Er streckt ihm frech die Hand hin. Secundus berührt sie lächelnd.

Er ist dreißig Schritte in die Nacht gegangen, hört katzenhaftes Anschleichen hinter sich, geht noch fünf Schritte, dreht sich dann blitzschnell um und fängt das auf seinen Nackenwirbel gezückte Messer auf.

»Ich würde dir dein Handgelenk auskegeln, wenn ich's nicht brauchte.«

»Sie entschuldigen schon. Der Tausender schien mir so einfacher zu verdienen.«

»Nein, du mußt schon meinen Weg einschlagen. Gute Nacht. Morgen neun Uhr. Und gewaschen.«

Schwachen Mond überjagt Gewölk. Der Himmel ist wunderlich wolkengetigert. Der Wind dreht sich. Der du vom Himmel bist – –

Die Verhandlung gegen die des Ladendiebstahls beschuldigte Kathrin Nhilius findet Ende Juli im Bezirksgericht L. statt.

Die Stadt ist ausgestorben und nur wenige ehemalige Freundinnen der Angeklagten, die ein Zufall noch zurückgehalten hat, können sich's nicht versagen, dem interessanten Schauspiel beizuwohnen.

Die Hitze ist unerträglich. Der Himmel ungeheuer gelb und staubig. Am Horizont ziehen violette Gewitter auf. Hinter scharf grauen Dunstfetzen Wetterleuchten in fahlen Garben. Die paar Menschen im Saal halten sich geduckt, als sei Vernichtung auf ihre Nacken gezückt.

Der Strafrichter, ein großer, nachtköpfiger Aasgeier, sitzt, die Gedärme des letzten Opfers noch blutig aus dem Schnabel hängend, mit sieben Schrecken gerüstet auf seinem erhöhten Sitz hinter dem grünen Tisch. Seine Stimme, schriller Vogelschrei über falbe Wiesen geworfen, heischt gierig ihr Kommen. Ein Schutzmann schleppt sie unter dem gedämpften »Ah« des Auditoriums zur schmerzlichen Bank.