Courage wird eine Musquetiererin, schachert darbei mit Tabak und Branntewein. Ihr Mann wird verschicket, welcher unterwegs einen todten Soldaten antrifft, den er ausziehet und, weil die Hosen nicht herunter wolten, ihm die Schenkel abhaut, alles zusammen packet und bei einem Bauren einkehret, die Schenkel zu Nachts hinterlässet und reißaus nimmt; darauf sich ein recht lächerlicher Poß zuträgt.
Damals lagen weit herum keine kaiserliche Völker oder Armeen, zu welchen ich mich wieder zu begeben im Sinn hatte. Weil mirs dann nun an solchen mangelte, so gedachte ich mich zu den Weimarischen oder Hessen zu machen, welche damal im Kintzger Thal[193] und der Orten herum sich befanden, um zu sehen, ob ich etwan wieder einen Soldaten zum Mann bekommen könte. Aber ach! die erste Blüte meiner ohnvergleichlichen Schönheit war fort und wie eine Frühlingsblum verwelket, wie mich dann auch mein neulicher Unfall und daraus entstandene Bekümmernus nicht wenig verstellet. So war auch mein Reichthum hin, der oft die alte Weiber wieder an Männer bringet. Ich verkaufte von meinen Kleidern und Geschmuck, so mir noch gelassen worden, was Geld golte, und brachte etwan zweihundert Gulden zuwegen; mit denen machte ich mich samt einem Boten auf den Weg, um mein Glück zu suchen, wo ichs finden möchte. Ich trafe aber nichts als Unglück an, dann ehe ich Schiltach[194] erlangte, kriegte uns eine weimarische Partei Musquetierer, welche den Boten abprügelten, plünderten und wieder von sich jagten, mich aber mit sich in ihr Quartier schleppeten. Ich gab mich vor ein kaiserliches Soldatenweib aus, deren Mann vor Freiburg im Breisgau todt blieben wäre, und überredet die Kerl, daß ich in meines Mannes Heimath gewesen, nunmehr aber Willens sei, mich ins Elsaß nach Haus zu begeben. Ich war, wie obgedacht, bei weitem nicht mehr so schön als vor diesem, gleichwol aber doch noch von solcher Beschaffenheit, die einen Musquetierer aus der Partei so verliebt machte, daß er meiner zum Weib begehrte. Was wolte oder solte ich thun? Ich wolte lieber diesem Einzigen mit gutem Willen gönnen, als von der ganzen Partei mit Gewalt zu demjenigen gezwungen werden, was dieser aus Lieb suchte. In Summa, ich wurde eine Frau Musquetiererin, ehe mich der Caplan copulirte. Ich hatte im Sinn, wieder wie zu Springinsfeld's Zeiten eine Marquetenterin abzugeben, aber mein Beutel befand sich viel zu leicht, solches ins Werk zu setzen. So mangelte mir auch meine böhmische Mutter, und überdas bedunkte mich, mein Mann wäre viel zu schlecht und liederlich zu solchen Handel. Doch fienge ich an, mit Tabak und Branntewein zu schachern, gleichsam als ob ich wieder halbbatzenweis hätte gewinnen wollen, was ich kürzlich bei Tausenden verloren. Es kam mich blutsauer an, so zu Fuß daher zu marschieren und noch darzu einen schweren Pack zu tragen, neben dem, daß es auch zu Zeiten schmal Essen und Trinken setzte, welches unangenehmlichen Dings ich mein Lebtag nicht versucht, viel weniger gewohnet hatte. Zuletzt brachte ich einen trefflichen Maulesel zuwegen, der nicht allein schwer tragen, sondern auch schneller laufen konte als manch gutes Pferd. Gleich wie ich nun dergestalt zween Esel zusammen brachte, also verpflegte ich sie auch besten Fleißes, damit ein jeder seine Dienste desto besser versehen könte. Solcher Gestalt nun, weil ich und meine Bagage getragen wurde, konte ich mich auch um etwas besser patientirn, und verzögerte[195] also mein Leben, biß uns der von Mercy, in Anfang des Maien, bei Herbsthausen[196] treffliche Stöße gab. Ehe ich aber fortfahre, solchen meinen Lebenslauf weiters hinaus zu erzählen, so will ich dem Leser zuvor ein artliches Stückel eröffnen, das mein damaliger Mann wider seinen Willen ins Werk setzte, als wir noch im Kintzger Thal lagen.
Er gieng ein[197], auf seiner Officier Zumuthen und mein Gutbefindung, sich in alte Lumpen zu verkleiden und mit einer Axt auf der Achsel, in Gestalt eines armen exulirenden Zimmermanns, einige Brief an Ort und Ende zu tragen, dahin sonst niemand zu schicken wegen der kaiserlichen Parteien, welcher wegen es unsicher war. Solche Briefe betrafen die Conjunction etlicher Völker und andere Kriegsanschläg. Es ware damals von grimmiger Kälte gleichsam Stein und Bein zusammen gefroren, so daß mich das arme Schaf auf seiner Reise schier gedauret hätte. Doch muste es sein, weil ein ziemlich Stück Geld zu verdienen war, und er verrichtet auch alles sehr glücklich. Unterwegs aber fande er einen todten Körper in seinen Abwegen, die er der Enden wol wuste, welcher ohne Zweifel eines Officiers gewesen sein muß, weil er ein Paar rother scharlachener Hosen mit silbern Galaunen[198] verbrämt anhatte, welcherlei Gattung damal die Officier zu tragen pflegten; so war sein Köller samt Stiefeln und Sporen auch den Hosen gemäß. Er besahe den Fund und konte nicht ersinnen, ob der Kerl erfroren oder von den Schwarzwäldern todtgeschlagen worden wäre. Doch galte es ihm gleich, welches Tods er gestorben; das Koller gefiele ihm so wol, daß ers ihm auszog, und da er dasselbige hatte, gelüstet ihn auch nach den Hosen, welche zu bekommen er zuvor die Stiefel abziehen muste. Solches glückte ihm auch; als er aber die Hosen herab streifte, wolten solche nicht hotten[199], weil die Feuchtigkeit des allbereit verwesenden Körpers sich unter den Knien herum, allwo man dazumal die Hosenbändel zu binden pflegte, sich beides in das Futter und den Ueberzug gesetzt hatte und dannenhero Schenkel und Hosen wie ein Stein zusammen gefroren waren. Er hingegen wolte diese Hosen nicht dahinten lassen, und weil der Tropf sonst kein ander Mittel in der Eil sahe, eins vom andern zu ledigen, hiebe er dem Corpo mit seiner Axt die Füße ab, packte solche samt Hosen und Koller zusammen, und fande mit seinem Bündel bei einem Bauern ein solche Gnad, daß er bei ihme hintern warmen Stubenofen übernachten dorfte.
Dieselbe Nacht kälbert dem Bauern zu allem Unglück eine Kuhe, welches Kalb seine Magd wegen der großen Kälte in die Stuben trug und zunächst bei meinem Mann auf eine halbe Well Stroh zum Stubenofen setzte. Indessen war es gegen Tag, und meines Manns eroberte Hosen allbereit von den Schenkeln aufgethauet; derowegen zog er seine Lumpen zum Theil aus und hingegen das Köller und die Hosen, die er umkehrte oder letz[200] machte, an, ließe sein altes Gelümp samt den Schenkeln beim Kalb liegen, stiege zum Fenster hinaus und kam wieder glücklich in unser Quartier.
Des Morgens frühe kam die Magd wiederum, dem Kalb Rath zu schaffen. Als sie aber die beide Schenkel samt meines Mannes alten Lumpen und Schurzfell darbei liegen sahe und meinen Mann nicht fande, fienge sie an zu schreien, als wann sie mitten unter die Mörder gefallen wäre. Sie liefe zur Stuben hinaus und schlug die Thür hinter ihr zu, als wann sie der Teufel gejagt hätte, von welchem Lärmen dann nicht allein der Bauer, sondern auch die ganze Nachbarschaft erwachte und sich einbildete, es wären Krieger vorhanden, wessenwegen ein Theil ausrisse, das ander aber sich in die Wehr schickte. Der Bauer selbst vernahm von der Magd, welche vor Forcht und Schrecken zitterte, die Ursach ihres Geschreis, daß nämlich das Kalb den armen Zimmermann, den sie über Nacht geherbergt, biß auf die Füße gefressen und ein solches gräßliches Gesicht gegen ihr gemacht hätte, daß sie glaube, wann sie sich nicht aus dem Staub gemacht, daß es auch an sie gesprungen wäre. Der Bauer wolte das Kalb mit seinem Knebelspieß[201] niedermachen, aber sein Weib wolte ihn in solche Gefahr nicht wagen noch in die Stub lassen, sondern vermittelte, daß er den Schultheißen um Hülf ansuchte. Der ließe alsobald der Gemein zusammen läuten, um das Haus gesamter Hand zu stürmen und diesen gemeinen Feind des menschlichen Geschlechts, ehe er gar zu einer Kuhe aufwüchse, bei Zeiten auszureuten[202]. Da sahe man nun ein artliches Spectakel, wie die Bäurin ihre Kinder und den Hausrath zum Kammerladen nacheinander heraus langte, hingegen die Bauren zu den Stubenfenstern hinein guckten und den schröcklichen Wurm samt bei sich liegenden Schenkeln anschaueten, welches ihnen genugsame Zeugnüs einer großen Grausamkeit einbildete. Der Schultheiß gebote, das Haus zu stürmen und dieses greuliche Wunderthier niederzumachen; aber es schonete ein jeder seine Haut. Jeder sagte: was hat mein Weib und Kind darvon, wann ich umkäme?
Endlich wurde auf eines alten Bauren Rath beschlossen, daß man das Haus mitsamt dem Kalb, dessen Mutter vielleicht von einem Lindwurm oder Drachen besprungen worden, hinweg brennen und dem Bauern selbst aus gemeinem Seckel eine Ergötzung und Hülfe thun solte, ein anders zu bauen. Solches wurde fröhlich ins Werk gesetzet, dann sie sich damit trösteten, sie müsten gedenken, es hätten solches die Diebskrieger hinweg gebrant.
Diese Geschichte machte mich glauben, mein Mann würde trefflich Glück zu dergleichen Stücken haben, weil ihm dieses ungefähr begegnet. Ich gedachte: was würde er erst ins Werk setzen, wann ich ihn wie hiebevor den Springinsfeld abrichte!
Aber der Tropf war viel zu eselhaftig und hundsklinkerisch[203] darzu; überdas ist er mir auch bald hernach in dem Treffen vor Herbsthausen todt geblieben, weil er keinen solchen Scherz verstehen konte.