[124] Ists um diese Zeit, verhält es sich so.

[125] Schmiralia, von schmieren, Bestechungen.


Das siebzehnte Capitel.

Was der Courage vor ein lächerlicher Poß wiederfuhre, und wie sie sich deswegen wieder rächete.

Schaue, mein Simplice, also war ich bereits deines Cameraden Springinsfelds Matresse und Lehrmeisterin, da du vielleicht deinem Knan noch der Schwein hütetest und ehe du geschickt genug warest, anderer Leute Narr zu sein, und hast dir doch einbilden dörfen, du habest mich im Saurbrunnen betrogen. Nach der ersten Mantuanischen Belägerung bekamen wir unser Winterquartier in einem lustigen Städtlein, allwo es bei mir anfieng ziemlich Kundenarbeit zu geben. Da vergieng kein Gasterei oder Schmaus, dabei sich nicht die Courage fand, und wo sie sich einstellete, da galten die italiänische Putani[126] wol nichts, dann bei den Italiänern war ich Wildbret und etwas Fremds, bei den Teutschen konte ich die Sprach, und gegen beiden Nationen war ich viel zu freundlich, darneben noch trefflich schön; so war ich auch nicht so gar hoffärtig und theuer, und hatte sich niemands keines Betrugs von mir zu besorgen, von dem aber die Italiänerinnen dichte voll staken. Solche meine Beschaffenheiten verursachten, daß ich den welschen Huren viel gute Kerl abspannete, die jene verließen und mich hingegen besuchten, welches bei ihnen kein gut Geblüt gegen mir setzte. Einsmals lude mich ein vornehmer Herr zum Nachtessen, der zuvor die berühmteste Putana bedient, sie aber auch meinetwegen verlassen hatte. Solches Fleisch gedachte mir jene wiederum zu entziehen und brachte mir derowegen wiederum durch eine Kürschnerin bei demselben Nachtimbiß etwas bei, davon sich mein Bauch blähete, als ob er hätte zerspringen wollen; ja die Leibsdünste drängten mich dergestalt, daß sie endlich den Ausgang mit Gewalt öffneten und eine solche liebliche Stimm über Tafel hören ließen, daß ich mich deren schämen muste. Und sobald sie die Thür einmal gefunden, passierten sie mit einer solchen Ungestüm nach einander heraus, daß es daher donnerte, als ob etliche Regimenter eine Salve geben hätten. Als ich nun dessentwegen vom Tisch aufstunde, um hinweg zu laufen, gieng es bei solcher Leibsbewegung allererst rechtschaffen an. Alle Tritt entwischte mir aufs wenigst einer oder zehen, wiewol sie so geschwind auf einander folgten, daß sie niemand zählen konte. Und ich glaube, wann ich sie alle wol anlegen oder der Gebühr nach fein ordentlich austheilen können, daß ich zwo ganzer geschlagener Glockenstund trutz dem besten Tambour den Zapfenstreich darmit hätte verrichten mögen. Es währete aber ungefähr nur eine halbe Stund, in welcher Zeit beides Gäst und Aufwarter mehr Qual von dem Lachen, als ich von dem continuirlichen Trompeten erlitten.

Diesen Possen rechnete ich mir vor einen großen Schimpf und wolte vor Scham und Unmuth ausreißen; eben also thät auch mein Gastherr, als der mich zu etwas anders, als diese schöne Music zu halten, zu sich kommen lassen, hoch und theuer schwerend, daß er diesen Affront rächen wolte, wann er nur erfahren könte, durch was vor Pfefferkörner- und Ameiseneier-Köch[127] diese Harmonia angestimmt worden wäre. Weil ich aber daran zweifelt, ob nicht er vielleicht selbst den ganzen Handel angestellt, sihe, so saße ich dort zu protzen, als wann ich mit den blitzenden Strahlen meiner zornigen Augen alles hätte tödten wollen, biß ich endlich von einem Beisitzenden erfuhr, daß obengedachte Kürschnerin damit umgehen könte, und weil er sie unten im Hause gesehen, müste er gedenken, daß sie irgends von einer eifersüchtigen Damen gedinget worden, mich einem oder andern Cavalier durch diesen Possen zu verleiden; maßen man von ihr wüste, daß sie eben dergleichen einem reichen Kaufherrn gethan, der durch eine solche Music seiner Liebsten Gunst verloren, weil er sie in ihrer und ander ehrlichen Leute Gegenwart hören lassen. Darauf gab ich mich zufrieden und bedachte mich auf eine schleunige Rach, die ich aber weder offentlich noch grausam ins Werk setzen dorfte, weil wir in den Quartiern (ohnangesehen wir das Land dem Feind abgenommen) gute Ordre halten musten.

Demnach ich nun die Wahrheit erfahren, daß es nämlich nit anders hergangen, als wie obengedachter Tischgenoß geargwohnet, als erkundigt ich derjenigen Damen, die mir den Possen hatt zugerichtet, Handel und Wandel, Thun und Lassen auf das genaueste, als ich immer konte. Und als mir ein Fenster gewiesen wurde, daraus sie bei Nacht denen, so zu ihr wolten, Audienz zu geben pflegte, offenbart ich meinen auf sie habenden Grollen zweien Officiern; die musten mir, wolten sie anders meiner noch fürderhin genießen, die Rach zu vollziehen versprechen, und zwar auf solche und kein andere Weis, als wie ich ihnen vorschriebe; dann mich däuchte, es wäre billich, weil sie mich nur mit dem Dunst vexirt, daß ich sie mit nichts anders als mit dem Dreck selbst belohnen solte. Und solches geschahe folgender Gestalt. Ich ließe eine rinderne Blasen mit dem ärgsten Unrath füllen, der in den untersichgehenden Caminen durch M. Asmussen[128], deren Säuberern, zu finden. Solche ward an eine Stange oder Schwinggerten, damit man die Nüß herunter schlägt oder die Rauchcamin zu säubern pflegt, angebunden und von dem einen bei finsterer Nacht, als der ander mit der Putanen leffelte, welche oben an ihrem gewöhnlichen Audienzfenster lag, ihr mit solcher Gewalt in das Angesicht geschlagen, daß die Blase zersprang und ihr der Speck beides Nasen, Augen, Maul und ihren Busen samt allen Zierden und Kleinodien besudelte, nach welchem Streich sowol der Leffler als Executor darvon liefen und die Hur am Fenster lamentiren ließen, so lang sie wolte. Die Kürschnerin bezahlte ich also. Ihr Mann war gewohnet, alle Haar, und solten sie auch von den Katzen gewesen sein, so genau zusammen zu halten, als wann er sie von dem güldenen Widderfell aus der Insul Colchis abgeschoren hätte, so gar daß er auch kein Abschrötlin von dem Pelzflecklin hinwarf oder in die Dung kommen ließe, es wäre gleich vom Biber, Hasen oder dem Lamm gewesen, er hätte solches dann zuvor seiner Haar oder Woll blutt[129] hinweg beraubt gehabt. Und wann er dann so ein paar Pfund beisammen hatte, gab ihm der Hutmacher Geld darum, welches ihm auch etwas zu bröslen[130] ins Haus verschaffte; und wann es gleich langsam und gering kam, so kam es doch wol zu seiner Zeit. Solches wurde ich von einem andern Kürschner innen, der mir denselben Winter einen Pelz fütterte. Derowegen bekam ich von dergleichen Woll und Haaren so viel, als genug war, und macht eitel Schermesser[131] daraus. Als solche fertig oder, besser zu erläutern, als mit ihrer Materi wie der Quacksalber ihre Büchslin versehen oder besalbet waren, ließe ich sie einem von meinen Jungen dem Kürschner unten um sein Secret herum streuen, als welches ziemlich weit hinaus offen stunde. Da nun der erbsenzählerische Haushalter diese Klumpen Haar und Woll sonder[132] liegen sahe und sie vor die seinige hielte, konte er sich nicht anderst einbilden, als sein Weib muste sie dergestalt verunehrt und zu Schanden gemacht haben, fienge derowegen an mit ihr zu kollern, gleichsam als wann sie allbereit Mantua und Casal verwahrloset und verloren hätte, und weil sie ja so beständig als eine Hex leugnete und noch darzu trutzige Wort gab, schlug er sie so lederweich, als gelind er sonst anderer wilder und bissiger Thieren Felle bereiten konte, der heimischen Katzenbälg zu geschweigen, welches mich so wol contentirte, daß ich keinen Dutzend Kronen darvor genommen haben wolte.

Nun war der Apotheker noch übrig, der meines Vermuthens das Recept verfertigt hatte, dardurch ich aus der Niedere ein so variable Stimme erheben müssen; dann er hielte Singvögel, die solche Sachen zur Speise genossen, so die Würkungen haben sollen, einen Lärmen zu erregen, wie ich allererst einen erzählet. Weil er aber bei hohen und niedern Officiern wol dran war, zumaln wir ihn täglich bei unseren Kranken, die den italiänischen Luft nicht wol vertragen konten, brauchen musten, ich auch selbst zu sorgen, ich möchte ihm etwan heut oder morgen in die Kur kommen, als dorfte ich mich nicht kecklich an ihn reiben; gleichwol wolte und konte ich so viel Luftkerls, die zwar vorlängst wieder in der Luft zerstoben waren, ohngerochen nicht verdauen, obwol sie auch andere riechen musten, da gleichwol sie selbst schon verdauet waren. Er hatte einen kleinen gewölbten Nebenkeller unter seinem Hause, darin er allerhand Waar enthielte[133], die zu ihrer Aufenthaltung[134] einen solchen Ort erforderten; dahinein richtete ich das Wasser aus dem Röhrbrunnen, der auf dem Platz zunächst dabei stunde, durch einen langen Ochsendarm, den ich am Brunnenröhrn anbande, mit dem andern Ende aber zum Kellerloch hinein henken und also das Brunnenwasser die ganze lange Winternacht so ordentlich hineinlaufen ließe, daß der Keller am Morgen geschwappelt voll Wasser war. Da schwammen etliche Fäßlein Malvasier, spanischer Wein und was sonst leicht war; was aber nit schwimmen konte, lag mannstief unter dem Wasser, zu verderben. Und demnach ich den Darm vor Tags wieder hinweg nehmen ließe, vermeinte jederman des Morgens, es wäre entweder im Keller eine Quell entsprungen, oder dieser Posse seie dem Apotheker durch Zauberei zugerichtet worden. Ich aber wuste es zum besten, und weil ich alles so wol ausgerichtet, lachte ich in die Fäuste, als der Apotheker um seine verderbte Materialia lamentirte. Und damals war mirs gesund, daß der Name Courage bei mir so tief eingewurzelt gewesen, dann sonst hätten mich die unnütze Bursch ohne Zweifel die Generalfarzerin genant, weil ichs besser als andere gekönt.