Ich folgte der Fährte des kranken Stiers, solange es das Tageslicht erlaubte. Er war im Galopp durch das Schilf gestürmt; an mehreren Stellen fand sich Schweiß. Als ich der Fährte eine halbe Stunde lang nachgegangen war, wurde es dunkel und ich mußte die Jagd abbrechen in der seltsamen Stimmung, die jeder Jäger in der Lage kennt: Grübeln, Hoffnung, Ausfragen aller Leute, die so aussehen, als könnten sie einem Mut zureden, Vorwürfe gegen sich selbst und das ewige „wenn“ und „aber“ auf alle durchlebten Momente der Jagd angewandt; endlich wieder hoffnungsfrohes Ausmalen des Erfolges: wenn wirklich der erste Büffel zur Strecke gebracht wäre! Und der Gedanke an den und jenen Freund, dem man seine Freude mitteilen wird!
Aber ich mußte mir sagen, daß die Hoffnung, den Büffel zu finden, gering war; denn ein Kopfschuß hat nur Sinn, wenn er das Gehirn trifft und das Tier gleich umwirft.
Bei ruhiger Überlegung wußte ich, daß dieser Büffel für mich verloren war, und in bösen Augenblicken peinigte mich der naheliegende Gedanke, daß mein Schuß dem edlen Tiere Verletzungen am Geäse beigebracht haben konnte, die ihn an der Aufnahme von Nahrung hinderten und zum Hungertode verurteilten, eine Möglichkeit, die schon manchen sicheren Schützen und gewissenhaften Jäger von den Kopfschüssen abgebracht hat.
Auf den Kopf habe ich geschossen, weil mir aus Wißmanns und anderer Jäger Schilderungen in Erinnerung war, daß ein Büffel stets annimmt und weil die Entfernung zwischen mir und dem Büffel zu gering war, als daß er, durch einen Blattschuß verwundet, mich nicht mehr hätte erreichen können. — Ein Kopfschuß, der das Gehirn trifft, tötet jedes Tier auf der Stelle.
Es ist mir nicht klar, wie ich den Büffel getroffen habe. Mit einem Blattschuß oder Weidewundschuß hätte ich ihn jedenfalls zur Strecke gebracht.
Ich mußte am nächsten Morgen weitermarschieren. Erprobte Eingeborene suchten den kranken Büffel noch tagelang und stellten fest, daß er lebte und die alte Wasserstelle, einen unzugänglichen Sumpf, annahm. Die Leute kannten ihn als den „roten“ Büffel; er sollte ausnahmsweise rötliche Behaarung tragen, was ich bei der Beleuchtung nicht sehen konnte.
Ein Mißerfolg.
Daß ich den ersten Büffel nicht hinter die Schulter schoß, konnte ich mir lange nicht verzeihen und mein Wunsch, so edles Wild wieder zu treffen und dann die Scharte auszuwetzen, wurde immer brennender.