Die Jungfrau Hochzeiterin aber kleidet sich vor Traurigkeit schwarz und wünschte vergeblich, lieber allein zu leben, als sich mit dem abscheulichen Bärnhäuter zu verehlichen. Aber was halfs? Ihr Herr Vatter wolts also haben. Ihre Schwestern gönneten ihr diese Heurath; sie vexierten sie täglich mit ihrem schönen Hochzeiter und erneuerten damit stündlich und täglich die Wunden ihres ohnedas traurigen Herzens, welches sie doch alles durch Geduld überwande.
Der Geist kam hingegen wieder und führte den Bärnhäuter in den Rhein ins Bad; er richtet[547] ihm seine Haar und beschor selbige samt dem garstigen Bart auf die neue Mode und zieret ihn dergestalt auf durch besondern Anstrich, daß er sich[548] dem schönsten Cavalier vergliche.
»Jetzt gehe hin nach N.«, sagte er zu ihm, »und montiere dich wie ein rechter ehrlicher Obrister und lebe wie ein Herr; ich wil meine Schätze aufthun, die ich hierum vergraben habe, und dir Gelds genug hierzu geben.«
Weil nun dem Bärnhäuter kein erwünschterer Befehl hätt kommen können, war er desto gehorsamer.
Er hielte sich mit schönen Pferden, herrlichen Gutschen, köstlichen Kleidern und vielen Dienern in[549] Livree wie ein Großvezier, und da es dem Geist Zeit sein däuchte, stellte er sich wieder ein und sagte zu ihm: »Jetzt fahr hin und vollziehe deinen Heurath«, und damit er desto reicher erscheinen konte, füllete er ihm beide Gutschenkisten voller Gold, welches er ihm beides zur Beschuldigung[550] und zum Heurathsgut mitgab.
Also machte er sich auf die Reis und schickte einen Trompeter voran, seinem künftigen Schwähr neben Vermeldung seines Dienstes und Grußes anzuzeigen, daß ein stattlicher Cavalier auf dem Weg begriffen wäre, ihme zuzusprechen und seinem Frauenzimmer gebührend aufzuwarten, mit einem Wort, eine aus seinen Töchtern zum Gemahl zu begehren, wofern er anderst gelitten werden möchte und keine Ungelegenheit machte.
Als er nun die höfliche Antwort bekam, daß er ein lieber Gast sein würde, ist er mit seiner Suite prächtig eingezogen und wol empfangen, auch zu Bezeugung mehrerer Willfährigkeit oben an die Tafel zwischen die beide älteste Töchter gesetzt worden, welche sich auch ihm zu gefallen, weil ihn jede zu bekommen verhofft, trefflich geschmückt hatten.
Die Jüngste aber behalf sich unten an der Tafel wie ein Turteltäubchen, das seinen Gemahl verloren, sintemal sie als eine Versprochene keine Hoffnung schöpfen dörfte, diesen ansehnlichen Herrn zu bekommen, wessentwegen ihr die Schwestern mit den Augen manchen höhnischen Blick und mit Worten manchen empfindlichen und verächtlichen Stich gaben, welches ihr tief ins Herz geschnitten.
Als nun der Bärnhäuter nach Vorweisung seines vielen Golds das Jawort und unter den Töchtern von Vatter und Mutter die Wahl bekam, zumalen noch jede von den ältesten Schwestern ihn zu bekommen festiglich verhoffte, offenbarte er sich der Jüngsten durch ein Stück des von einander geschraubten Rings, davon er ihr hiebevor ein Theil zugestellt.