Die Frau, leise, gebunden: »Vergib. Ich weiß. Es war viel Äußeres um mich und an mir. Und manches davon gefiel mir. Ich war gerne schön gekleidet, edel frisiert und fühlte mich froh, wenn Menschen mich schön fanden. Ich liebte die Jagd, den Winter in der Schweiz, den Frühling auf dem Meer, Konzerte, meinen Hund – du kennst ihn –«
»Und heute – jetzt?«
Ganz zart, mit einem schwebenden Lächeln, in dem ein schwaches Licht ist wie am äußersten Rande des Himmels am Morgen: »Den Hund liebe ich vielleicht noch.«
»Ich werde ihn töten müssen!«
»Wilder du –« Unter ihren kindlichen Fingerspitzen knistert sein Haar, als sprängen Funken über.
Sein Leib stürmt verzweifelt wider ihren an. »Nur mich lieben, du, nur mich! Um uns, außer uns, das Nichts, luftleeres Chaos. Luft, Leben nur mehr in unsrem Atem, nur mehr aus meinem Mund in deinen und zurück. Lassen wir uns los, ersticken wir, stürzen ab in den brennenden Sternenraum –«
»Ja –! Doch noch der Sturz – Seligkeit!«
»Noch nicht stürzen! Leben! Atmen!«
Sie sind eins. Eins und allein. Um sie Gemäuer mit tausend verschlossenen Toren. Tausend Türme stürzen, sich verjüngend, empor in den Raum und ihre Spitzen, ganz zarte Nadeln aus Stein, berühren den aufklingenden Himmel. An die Tore aber donnert in brünstigem Rhythmus graues, gischtiges Meer. In furchtbarer Rundung ist um sie Granit gegossen, nur ganz oben ist der Blick frei. Die Augen der Frau weit offen empfangen den ungeheuer fernen Himmel, Nachthimmel dunkel, blau und gestirnt, über den zuckende Bogen von Blitzen schießen, und der Mann sieht den Widerschein sterbender Sterne in ihren Augen und erschauert.
Ihre Körper entsinken einander. Die Frau weint leise. Ihr ist, als hätte sie den Tod in ihrem Schoß empfangen und müßte ihn nun in die Welt hinausgebären. So grauenvoll war die Lust. Gütig und bruderhaft geht die schöne Hand des Mannes durch ihr verwirrtes, strahlendes Haar.