Solcher Gestalt, Simplice, hab ich deinen Springinsfeld gleichsam wie einen jungen Wachtelhund abgerichtet. Er hatte auch die Art darzu, und vielleicht besser als du, wäre aber nimmermehr von ihm selbsten zu einem solchen Ausbund worden, wenn ich ihn nicht in meiner Schul gehabt hätte.

Eben damals muste ich mir wieder einen neuen Stiel in meinen Fausthammer machen lassen, welchen ich beides vor ein Gewehr und einen Schlüssel brauchte, der Bauren Trög oder Kästen zu öffnen, wo ich zukommen konte. Ich ließe denselben Stiel inwendig hohl drehen in gemessener Weite, daß ich entweder Ducaten oder eine Schiedmünz in selbiger Größe hinein packen möchte; dann weil ich selbigen Hammer jederzeit bei mir zu haben pflegte, indem ich weder ein Degen dorfte, oder ein Paar Pistolen mehr führen wolte, so gedachte ich ihn inwendig mit Ducaten zu spicken, die ich auf alle Glücks- oder Unglücksfäll, deren es unterschiedliche im Krieg abgibt, bei der Hand hätte. Da er fertig, probierte ich seine Weite mit etlichen Lutzern[152], die ich zu mir genommen, solche um ander Geld zu veralieniren. Die Hohle meines Stabs hatte eben die Weite ihres Bezirks[153], doch also eng und beschnitten, daß ich sie, die Lutzer, um etwas hinein nöthigen muste, doch bei weitem nicht so stark, als wann man eine halbe Carthaunen laden thut. Ich konte aber den Stiel nicht damit ausfüllen, weil ihrer zu wenig waren; dahero kams gar artlich, daß wann die Lutzer gegen dem Hammer lagen und ich das Eisen in der Hand hatte, mich des Stiels an Statt eines Steckens zu gebrauchen, daß zuweilen, wann ich mich darauf steuerte[154], etlich Lutzer herunter gegen der Handhaben klunkerten und ein dünsteres[155] Geklingel machten, welches seltzam und verwunderlich genug lautet, weil niemand wuste, woher das Getön rührete. Was darfs vieler weitläuftigen Beschreibung? Ich gab meinem Springinsfeld den Fausthammer mit einer richtigen Instruction, welcher Gestalt er mir den Smaragd damit erhandeln solte.

Darauf verkleidet sich mein Springinsfeld, setzt eine Parücke auf, wickelt sich in einen entlehnten schwarzen Mantel und thät zween ganzer Tag nicht anders, als daß er gegen der Damen Palatio hinüber stunde und das Haus vom Fundament an biß übers Dach hinaus beschauete, gleichsam als ob ers hätte kaufen wollen. So hatte ich auch einen Tambour im Taglohn bestellt, welcher ein solcher Erzessig war, mit dem man andere Essig hätte sauer machen können, der dorfte auch sonst im geringsten nichts thun, als auf dem Platz herum vagiren und auf meinen Springinsfeld Achtung zu geben, wann er etwan seiner nothwendig bedörfte, dann der Vogel redete so gut italiänisch als teutsch, welches aber jener nicht konte. Ich selbsten aber hatte ein Wasser (hier ohnnöthig zu nennen) durch einen Alchimisten zuwegen gebracht, das in wenig Stunden alle Metalla durchfrißt und mürb macht oder wol gar auch zu Wasser resolvirt; mit demselben bestrich ich ein stark Gegitter vor einem Kellerloch. Als nun den dritten Tag Springinsfeld noch nicht abließe, das Haus anzugaffen wie die Katz ein neu Scheuerthor, sihe, da schickte angeregte Dame hin und ließe fragen um die Ursach seines continuirlichen Dastehens, und was er an ihrem Haus auszukundschaften hätte. Springinsfeld hingegen ließe bemeldten Tambour kommen und dolmetschen, daß ein solcher Schatz im Hause verborgen läge, den er nicht allein zu erheben, sondern auch eine ganze Stadt damit reich zu machen getrauete. Hierauf ließe die Dame beides den Springinsfeld und den Tambour zu sich ins Haus kommen, und nachdem sie wieder von dem verborgenen Schatz Springinsfelds Lügen angehört und große Begierden geschöpft, solchen zu holen, fragte sie den Tambour, was dieser vor einer wäre, ob er ein Soldat sei, und dergleichen. »Nein«, antwortet der Tausendschelm, »er ist ein halber Schwarzkünstler, wie man sagt, und hält sich nur zu dem Ende bei der Armee auf, damit er verborgene Sachen finde, hat auch, wie ich gehöret, in Teutschland auf alten Schlössern ganze eiserne Trög und Kästen voll Geld gefunden und zuwegen gebracht.« Im übrigen aber seie er, Springinsfeld, ihme, Tambour, gar nicht bekant.

In Summa nach langem Discurs wurde die Glock gegossen[156] und beschlossen, daß Springinsfeld den Schatz suchen solte. Er begehrte zwei geweihte Wachsliechter, er selbst aber zündete das dritte an, welches er bei sich hatte und vermittelst eines messenen[157] Drahts, der durch die Kerze gieng, ausleschen konte, wann er wolte. Mit diesen dreien Liechtern giengen die Dame, zween ihrer Diener, Springinsfeld und der Tambour im Haus herum zu leuchten, weil eben der Herr nicht zu Haus war, dann Springinsfeld hatte sie überredet, wo der Schatz läge, da würde seine Kerzen von sich selbst ausgehen. Da sie nun viel Winkel also processionsweis durchstrichen und Springinsfeld an allen Orten, da sie hingeleuchtet, wunderbarliche Wörter gebrummelt, kamen sie endlich in den Keller, alwo ich das eiserne Gegitter mit meinem A. R.[158] befeuchtet hatte. Da stunde Springinsfeld vor einer Mauer, und indem er seine gewöhnliche Ceremonien machte, zuckte er sein Liecht aus.

»Da, da«, ließe er durch den Tambour sagen, »liegt der Schatz eingemauret.«

Brummelte darauf noch etliche närrische Wörter und schlug etlichmal mit meinem Fausthammer an die Mauer, davon die Lutzer nach und nach, so manchen Streich er an die Mauer thät, herunter rollten und ihr gewöhnliches Getön machten.

»Höret ihr?« sagte er darauf, »der Schatz hat abermal verblühet[159], welches alle sieben Jahr einmal geschiehet. Er ist zeitig und muß ausgenommen werden, dieweil die Sonne noch im Igel gehet, sonst wirds künftig vor Verfließung anderer sieben Jahr umsonst sein.«

Weil nun die Dame und ihre beide Diener tausend Eid geschworen hätten, das Geklingel wäre in der Mauer gewesen, als stellten sie meinem Springinsfeld völligen Glauben zu, und die Dame begehrte an ihn, er wolte um die Gebühr den Schatz erheben, wolte auch gleich um ein Gewisses mit ihm accordirn. Als er sich aber hören ließe, er pflege in dergleichen Fällen nichts zu heischen noch zu nehmen, als was man ihm mit gutem Willen gebe, ließe es die Dame auch dabei bewenden mit Versicherung, daß sie ihn dergestalt contentirn wolte, daß er damit zufrieden sein würde.

Demnach begehrte er 17 erlesene Körner Weihrauch, vier geweihte Wachskerzen, acht Ellen vom besten Scharlach, einen Diamant, einen Smaragd, einen Rubin und einen Saphir, welche Kleinodien ein Weibsbild beides in ihrem jungfräulichen und fräulichen Stand am Halse getragen hätte; zweitens solte er alleinig in den Keller geschlossen oder versperrt, und von der Damen selbst der Schlüssel zur Hand genommen werden, damit sie so wol um ihre Edelgestein und den Scharlach versichert sein, als auch er, bis er den Schatz glücklich zur Hand gebracht, unverhindert und ohnbeschrien verbleiben möchte. Hierauf gab man ihm und dem Tambour eine Collation und ihme, Tambour, wegen seines Dolmetschens ein Trinkgeld. Indessen wurden die begehrte Zugehörungen herbeigeschafft, nach solchen Springinsfeld in Keller verschlossen, woraus unmüglich schiene, einen Kerl zu entrinnen[160], dann das Fenster oder Tagelicht, so auf die Gasse oder den Platz gieng, war hoch und noch darzu mit gedachtem eisernen Gegitter wohl verwahret. Der Dolmetsch aber ward fortgelassen, welcher gleich zu mir kam und mich allen Verlauf berichtete.

Weder ich noch Springinsfeld verschliefen die rechte Zeit, darin die Leute am härtesten zu schlafen pflegen, sondern nachdem ich das Gegitter so leicht als einen Rübschnitz hinweg gebrochen, ließe ich ein Seil hinunter zu meinem Springinsfeld in Keller und zoge ihn daran samt aller Zugehör zu mir herauf, da ich dann auch den verlangten schönen Smaragd fande.