So giengs und so stund es damal mit mir; ich machte mehr Beuten als mancher geschworner Soldat, welches auch Manchen und Manche verdroß; aber da fragte ich wenig nach, dann es gab mir Schmalz auf meine Suppen. Die Verträulichkeit meines sonst (gegen meiner Natur zu rechnen) ganz unvermöglichen Manns verursachte, daß ich ihm gleichwol Farb hielte, ob sich gleich Höhere als Hauptleute bei mir anmeldeten, die Stelle seines Leutenants zu vertreten, dann er ließe mir durchaus meinen Willen. Hingegen war ich nichts desto weniger bei den Gesellschaften lustig, in den Conversationen frech, aber auch gegen dem Feind so heroisch als ein Mann, im Feld so häuslich und zusammenhebig[61] als immer ein Weib, in Beobachtung der Pferde besser als ein guter Stallmeister, und in den Quartieren von solcher Prosperität, daß mich mein Hauptmann nicht besser hätte wünschen mögen. Und wann er mir zu Zeiten einzureden Ursach hatte, litte er gerne, daß ich ihm Widerpart hielte und auf meinen Kopf hinaus fuhr, weil sich unser Geld so sehr dardurch vermehrte, daß wir einen guten Particul darvon in eine vornehme Stadt zu verwahren geben musten. Und also lebte ich trefflich glückselig und vergnügt, hätte mir auch meine Tage keinen anderen Handel gewünscht, wann nur mein Mann etwas besser beritten gewest wäre. Aber das Glück oder mein Fatum ließe mich nicht lang in solchem Stand, dann nachdem mir mein Hauptmann bei Wißlach todt geschossen wurde, sihe, so ward ich wiederum in einer kurzen Zeit zu einer Wittib.


Fußnoten:

[52] befriedet, wo Frieden ist.

[53] schrei, schrie (mhd. schrei, part. von schrien).

[54] gepartet, getheilt (von der Beute).

[55] Bursch, Gesellschaft, Haufen.

[56] Weidhausen. Vgl. die Einleitung.

[57] bescheiden, verständig, discret.

[58] apart, abgesondert, allein.