[143] Sabud Salomonis. Sabud, der Sohn Nathan's, des Priesters, war des Königs Freund. 1 Könige 4, 5.

[144] Die Gesammtausgabe hat »abbantage«; Courage will sagen Avantage, Vortheil.

[145] flamen, es ist wol gemeint: geistiger Hauch, geistiges Wesen.

[146] raumen, aufräumen, ebnen, Hindernisse aus dem Wege schaffen.


Das neunzehnte Capitel.

Was Springinsfeld vor einen Lehrmeister gehabt, biß er zu seiner Perfection kommen.

Und noch ein anders must du auch wissen, Simplice. Nicht nur ich gieng den obenerzählten Weg; sondern auch mein Springinsfeld, den du allerdings vor deinen besten Cameraden und vor einen braven Kerl in deiner Lebensbeschreibung gerühmt hast, muste mir auch folgen. Und was wolts gehindert haben oder vor ein großes Meerwunder gewesen sein, sintemal andere meines gleichen lose Weiber ihre liederliche Männer (wann ich anders Männer sagen darf, ich hätte aber schier fromme Männer gesagt) eben zu dergleichen losen Stücken vermögen, ich will nicht sagen, zwingen, ob sie gleich bei ihrer Vermählung keinen solchen Accord eingangen, wie Springinsfeld gethan? Höre die Histori!

Als wir vor dem berühmten Casal lagen, fuhren ich und Springinsfeld in eine benachbarte Grenzstadt, die neutral war, Victualia einzukaufen und in unser Läger zu bringen. Gleichwie nun aber ich in dergleichen Fällen nicht allein ausgieng, als ein Nachkömmling der hierosolymitanischen Bürger zu schachern, sondern auch, als ein cyprianische Jungfrau[147] meinen Gewinn zu suchen, also hatte ich mich auch wie eine Jesebel herausgeputzt, und galte mir gleich, ob ich einen Ahab oder Jehu[148] verführen möchte. Zu solchem Ende gieng ich in eine Kirche, weil ich mir sagen lassen, die meiste Buhlschaften würden in Italia an solchen heiligen Oertern gestiftet und zu Faden geschlagen[149], aus Ursach, daß man die schöne Weiber daselbsten, so liebeswürdig zu sein scheinen, sonst nirgends hinkommen lasse. Ich kam neben eine junge Dame zu stehen, mit deren Schönheit und Schmuck ich zugleich eiferte[150], weil mich derjenige nicht ansahe, der ihr so manchen liebreichen Blick schenkte. Ich gestehe es, daß mich im Herzen verdroß, daß sie mir vorgezogen und ich vor einem Leimstängler gegen ihr, wie ich mir einbildete, verachtet werden solte. Solcher Verdruß und daß ich mich zugleich auf eine Rache bedacht, war meine gröste Andacht unter dem ganzen Gottesdienst. Ehe nun solcher gar geendigt war, stellte sich mein Springinsfeld auch ein; ich weiß aber darum nit warum, kan auch schwerlich glauben, daß ihn die Gottesfurcht dahin getrieben, dann ich hatte ihn nicht darzu gewöhnet; so wars ihm auch weder angeborn noch aus Lesung der heiligen Schriften oder Hörung der Predigten eingepflanzt. Nichts destoweniger stellte er sich neben mich und kriegte den Befehl von mir in ein Ohr, daß er Achtung geben solte, wo gemeldte Dame ihre Wohnung hätte, damit ich des überaus schönen Smaragds, den sie am Hals hatte, habhaft werden möchte.

Er thät seinem schuldigen Gehorsam gemäß wie ein treuer Diener und hinterbrachte mir, daß sie eine vornehme Frau eines reichen Herrn wäre, der sein Palatium an dem Markt stehen hätte; ich hingegen sagte ihm ausdrücklich, daß er fürderhin weder meiner Huld länger genießen noch meinen Leib einigmal mehr berühren solte, es wäre dann Sach, daß er mir zuvor ihren Smaragd einhändigte, worzu ich ihm aber sichere Anschläg, Mittel und Gelegenheit an die Hand geben wolte. Er kratzte sich zwar hinter den Ohren und entsetzte sich vor meinem Zumuthen als wie vor einer unmüglichen Sach; aber da es lang herum gieng[151], erklärt er sich, meinetwegen in Tod zu gehen.