[49] columbinen, colombin, couleur gorge de pigeon, taubenhalsfarbig

[50] malzern, malzen, figürlich Ausbeute machen.

[51] Reise, Dienst.


Das sechste Capitel.

Courage kommt durch wunderliche Schickung in die zweite Ehe und freiete einen Hauptmann, mit dem sie trefflich glückselig und vergnügt lebte.

Ich hätte zu Prag feine Gelegenheit gehabt, mein Handwerk ferners zu treiben; aber die Begierde, meine Kostfrau zu sehen und meine Eltern zu erkundigen, triebe mich, auf Bragoditz zu reisen, welches ich als in einem befriedeten[52] Land sicher zu thun getraute. Aber potz Herz, da ich an einem Abend allbereit den Ort vor mir liegen sahe, da kamen eilf Mansfeldische Reuter, die ich, wie sonst jederman gethan hatte, vor kaiserisch und gutfreund ansahe, weil sie mit rothen Scharpen oder Feldzeichen mundirt waren. Diese packten mich an und wanderten mit mir und meinem Calesch dem Böhmerwald zu, als wann sie der Teufel selbst gejagt hätte. Ich schrei[53] zwar, als wann ich an einer Folter gehangen wäre, aber sie machten mich bald schweigen. Um Mitternacht kamen sie in eine Meierei, die einzig vorm Wald lag, allwo sie anfiengen zu füttern und mit mir umzugehen, wie zu geschehen pflegt, welches mir zwar der schlechteste Kummer war, aber es wurde ihnen gesegnet wie dem Hund das Gras; dann indem sie ihre viehische Begierden sättigten, wurden sie von einem Hauptmann, der mit dreißig Dragonern eine Convoy nach Pilsen verrichtet hatte, überfallen und, weil sie durch falsche Feldzeichen ihren Herren verläugnet, alle mit einander niedergemacht. Das Meinige hatten die Mansfeldische noch nicht gepartet[54], und demnach ich kaiserlichen Paß hatte und noch nicht 24 Stund in Feinds Gewalt gewesen, hielte ich dem Hauptmann vor, daß er mich und das Meinige vor keine rechtmäßige Beuten halten und behalten könte. Er muste es selbst bekennen, aber gleichwol, sagte er, wäre ich ihm um meiner Erlösung willen obligiert, er aber nicht zu verdenken, wann er einen solchen Schatz, den er vom Feind erobert, nicht mehr aus Händen zu lassen gedächte; seie ich eine verwittibte Rittmeisterin, wie mein Paß auswiese, so seie er ein verwittibter Hauptmann; wann mein Will darbei wäre, so würde die Beut bald getheilt sein; wo nicht, so werde er mich gleichwol mitnehmen und hernach erst mit einem jedwedern disputirn, ob die Beute rechtmäßig sei oder nicht. Hiermit ließe er genugsam scheinen, daß er allbereit den Narrn an mir gefressen, und damit er das Wasser auf seine Mühl richtete, sagte er, diesen Vortheil wolte er mir lassen, daß ich erwählen möchte, ob er die Beute unter seine ganze Bursch[55] theilen solte, oder ob ich vermittelst der Ehe samt dem Meinigen allein sein verbleiben wolte, auf welchen Fall er seine bei sich habende Leute schon bereden wolte, daß ich mit dem Meinigen keine rechtmäßige Beute, sonder ihme allein durch die Verehelichung zuständig worden wäre. Ich antwortete, wann die Wahl bei mir stünde, so begehrte ich deren keins, sondern meine Bitte wäre, sie wolten mich in meine Gewahrsam passieren lassen. Und damit fienge ich an zu weinen, als wann mirs gründlicher Ernst gewesen wäre, nach den alten Reimen:

Die Weiber weinen oft mit Schmerzen,
Aber es geht ihn nicht von Herzen,
Sie pflegen sich nur so zu stellen;
Sie können weinen, wann sie wöllen.

Aber es war meine Meinung, ihm hierdurch Ursach zu geben, mich zu trösten, sich selbst aber stärker zu verlieben, sintemal mir wol bewust, daß sich die Herzen der Mannsbilder am allermeisten gegen dem weinenden und betrübten Frauenzimmer zu öffnen pflegen. Der Poß gienge mir auch an, und indem er mir zusprach und mich seiner Liebe mit hohem Betheuren versicherte, gab ich ihm das Jawort, doch mit diesem ausdrücklichen Beding und Vorbehalt, daß er mich vor der Copulation im geringsten nicht berühren solte, welches er beides verheißen und gehalten, biß wir in die Mansfeldische Befestigungen zu Weidhausen[56] ankamen, welches eben damals dem Herzogen aus Baiern vom Mannsfelder selbst per Accord übergeben worden. Und demnach meines Serviteurs heftige Liebe wegen unsers Hochzeitfests keinen längern Verzug gedulden mochte, ließe er sich mit mir ehelich zusammen geben, ehe er möchte erfahren, wormit die Courage ihr Geld verdienet, welches kein geringe Summa war. Ich war aber kaum einen Monat bei der Armee gewesen, als sich etliche hohe Officierer fanden, die mich nicht allein zu Wien gekant, sondern auch gute Kundschaft mit mir gehabt hatten. Doch waren sie so bescheiden[57], daß sie weder meine noch ihre Ehr offentlich ausschrien. Es gieng zwar so ein kleines Gemurmel um, darüber ich aber gleich wol keine sonderliche Beschwerung empfand, außer daß ich den Namen Courage wiederum gedulden muste.

Sonst hatte ich einen guten geduldigen Mann, welcher sich eben so hoch über meine gelbe Batzen als wegen meiner Schönheit erfreute. Diese hielte er gesparsamer zusammen, als ich gerne sahe. Gleich wie ich aber solches geduldete, also gab er auch zu, daß ich mit Reden und Geberden gegen jederman desto freigebiger sein dorfte. Wann ihn dann jemands vexierte, daß er mit der Zeit wol Hörner kriegen dörfte, antwortet er auch im Scherz, es seie sein geringstes Anliegen; dann ob ihm gleich einer über sein Weib komme, so lasse ers jedoch bei dem, was ein solcher ausgerichtet, nicht verbleiben, sondern nehme Zeit, dieselbe fremde Arbeit wieder anders zu machen. Er hielte mir jederzeit ein trefflich Pferd, mit schönem Sattel und Zeug montirt. Ich ritte nicht wie andere Officiersfrauen in einem Weibersattel, sondern auf einem Mannssattel, und ob ich gleich überzwergs saße, so führte ich doch Pistolen und einen türkischen Säbel unter dem Schenkel, hatte auch jederzeit einen Stegreif auf der andern Seiten hangen und war im übrigen mit Hosen und einem dünnen taffeten Röcklein darüber also versehen, daß ich all Augenblick schrittling sitzen und einen jungen Reuterskerl präsentirn konte. Gab es dann eine Rencontra gegen dem Feinde, so war mir unmüglich, apart[58] nicht mit zu machen. Ich sagte vielmalen, eine Dame, die sich gegen einem Mann zu Pferd zu wehren nicht wagen dörfte, solte auch kein Plümage[59] wie ein Mann tragen. Und demnach mir es bei etlichen Betteltänzen glückte, daß ich Gefangne kriegte, die sich keine Bärnhäuter zu sein dunken, wurde ich so kühn, wann dergleichen Gefecht angieng, auch einen Carbiner oder, wie mans nennen will, ein Bandelierrohr an die Seite zu hängen und neben dem Troupen auch zweien zu begegnen, und solches desto hartnäckiger, weil ich und mein Pferd vermittelst der Kunst, die ich von vielgedachter meiner Wirthin erlernet, so hart war, daß mich keine Kugel öffnen[60] konte.