Der Herr sagte hierauf: »So mustu viel wissen, wann du auch die Gestalten der künftigen Menschen zu entwerfen weist.«
»Allzeit«, antwortet der Bärnhäuter, »weiß ich mehr weder[543] mancher vermeint.«
Der Herr fragte: »Wer bist du?«
Jener antwortet: »Ich bin der Oberst Bärnhäuter, ein Soldat von Fortun[544], und hab mich neulich im Krieg wider den Türken brauchen lassen.«
Weil nun diß ein neuer und noch kein schandlicher Namen war, fragte ihm der Herr auch nicht weiter nach, sonder sagte: »Ich habe drei Töchter von gleicher schöner Gestalt, welche auch ihre Mutter ihrer Aehnlichkeit wegen oft selbst vor einander nicht kennet. Ich wil dich solche sehen lassen; wirst du nun wissen, welches die Aelteste, Mittlere und die Jüngste sei, so wil ich dir eine davon zum Weibe geben, welche du unter ihnen haben wilst; wo nicht, so solst du samt deinem Vermögen mir zum Eigenthum verfallen sein.«
Da der Bärnhäuter dessen zufrieden, nahm ihn der edle Herr mit heim, ihn seine Töchter zu solchem Ende sehen zu lassen.
Der Geist aber erschien ihm wieder und sagte zum Bärnhäuter: »Wisse, dieser Herr pflegt auf solche Fäll die Jüngste in die Mitte und die Aelteste auf der linken, die Mittlere aber auf ihre rechte Seite zu stellen.«
Als er nun auf solchen Unterricht sagen konte, welches die Erst, die Ander und Dritte war, zumalen die Jüngste zum Weib begehrt, schwur der Herr alsobalden, er wolte seine Parole halten, wie es einem ehrlichen Cavalier gebühre, Gott geb was[545] die Mutter darzu sagte, und wie sich sein Kind darzu bequemte; er wolle auch die Hochzeit gleich für sich gehen lassen, ehe ein ander Gewirr[546] drein käme.
Aber der Bärnhäuter wolte nicht, sonder wendet andere Geschäften vor, doch mit Versprechen, bald wieder zu kommen, und da er einen kostbaren Ring, der hierzu gemacht war, von einander geschraubt und ein Theil darvon seiner Braut gegeben hatte, gieng er seines Wegs.