Gelber Riedbock vom Rufiyi.

Zwei Stunden vor Sonnenuntergang brach ich auf, um auf Riedböcke zu pirschen. Die Abendsonne schien freundlich in das Landschaftsbild; klar zeichneten sich die fernsten Zweige ab; denn ein kurzer Nachmittagsregen hatte die Luft gereinigt. Dicht bei einem kleinen, von allen Seiten zugänglichen Tümpel zogen zwei Riedböcke; äsend und öfters sichernd näherten sie sich einer Bodenfalte, in der sie für kurze Zeit verschwanden.

Ich lief schnell bis auf fünfzig Schritt hinan. Die Ricke warf auf und äugte nach mir; ich stand ganz frei vor ihr.

Von dem Gelb der Decke hoben sich die dunkeln Lichter, der Grind und die Luserspitzen stark ab. Wohl zwei Minuten äugte das niedliche Gesichtchen nach mir herüber, dann tat die Ricke einen quietschenden Pfiff und sprang ab. Der Bock — ein Schneider — hinterher.

Für den Pfiff habe ich einen naheliegenden Vergleich: es ist der Ton, den Gummihunde und -puppen von sich geben, die innen hohl sind, ein metallenes Pfeifchen haben und durch schnelles Zusammendrücken musikalisch betätigt werden.

Die Riedböcke hatte ich also laufen lassen! Weiter. Als nächstes Wild sah ich Hartebeeste; mochte ich heute nicht. Dann, als die Sonne schon zur Rüste ging, einen Riedbock und drei Ricken in welligem, recht freiem Grasland. Zwei der Ricken gingen voraus, der Bock und ein Schmaltier blieben auf einem Sandrücken stehen. Ich näherte mich vorsichtig bis auf vierzig Schritt und stellte mich so, daß ich gerade über die Gräser einer flachen Kuppe hinwegsehen konnte.

Ich bin sehr nahe an dem Wild, der Wind ist aber gut, es wäre die schönste Gelegenheit zu einer Aufnahme, aber leider habe ich die Kamera nicht zur Hand. Darum suche ich mir den Anblick um so genauer einzuprägen und beobachte die Tiere einige Minuten lang: Der Bock erscheint dunkler als die Ricke, sein Hals ist stärker, die ganze Gestalt voller, die Haltung des Kopfes ist steiler, das dunkle Gehörn wirkt aus dieser Nähe als schöner Schmuck. — Die beiden Tiere äsen friedlich. Endlich entschließe ich mich zum Schuß. Der Bock, auf den Stich getroffen, sinkt lautlos zusammen, Hals und Kopf bleiben aufgerichtet. Nach einigen schwachen Versuchen, sich zu erheben, bleibt er still sitzen, kein Mensch könnte diesem Tiere ansehen, daß es tödlich getroffen ist. Das erstaunlichste aber ist: Selbst die Ricke merkt es nicht, obwohl sie nahe bei dem Bock steht; hat auch den Schuß nicht beachtet. Sie sieht wohl einmal nach dem Gefährten hin, äst dann aber ruhig weiter. Ich gebe dem Bock noch einen Schuß aufs Blatt; er verendet.

Dasselbe rätselhafte Verhalten der Ricke! Sie äste noch einige Minuten, hatte dabei offenbar das Bestreben, vorwärts zu gehen und äugte mehrmals nach dem Toten, weil er nicht mitkam.