»Ei, Herr Schaffner«, sagte der Baur, »ich sagte euch von keiner Gersten, sonder von meinem Kärsten, damit ich hacke.«

»Ja so«, antwortet der Schaffner, »das wäre ein anders«, und zählet damit dem Bäuerlein einen Thaler hin, den er auch gleich in seine Schreibtafel aufnotirte. Ich aber gedachte: Sollestu ein Schaffner über Rebleut sein und weist noch nichts von den Kärsten! Dann er befahl dem Bauren, daß er solche zu ihm bringen solte, um zu sehen, was es vor Creaturen wären, und was der Schmied daran gemacht hätte. Simplicius aber, der diesem Gespräch auch zugehöret, fieng an zu lachen, daß er hotzelte[250], welches auch das erste und letzte Gelächter war, das ich von ihm gehöret und gesehen, dann er verhielte sich sonst gar ernsthaftig und redete, ob zwar mit einer groben und mannlichen Stimme, viel lieblicher und freundlicher, als er aussahe, wiewol er auch mit den Worten gar gesparsam umgieng. Springinsfeld hingegen verlangte die Ursach solches Lachens zu hören, ließe auch nicht ab am Simplicio zu bitten, biß er endlich sagte, die vom Schaffner letztverstandene Wort des Bauren hätten ihn an einen Possen erinnert, den er auch wegen eines misverstandenen Worts in seiner unschuldigen Jugend, zwar wider seinen Willen, angestellet, wessentwegen er gleichwol ziemliche Stöße eingenommen.

»Ach, was war das?« fragte Springinsfeld.

»Es ist unnöthig«, antwortete Simplicius, »daß ich euch zu einer eitelen Thorheit reize, darvor ich das übermäßige Gelächter halte, ohne welches ihr aber die Histori nit anhören könnet, dann ich würde mich auf solchen Fall mit fremder Sünde beladen.«

Ich warf meine Karten mit unter und sagte: »Hat doch mein hochgeehrter Herr selbsten in seiner Lebensbeschreibung so manchen lächerlichen Schwank eingebracht; warum wolte er dann jetzt seinen alten Cameraden zu Gefallen ein einzige lächerliche Geschicht nicht erzählen?«

»Jenes thät ich«, antwortet Simplicius, »weil fast niemand mehr die Wahrheit gern bloß beschauet oder hören will, ihr ein Kleid anzuziehen, dardurch sie bei den Menschen angenehm verbliebe, und dasjenig gutwillig gehöret und angenommen würde, was ich hin und wider an der Menschen Sitten zu corrigiren bedacht war. Und gewißlich, mein Freund, er sei versichert, daß ich mir oft ein Gewissen drum mache, wann ich besorge, ich seie in eben derselben Beschreibung an etlichen Orten all zu frei gangen.«

Ich replicirt hinwider und sagte: »Das Lachen ist den Menschen angeborn, und hat solches nit allein vor allen andern Thieren zum Eigenthum, sonder es ist uns auch nutzlich, wie wir dann lesen, daß der lachende Democritus[251] in guter Gesundheit 109 Jahr alt worden, dahingegen der weinende Heraclitus[252] in frühem Alter eines elenden Tods und zwar in einer Kühhaut, darin er sich wicklen lassen, seine Glieder zu heilen, gestorben; dahero dann auch Seneca[253] in libro de tranquillitate vitæ, alwo er dieser beiden Philosophen gedenkt, vermahnet, daß man mehr dem Democrito als dem Heraclito nachfolgen soll.«

Simplicius antwortet: »Das Weinen gehöret dem Menschen so wol als das Lachen eigentlich zu, aber gleichwol allzeit zu lachen oder allzeit zu weinen, wie diese beide Männer gethan, wäre eine Thorheit; dann alles hat seine Zeit. Gleichwol aber ist das Weinen dem Menschen mehr als das Lachen angeboren, dann nicht allein alle Menschen, wann sie auf die Welt kommen, weinen (man hat nur das einige Exempel des Königs Zoroastris[254], der, wie er geborn, alsbald gelacht, so zwar von Nerone[255] auch gesagt wird), sonder es hat der Herr Christus unser Seligmacher selbst etlichmal geweinet; aber daß er jemals gelacht, wird in H. Schrift nirgends gefunden, sonder hat vielmehr gesagt: Selig seind, die weinen und Leid tragen, dann sie werden getröst werden! Seneca, als ein Heid, mag das Lachen dem Weinen wol vorziehen; wir Christen aber haben mehr Ursach, über die Bosheit der Menschen zu weinen als über ihre Thorheit zu lachen, weil wir wissen, daß auf die Sünde der Lachenden ein ewiges Heulen und Wehklagen folgen wird.«

»Bei mein Eid«, sagte hierauf Springinsfeld, »wann ich nit glaube, du seiest ein Pfaff worden!«

»Du grober Gesell«, antwortet ihm Simplicius, »wie darfst du das Herz haben, so leichtfertig vor ein Ding zu schwören, wann du mit deinen eignen Augen das Widerspiel sihest? Weist du auch wol, was ein Eid ist?«