[243] sich betragen, sich behelfen.
[244] freurt, friert (mhd. vriust).
[245] ungeheißen (unaufgefordert), dreist, frech.
Das dritte Capitel.
Ein lächerlicher Poß, der einem Zechbruder widerfahren.
Ich muste mich verwundern und freuete mich, daß ich derjenigen unversehenen Zusammenkunft beiwohnen solte, von welchen ich in Simplicissimi Lebensbeschreibung so viel seltzams Dings gelesen, und von denen ich aus Anstalt der Courage selbst dergleichen geschrieben. Als sich ihre Wortwechslung geendigt und Simplicius ein Glas voll Wein heraus gehoben, das er dem Springinsfeld zum Willkomm zugetrunken hatte, da kam noch ein Gast herein, welchen ich der Kleidung und Jugend nach vor meines gleichen, das ist vor einen Schreiberknecht hielte. Er stellete sich an eben den Ort zum Stubenofen, wo ich zuvor und nach mir auch Springinsfeld gestanden, gleichsam als wann alle ankommende Gäste zuvor dorthin hätten stehen müssen, ehe sie sich hätten niedersetzen dörfen; und gleich hernach folgte ein überrheinischer Baur, der ohn Zweifel ein Rebmann[246] war; dieser ruckte vor jenem die Kappe und sagte: »Herr Schaffner, ich bitte, ihr wollet mir einen Reichsthaler geben, damit ich mein Kärst[247] aus der Schmieden lösen möge, alwo ich sie hab gerben[248] lassen.«
»Ach was zum Schinder ist das?« antwortet jener; »was machstu mit der Gerst in der Schmieden? Ich hab vermeinet, man gerbe sie in der Mühlen.«
»Meine Kärst! meine Kärst!« sagte der Baur.
»Ich hörs wol«, antwortet der Schaffner; »vermeinestu dann, ich sei taub? Mich wundert nur, was du damit in der Schmieden machst, sintemal man die Gersten in der Mühl zu gerben oder zu röllen[249] pflegt.«