Herren vom Lande auf der Reis begriffen zu sein wuste, der in selbiger Herberg einkehren würde; da kam er bei Nacht und malet in selbigem Zimmer alle Contrafet nach dem Leben der berühmtisten Personen, so seit Erschaffung der Welt gelebt hatten, als des Kains, Lamechs, Nimrots, Nini, Zoroastris, der Helenä, der trojanischen und griechischen Fürsten, nicht weniger Sestostris, Nabuchodonosoris, Cyri, Alexandri Magni, Julii Cäsaris, Neronis, Caligulä, des Mohamets &c., ja sogar auch deren Bildnus, so noch in die Welt kommen sollen, als der Widerchristen und anderer &c., worüber sich der Wirth nicht unbillich verwunderte; vornehmlich als der Bärnhäuter ausgab[540], er hätte diese Gemälde selbst verfertigt.

Als nun angeregter edle Herr gegen Abend seine Herberg dort nahm und seinen Wirth, der ihm bekant war, fragte: was Neues? erzählte er ihm alles, was er von seinem seltzamen Gast wuste und nicht wuste, als seinen wunderlichen Aufzug, seine große Kunst in der Malerei, und daß er Gelds vollauf hätte.

Der Herr antwortet: »Ich muß diß ohngewöhnlich Wunder morgen auch sehen, sonst werde ich euch, was ihr mir gesagt, schwerlich glauben.«

Wie er des Morgens frühe selber sahe, was er gehört hatte, befande sich zwischen ihm und dem Wirth kein anderer Unterscheid, als daß er die Kunst der Malerei besser als jener verstunde und sich dannenhero auch beides über die kunstreiche Hand und die Arbeit mehrers zu[541] wunderte; dann ihre Perfection war unvergleichlich, und indem er sahe, daß sich viel Contrafet mit denen künstlichen[542] Antiquitäten verglichen, die er allbereit anderwärtlich gesehen, glaubt er, daß die übrige auch denjenigen gleich sahen, deren Bildnus sie repräsentieren, und die er bißher noch nicht gesehen.

Er fragte den Bärnhäuter, ob er solche Arbeit gemacht hätte; derselbe aber fragte hinwiederum: wer sonst?