[59] Plümage, Federbusch.
[60] öffnen, in etwas eindringen, verwunden.
[61] zusammenhebig, haushälterisch, wirtschaftlich.
Das siebente Capitel.
Courage schreitet zur dritten Ehe und wird aus einer Hauptmännin eine Leutenantin, triffts aber nicht so wol als vorhero, schlägt sich mit ihrem Leutenant um die Hosen mit Prügeln und gewinnet solche durch ihre tapfere Resolution und Courage; darauf sich ihr Mann unsichtbar macht und sie sitzen läßt.
Mein Mann war kaum kalt und begraben, da hatte ich schon wiederum ein ganz Dutzend Freier und die Wahl darunter, welchen ich aus ihnen nehmen wolte, dann ich war nicht allein schön und jung, sondern hatte auch schöne Pferd und ziemlich viel alt Geld, und ob ich mich gleich vernehmen ließe, daß ich meinem Hauptmann sel. zu Ehren noch ein halb Jahr trauren wolte, so konte ich jedoch die importune Hummeln, die um mich wie um einen fetten Honighafen, der keinen Deckel hat, herum schwärmten, nicht abtreiben. Der Obriste versprach mir bei dem Regiment Unterhalt und Quartier, biß ich mein Gelegenheit anders anstellte; hingegen ließe ich zween von meinen Knechten Herrendienste versehen, und wann es Gelegenheit gab, bei deren ich vor mein Person vom Feind etwas zu erschnappen getraute, so sparte ich meine Haut so wenig als ein Soldat, allermaßen ich in dem anmuthigen und fast lustigen Treffen bei Wimpfen einen Leutenant und im Nachhauen unweit Heilbrunn einen Cornet samt seiner Standart gefangen bekommen. Meine beide Knechte aber haben bei Plünderung der Wägen ziemliche Beuten an baarem Geld gemacht, welche sie unserem Accord gemäß mit mir theilen musten. Nach dieser Schlacht bekam ich mehr Liebhaber als zuvor, und demnach ich bei meinem vorigen Mann mehr gute Täge als gute Nächte gehabt, zumalen wider meinen Willen seit seinem Tod gefastet, sihe, so gedachte ich, durch meine Wahl alle solche Versaumnus wieder einzubringen, und versprach mich einem Leutenant, der meinem Bedunken nach alle seine Mitbuhler beides an Schönheit, Jugend, Verstand und Tapferkeit übertraf. Dieser war von Geburt ein Italianer und zwar schwarz von Haaren, aber weiß von Haut und in meinen Augen so schön, daß ihn kein Maler hätte schöner malen können. Er bewiese gegen mir fast eine Hundsdemuth, biß er mich erlöffelt, und da er das Jawort hinweg hatte, stellte er sich so Freuden voll, als wann Gott die ganze Welt beraubt und ihn allein beseligt hätte. Wir wurden in der Pfalz copuliert und hatten die Ehre, daß der Obriste selbst neben den meisten hohen Officiern des Regiments bei der Hochzeit erschienen, die uns alle vergeblich viel Glück in eine langwürige Ehe wünschten.
Dann nachdem wir nach der ersten Nacht bei Aufgang der Sonnen beisammen lagen, zu faulenzen, und uns mit allerhand liebreichem und freundlichem Gespräch unterhielten, ich auch eben aufzustehen vermeinte, da rufte mein Leutenant seinem Jungen zu sich vors Bette und befahl ihm, daß er zween starke Prügel herbei bringen solte. Er war gehorsam, und ich bildete mir ein, der arme Schelm würde dieselbe am allerersten versuchen müssen, unterließe derowegen nicht, vor den Jungen zu bitten, biß er beide Prügel brachte und auf empfangenen Befelch auf den Tisch zum Nachtzeug legte. Als nun der Jung wieder hinweg war, sagte mein Hochzeiter zu mir: »Ja, Liebste, ihr wißt, daß jederman davor gehalten und geglaubt, ihr hättet bei euers vorigen Manns Lebzeiten die Hosen getragen, welches ihme dann bei ehrlichen Gesellschaften zu nicht geringer Beschimpfung nachgeredet worden. Weil ich dann nicht unbillich zu besorgen habe, ihr möchtet in solcher Gewohnheit verharren und auch die meinige tragen wollen, welches mir aber zu leiden unmüglich oder doch sonst schwer fallen würde, sehet, so liegen sie dorten auf dem Tische und jene zween Prügel zu dem Ende darbei, damit wir beide uns, wann ihr sie etwan wie vor diesem euch zuschreiben und behaupten woltet, zuvor darum schlagen könten; sintemal mein Schatz selbst erachten kan, daß es besser gethan ist, sie fallen gleich jetzt im Anfang dem einen oder andern Theil zu, als wann wir hernach in stehender Ehe täglich darum kriegen.«
Ich antwortete: »Mein Liebster!« — und damit gab ich ihm gar einen herzlichen Kuß — »ich hätte vermeint gehabt, diejenige Schlacht, so wir einander vor dißmal zu liefern, seie allbereit gehalten. So hab ich auch niemalen in Sinn genommen, euere Hosen zu prätendirn; sondern, gleich wie ich wol weiß, daß das Weib nicht aus des Manns Haupt, aber wol aus seiner Seiten genommen worden, also habe ich gehofft, meinem Herzliebsten werde solches auch bekant sein, und er werde derowegen sich meines Herkommens erinnern und mich nicht, als wann ich von seinen Fußsohlen genommen worden wäre, vor sein Fußtuch, sondern vor sein Ehegemahl halten, vornehmlich, wann ich mich auch nicht unterstünde, ihme auf den Kopf zu sitzen, sondern mich an seiner Seiten behülfe, mit demüthiger Bitte, er wolte diese abenteurliche Fechtschul einstellen.«