»Das hast du für mich getan!«
»Für dich – für Gott – für dich.«
»Und hast nie gezweifelt?«
»Lebte ich noch?«
»Du lebtest mit einem andern! Mein waren drei Minuten – des andern die Nacht –«
»Still, still du –«
Über seinen Augen liegt weiße Nacht, ihr Arm. Seine sinkenden Wimpern streifen ihre kühle, lebendige Haut.
»Vor vier Jahren auf meiner Hochzeitsreise – in Kairo – sah ich einen leprakranken Bettler im Finstern eines Torbogens kauern. Er wagte sich nicht mehr ins Straßenlicht, sein Zerfall war so furchtbar, daß ihn die Menschen gesteinigt hätten. Aber aus dem Dunkel züngelte sein Blick rot und hündisch über meine Schuhe. So schrecklich war dieser Mensch, daß ich hingehen mußte und ihn streicheln – mit dieser Hand. Damals hatte ich deiner vergessen. Wie hätte ich sonst meinen Leib – deinen Leib, dies Mein, das dein war vom Anbeginn meines Atmens – solcher Gefahr preisgegeben? Willst du eifersüchtig sein auf diesen eiternden Brocken Fleisch? Ihm müßtest du mehr zürnen als dem Manne, der mein Sterbliches bis heute besessen hat. Damals brach ich dir die Treue.«
»Du –!« Als riss' er einen jungen Baumstamm mit allen Wurzeln aus feuchter Erde, reißt er seinen Mund von ihrem auf. Ihr Kuß ist bitter wie das klebrige Innere einer märzlichen Blattknospe. Den Oberkörper emporgehoben über sie wirft er ihr die Worte ins Gesicht. Ihre Lider schlagen in seinem Atem wie an Fenstern schwere Vorhänge im Sturm. »Oft, oft hast du mich betrogen. Du liebtest andere Dinge neben mir, tausend andere Dinge. Tand, Eitelkeit, Ungöttliches!«
Ihre wehenden Lider sinken schwer herab. Und siehe, im Zimmer, dem hell vermeinten, ist solche Nacht, daß sein Leib angstvoll an ihren fliegt.